Hannes Wader

Hannes Wader ist einer der großen alten Männer der deutschen Liedermacherszene. Seit über 40 Jahren steht er als Sänger auf der Bühne. Zu seinen Freunden mit denen er auch gelegentlich auftritt zählen Reinhard Mey und Konstantin Wecker, die ich euch schon vorgestellt habe.

Wader hatte 1966 seinen ersten großen Auftritt. In seinen Liedern greift er oft Missstände und Ungerechtigkeiten auf. Er hat zum Beispiel ein ganzes Album mit revolutionären alten Arbeiterliedern gemacht.

Er hat sich aber auch der deutschen Volksmusik angenommen. Es gibt bei uns zwei Arten von Volksmusik. Zum einen die „volkstümliche Musik“, das ist die kommerzielle, weichgespülte heile Welt-Variante, und dann gibt es noch die authentischen Volkslieder, bei denen es auch oft um das Leiden des Volkes und um Missstände geht. Das kann man entfernt mit dem Unterschied zwischen Country und Folk in den USA vergleichen. Hannes Wader ist also so eine Art deutscher Folksänger. Er hat zum Beispiel eine CD gemacht, auf der nur Volkslieder sind, sie heißt  Volkssänger. Die Lieder die er darauf singt sind alle mehrere hundert Jahre alt. Das Deserteurslied  „O König von Preußen“ ist zum Beispiel aus dem 18. Jahrhundert und beschreibt, mit welch üblen Mitteln damals die Soldaten rekrutiert wurden und wie schwer ihr Leben war. Auf YouTube ist hier eine Version der norddeutschen Folkgruppe Liederjan zu finden. Des weiteren hat Hannes Wader auch eine CD mit plattdeutschen Liedern gemacht. Plattdeutsch ist eine eigene Sprache, die im Norden Deutschlands und im Osten der Niederlande gesprochen wird.

Es gibt auch eine ganz außergewöhnliche CD von Hannes Wader, auf der er Lieder des großen österreichischen Komponisten Franz Schubert singt. Die Forelle ist eines seiner bekanntesten Lieder. Für diese CD nahm er sogar ein Jahr Gesangsunterricht, um sich die nötige Technik anzueignen.

Solche Lieder singt er heute aber nur noch selten. Auf Konzerten singt er jetzt meist eigene Lieder. Hannes Wader nimmt in der deutschen Musikszene einen ganz besonderen Platz ein. Für sein Schaffen bekam er 2012 den Weltmusik-Preis und 2013 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Echo-Preis geehrt.

Hier findet man seine Homepage, seine Musik gibt es bei iTunes.de und iTunes.com sowie bei Amazon.de und Amazon.com.

 

SG #077: Deutsche Serien und Filme

SG #077: Deutsche Serien und Filme

Cemal aus der Türkei hat mich gefragt, wie es in Deutschland mit Filmen und Serien aussieht. Das ist ein schwieriges Thema, weil es da natürlich sehr viel zu erzählen gibt!

Fangen wir mit den Filmen an. Es gibt eine sehr lebendige deutsche Filmszene. Ich werde Euch in nächster Zeit auch immer wieder deutsche Filme hier vorstellen. „Good Bye Lenin“ und „Das Leben der Anderen“ habe ich Euch ja schon vorgestellt.

Ich habe mal nachgesehen, welche deutschen Filme in den deutschen Kinos in den vergangenen 50 Jahren am meisten Besucher angelockt haben. Interessant fand ich, dass es sich fast ausschließlich um Komödien handelt. Der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten ist „Der Schuh des Manitu“. Das ist eine Parodie auf alte Westernfilme, vor allem auf die alten Karl May-Filme. Es geht also um Cowboys und Indianer. Wer diesen Film gemacht hat? Eine Truppe um den deutschen Comedian Michael „Bully“ Herbig. Das ist ein Münchner Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Comedian. Gemeinsam mit seinen Kumpels Christian Tramitz und Rick Kavanian hat er viele Filme und Fernsehsendungen gemacht – alle lustig. Auch der zweit-erfolgreichste Film aller Zeiten ist von diesem Trio: „(T)Raumschiff Surprise“. Wieder eine Parodie – diesmal wird „Raumschiff Enterprise“ auf die Schippe genommen.

Noch einer hat es gleich zwei Mal in die Top Ten geschafft: Otto. Otto ist ein Komiker der älteren Generation – ihn kennt in Deutschland jedes Kind. Und das seit Generationen. Ganz neu in den Top Ten ist ein Film, der jetzt gerade noch in den Kinos läuft. Er heißt „Fack Ju Göhte“. Wieder eine Komödie. Darin geht es um Lehrer und Schüler. Der Star des Films ist ein Schauspieler namens Elyas M’Barek – er hat derzeit eine Menge Fans. Eine weitere wichtige Figur – ob man ihn mag oder nicht – ist Til Schweiger. Er wurde als Schauspieler mit dem Film „Der bewegte Mann“ berühmt. Mittlerweile macht er selber Filme, die viele Deutsche ins Kino locken. Beispielsweise „Keinohrhasen“. Natürlich auch wieder eine Komödie.

Til Schweiger ist neuerdings auch Kommissar in der Reihe „Tatort“. Der Tatort ist eine Krimi-Sendung, die fast jeden Sonntagabend im Fernsehen läuft. Und das seit 1970. Der Tatort ist Kult – er hat viele Fans. Diese treffen sich oft auch in Kneipen, um gemeinsam den Tatort zu sehen. Oder sie quatschen bei Twitter unter dem Hashtag #tatort. Jeden Sonntag ist ein anderes Team im Einsatz – aus einer anderen deutschen Stadt. Sehr beliebt ist der Tatort aus Münster – er ist eher lustig als spannend. Viele Kommissarenteams sind schon seit vielen Jahren im Einsatz. Das Team aus München beispielsweise hat schon über 60 Fälle gelöst.

Krimis sehen die Deutschen ohnehin sehr gerne. Aber es gibt auch andere Serien, die seit vielen Jahren sehr beliebt sind. Die „Lindenstraße“ zum Beispiel. Das ist die erste deutsche Seifenoper – es gibt sie seit 1985. Jeden Sonntagabend kommt eine neue Folge – es geht um die Bewohner der Lindenstraße, wie der Titel schon sagt. Die Fernsehserie ist bekannt dafür, aktuelle Geschehnisse aus Deutschland in die Handlung einzubauen – oft ist sie sogar gesellschaftskritisch.

Die Hauptsendezeit ist in Deutschland um 20.15 Uhr. Dann kommen die großen Filme und so weiter. Um 20 Uhr kommt die Tagesschau, die Nachrichtensendung. Und vorher kommen die Vorabendserien. Da geht es um Landärzte, Förster oder Polizisten. Es gibt eine Serie, die ich Euch empfehlen kann, weil sie sehr schräg ist: „Der Tatortreiniger“. Es geht um Schrotty, einen Mann, der engagiert wird, wenn ein Mord passiert ist. Oder etwas ähnliches. Er wird dann gerufen, um zu putzen – und führt dabei gerne kuriose Gespräche mit den Nachbarn oder anderen Menschen in er Umgebung.

Ich persönlich sehe lieber amerikanische Serien als deutsche Serien. Aber wenn ich deutsche Serien sehe, dann die von Franz Xaver Bogner. Das ist ein bayerischer Fernsehmacher, der in den vergangenen 40 Jahren zahllose Serien produziert hat. Er beobachtet dabei die Menschen sehr genau und hat einen guten Sinn für Humor. Aber ich fürchte, für Deutschlernende sind die bayerischen Episoden schwer zu verstehen.

Um zu Cemal vom Anfang zurückzukommen: Es gibt auch eine deutsche Serie, die sehr beliebt war, die zu ihm passen könnte: „Türkisch für Anfänger“. Darin geht es um die Annäherung von Deutschen und Türken. Klingt gut, oder?

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg77kurz.pdf

Buchempfehlung

Ich werde oft von Euch gefragt, welche Bücher von deutschen Autoren ich Euch empfehlen kann. Für mich ist es schwer einzuschätzen, welche Bücher leicht verständlich sind und welche Bücher eher kompliziert sind. Daher habe ich meinen Freund Richard gefragt, einen Amerikaner und fortgeschrittenen Deutsch-Lerner. Er empfiehlt folgende Bücher:

Die Entdeckung der CurrywurstHerr LehmannFaserland

MomoHappy Birthday, Türke: Ein Kayankaya-Roman: Happy Birthday Tu>Rke!Ich bin kein Berliner: Ein Reiseführer für faule Touristen

Übrigens hat Richard auch einen Podcast, allerdings einen auf Englisch. Hört doch mal rein, es geht um Geschichten aus San Francisco!