Brauchen wir noch Bargeld? – SG 323

Brauchen wir noch Bargeld? – SG 323

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Und jetzt zur Folge:

Es gibt eine Sache, die sich gerade in Deutschland ändert. Mir fällt es immer häufiger auf. Und zwar geht es darum, wie die Menschen bezahlen.

In den USA zahlen die Leute schon sehr lange mit Kreditkarte. Das war hier nicht so. Hier bezahlte man wenn überhaupt mit einer EC-Karte, das ist keine Kreditkarte, sondern eine Bankkarte. Dazu später mehr. Am Liebsten zahlten die Deutschen aber schon immer mit Bargeld. Das scheint sich jetzt sehr schnell zu ändern. Seit man mit dem Handy bezahlen kann, machen das auch viele Leute. Sie finden das einfacher und schneller. Deshalb wird oft die Frage gestellt: Brauchen wir heute überhaupt noch Bargeld?

Bargeld gibt es schon sehr lange. Früher bezahlten die Menschen mit Muscheln, Salz oder Edelmetallen. Später wurden Münzen aus Gold, Silber oder Kupfer hergestellt. Papiergeld entstand zuerst in China. In Europa verbreiteten sich Geldscheine erst viele Jahrhunderte später. Heute benutzen fast alle Länder der Welt sowohl Münzen als auch Geldscheine.

In Deutschland bezahlten die Menschen früher mit der D-Mark. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt und war viele Jahrzehnte lang die Währung der Bundesrepublik Deutschland. Am 1. Januar 2002 änderte sich das. Seit diesem Tag bezahlen die Menschen hier mit dem Euro. Deutschland war eines der ersten zwölf Länder, die den Euro als Bargeld einführten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Euro eingeführt wurde. Wir konnten uns damals sogenannte „Starter Kits“ holen, da waren die neuen Münzen drin. Für manche war das spannend, für andere war es ungewohnt. Ich glaube, so ein Starter Kit habe ich heute immer noch irgendwo.

Am Anfang habe ich es ein wenig vermisst, im Urlaub eine andere Währung zu benutzen Es war ganz normal in meiner Kindheit. Urlaub in Italien? Wir zahlen mit Lira und müssen umrechnen. Genauso in Österreich oder Belgien. Heute zahlen wir (fast) überall mit Euro, die Rechnerei ist vorbei. Aber man kann auch keine Münzen mehr als Souvenirs mitbringen.

Die Euro-Münzen haben auf einer Seite ein gemeinsames europäisches Motiv. Die andere Seite zeigt ein nationales Motiv. In Deutschland sieht man zum Beispiel den Bundesadler oder das Brandenburger Tor. Ist Dir das schon aufgefallen? Die Geldscheine sehen in allen Ländern gleich aus. Sie zeigen Brücken und Bauwerke, die nicht real existieren.

Noch vor wenigen Jahren bezahlten die meisten Menschen in Deutschland wie gesagt fast alles mit Bargeld. Das hatte verschiedene Gründe. Viele Deutsche finden Bargeld übersichtlich. Wenn sie Scheine und Münzen in der Hand haben, sehen sie sofort, wie viel Geld sie noch ausgeben können. Außerdem mögen viele Menschen den Gedanken, dass Bargeld anonym ist. Wer bar bezahlt, hinterlässt normalerweise keine digitalen Daten über seinen Einkauf.

In anderen europäischen Ländern war die Entwicklung anders. In Schweden oder den Niederlanden wurde das Bezahlen mit Karte schon früh sehr beliebt. Deutschland galt dagegen lange als Bargeld-Land. Viele kleinere Geschäfte akzeptierten bis vor kurzem gar keine Kartenzahlung oder erst ab einem bestimmten Betrag. Wer nur eine Brezel oder eine Zeitung kaufen wollte, musste oft bar bezahlen.

Und warum hat es sich geändert, dass die Menschen heute mehr mit Karte zahlen? Besonders während der Corona-Pandemie änderte sich das Verhalten vieler Kunden. Viele Geschäfte baten ihre Kunden darum, möglichst kontaktlos zu bezahlen. Dadurch nutzten auch Menschen digitale Bezahlmethoden, die vorher lieber Bargeld verwendet hatten.

Heute kann man in Deutschland fast überall mit Karte bezahlen. Selbst auf vielen Wochenmärkten oder in kleinen Bäckereien gibt es inzwischen Kartenlesegeräte. Trotzdem gibt es immer noch Orte, an denen Bargeld wichtig ist. Manche kleinen Restaurants oder Imbisse akzeptieren nur Barzahlung. Auch auf Flohmärkten oder bei privaten Verkäufen wird meistens bar bezahlt. Es gibt auch einen Unterschied, ob du in der Stadt oder auf dem Land bezahlen möchtest. In den Städten ist das Zahlen mit Karte meistens möglich. Du sagst dann einfach „Mit Karte bitte“.

Überlegen wir mal, welche Pro- und Contra-Argumente wir finden. Ein Vorteil von Bargeld ist, dass es auch ohne Strom oder Internet funktioniert. Wenn ein technisches Problem auftritt oder das Kartenterminal ausfällt, können Kunden trotzdem bezahlen. Deshalb sehen manche Experten Bargeld als wichtige Reserve für Notfälle. Die Deutsche Bundesbank betont regelmäßig, dass Bargeld ein wichtiges Zahlungsmittel bleiben soll.

Ein weiterer Vorteil ist wie schon gesagt der Datenschutz. Bei einer Kartenzahlung oder einer Zahlung mit dem Smartphone entstehen digitale Daten. Banken oder Zahlungsdienstleister können sehen, wann und wo bezahlt wurde. Sie können ein Profil ihrer Kunden aufstellen, wissen genau, wo diese sich aufhalten und was sie kaufen. Bei einer Barzahlung ist das anders. Deshalb sagen manche Menschen, Bargeld schütze ihre Privatsphäre besser.

Es gibt aber auch Argumente gegen Bargeld. Banken müssen Geldscheine und Münzen transportieren, zählen und sicher aufbewahren. Auch Geschäfte haben mehr Arbeit, wenn sie jeden Abend ihre Kasse abrechnen und Bargeld zur Bank bringen müssen. Das kostet Zeit und Geld. Digitale Zahlungen können deshalb einfacher sein.

Außerdem kaufen immer mehr Menschen im Internet ein. Dort kann man nicht mit Bargeld bezahlen. Online-Shops akzeptieren meistens Überweisungen, Kreditkarten, PayPal oder andere digitale Zahlungsmethoden. Für viele Menschen gehören diese Bezahlarten deshalb längst zum Alltag.

In Deutschland gibt es außerdem wie schon erwähnt eine besondere Karte, die fast jeder Erwachsene besitzt: die Girocard. Früher wurde sie oft EC-Karte genannt. Obwohl dieser Name offiziell nicht mehr verwendet wird, sagen viele Menschen noch immer „EC-Karte“. Mit ihr bezahlen jedes Jahr Millionen Menschen ihre Einkäufe. Die Girokarte ist verbunden mit dem Girokonto. Das ist also das Bankkonto, auf das zum Beispiel das Gehalt eingeht. Ich kann mit der Girokarte das Konto bis zu einem vorher festgelegten Betrag überziehen. Überziehen bedeutet, dass ich mehr ausgebe, als ich auf dem Konto habe. Es rutscht dann ins Minus. Aber lang nicht in dem Maße, wie es bei Kreditkarten möglich ist. Für Jugendliche kann man diese Funktion komplett sperren, dann können sie nur das Geld ausgeben, das sie auch wirklich auf dem Konto haben.

Auch das Smartphone wird immer wichtiger. Mit Diensten wie Apple Pay oder Google Pay kann man bezahlen, ohne eine Karte aus der Tasche zu holen. Dafür wird die Kreditkarte einmal im Smartphone gespeichert. Anschließend reicht es oft, das Telefon kurz an das Kartenlesegerät zu halten. 51 Prozent der Deutschen zahlen mittlerweile bargeldlos.

Manche Menschen fragen sich, ob Bargeld irgendwann ganz verschwinden wird. Im Moment sieht es nicht danach aus. Euro-Banknoten und Euro-Münzen sind gesetzliche Zahlungsmittel in allen Ländern der Eurozone. Die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken stellen weiterhin Bargeld her und sorgen dafür, dass genügend Geldscheine und Münzen im Umlauf sind.

Gleichzeitig arbeiten viele Länder an digitalen Zahlungsmöglichkeiten. Auch die Europäische Zentralbank prüft seit einigen Jahren die Einführung eines digitalen Euro. Dabei handelt es sich nicht um Bargeld, sondern um eine elektronische Form des Euro. Ein solcher digitaler Euro würde das Bargeld nach den bisherigen Plänen nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Wir müssen auch bedenken, dass viele finanzielle Angebote in den USA beheimatet sind. Zum Beispiel die großen Kreditkarten VISA und Mastercard, aber auch PayPal und ähnliche Dienste. Das sorgt für eine gewisse Abhängigkeit von den USA. Daher bauen europäische Firmen und Banken gerade ihre eigenen Netze auf. Wero ist zum Beispiel ein Dienst, mit dem ich bezahlen kann ähnlich wie mit PayPal. Aber er ist noch nicht sehr verbreitet.

Mal sehen, wie sich all das weiter entwickelt. Falls Du als Tourist nach Deutschland kommst, solltest Du auf jeden Fall am Automaten ein wenig Bargeld abheben. Es kann immer sein, dass Du irgendwo nicht mit Karte bezahlen kannst.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg323kurz.pdf

Wiedereinführung der Wehrpflicht – SG 322

Wiedereinführung der Wehrpflicht – SG 322

Gibt es bald wieder eine Wehrpflicht in Deutschland? Ich bin dieses Jahr 50 geworden. Als ich eine junge Erwachsene war, war es ganz normal, dass die Männer „zum Bund“ gingen oder Zivildienst leisteten. Das bedeutet, dass die jungen Männer meiner Generation für ungefähr ein Jahr einen Militärdienst leisten mussten. Sie waren in dieser Zeit Soldaten. Wer das nicht wollte, konnte verweigern. Diese jungen Männer haben dann das Jahr in sozialen Einrichtungen gearbeitet, zum Beispiel in Krankenhäusern.

Jahrzehntelang war das selbstverständlich: Junge Männer in Deutschland mussten zur Bundeswehr. Doch seit 2011 ist das anders. Und jetzt diskutiert das Land erneut darüber, wie es weitergeht.

Fangen wir wieder bei der Geschichte an. Die allgemeine Wehrpflicht trat in Deutschland am 21. Juli 1956 in Kraft. Also einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Von da an waren alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren wehrpflichtig. Über Jahrzehnte war die Bundeswehr eine der größten Armeen in Europa. Zu den Hochzeiten des Kalten Krieges hatte sie fast 500.000 Soldatinnen und Soldaten.

Dann änderte sich die Welt. Mit dem Ende des Kalten Krieges war die Verteidigung des eigenen Landes nicht mehr so wichtig. Wir fühlten uns sicher. Die Bundeswehr wurde kleiner. Der Verteidigungshaushalt wurde gekürzt, das heißt es wurde weniger Geld für das Militär ausgegeben. Die noch verbleibende Truppe konzentrierte sich mehr auf Auslandseinsätze. Für solche Einsätze brauchte man keine Wehrpflichtigen, sondern gut ausgebildete Spezialisten. 2011 wurde die Wehrpflicht schließlich unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgesetzt. Sie wurde also nicht abgeschafft, sondern sozusagen pausiert. Das hatte vor allem finanzielle Gründe, denn eine Berufsarmee war günstiger zu organisieren.

Jetzt betone ich das Wort „ausgesetzt“ noch einmal: Die Wehrpflicht steht noch immer im Grundgesetz. Das bedeutet, sie kann theoretisch jederzeit wieder aktiviert werden.

Und genau das ist jetzt wieder ein großes Thema. Der Grund dafür liegt vor allem in der Sicherheitslage in Europa. Russland führt einen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist sehr nah. Deshalb will die Bundesregierung die Bundeswehr stärken. Bis 2035 soll es rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie weitere 200.000 Reservisten geben. Das Problem: Ende Oktober 2025 waren es erst rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten – also viel weniger.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung gehandelt. Der Bundestag stimmte am 5. Dezember 2025 für das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Am 1. Januar 2026 trat es in Kraft.

Aber was bedeutet dieses Gesetz genau? Ist das jetzt die Wehrpflicht? Nicht ganz. Der neue Wehrdienst beruht weiterhin auf Freiwilligkeit. Wer nicht zur Bundeswehr will, muss nicht hin. Dennoch gibt es eine wichtige Neuerung: Alle 18-Jährigen erhalten einen Brief mit QR-Code und werden gebeten, einen digitalen Fragebogen auszufüllen. Für Männer ist das Ausfüllen und Zurücksenden Pflicht – für Frauen freiwillig. Außerdem werden junge Männer ab dem Jahrgang 2008 verpflichtend gemustert, also medizinisch untersucht. Bei der Musterung wird überprüft, ob der Mann überhaupt körperlich in der Lage wäre, als Soldat zu dienen.

Wer sich freiwillig meldet, bekommt attraktive Angebote. Der Sold, das ist das Geld, das man als Soldat verdient, wurde deutlich angehoben, auf rund 2.600 Euro brutto im Monat. Wer mindestens zwölf Monate dient, bekommt außerdem einen Zuschuss von bis zu 3.500 Euro für den Auto-Führerschein oder bis zu 5.000 Euro für einen LKW-Führerschein.

Aber was, wenn sich trotzdem nicht genug Freiwillige finden? Das Gesetz sieht die Möglichkeit einer sogenannten Bedarfswehrpflicht vor. Darüber müsste der Bundestag per Gesetz entscheiden – einen Automatismus gibt es nicht. Sollte es mehr potenzielle Wehrpflichtige als freie Stellen geben, soll sogar ein Losverfahren angewendet werden. Das erinnert mich etwas an die USA und den Vietnamkrieg, oder?

Nicht alle sind mit dem neuen Modell zufrieden. Militärhistoriker und Bundeswehr-Experten bezweifeln, dass die Bundeswehr ihren Personalbedarf allein aus Freiwilligen decken kann. Die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 sei ein großer strategischer Fehler gewesen, sagen manche. Und vor allem gibt es Widerstand bei denjenigen, die es betrifft: Junge Männer und Jugendliche. Unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ gab es Kundgebungen in etwa 90 Städten. Der Protest richtete sich gegen die verpflichtende Musterung aller Männer und eine befürchtete Militarisierung der Gesellschaft. Schüler demonstrieren also weiterhin regelmäßig dagegen. Sie sagen: Alte Männer wie Bundeskanzler Friedrich Merz dürfen nicht beschließen, dass die jungen Männer in den Krieg ziehen müssen.

Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass viele Deutsche das Thema anders sehen als früher. Eine Bevölkerungsumfrage des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr ergab, dass 53 Prozent der Befragten die Wiedereinführung eines Wehrdienstes für notwendig halten – sechs Prozentpunkte mehr als im Jahr davor.

Die Debatte ist also noch lange nicht abgeschlossen. Das neue Gesetz ist ein Kompromiss: keine echte Wehrpflicht, aber auch kein reines Freiwilligensystem mehr. Ob das reicht, um die Bundeswehr stark genug zu machen, wird die nächste Zeit zeigen. Ich persönlich kann nicht verstehen, dass wir angesichts des Klimawandels weiterhin Kriege führen und Milliarden von Euro für Waffen ausgeben, anstatt uns gemeinsam um unseren Planeten zu kümmern. Und als Mutter eines Sohnes will ich natürlich nicht, dass mein Sohn zum Soldaten wird.

Text der Episode als PDF:
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Social Media für Jugendliche verbieten? – SG 321

Social Media für Jugendliche verbieten? – SG 321

Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? Es ist die große Frage: Sollten Kinder und Jugendliche überhaupt Social Media nutzen dürfen? Diese Diskussion ist nicht neu – ich frage mich das immer wieder. Aber sie ist in den letzten Monaten sehr aktuell geworden. Besonders weil Australien als erstes Land der Welt gehandelt hat.

Doch beginnen wir von vorne. In Deutschland nutzen Kinder und Jugendliche Social Media im Durchschnitt mehr als drei Stunden pro Tag. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat sind ein fester Teil ihres Alltags. Viele fangen schon sehr früh damit an – oft weit vor dem 13. Lebensjahr, das die Plattformen selbst als Mindestalter angeben.

Gleichzeitig wächst die Sorge um die psychische Gesundheit junger Menschen. Studien zeigen, dass intensive Social-Media-Nutzung mit erhöhten Depressions- und Angstsymptomen, Schlafstörungen, Einsamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten zusammenhängt. In Deutschland nutzen rund eine Million der Kinder und Jugendlichen auf problematische Weise Social Media. 300.000 erfüllen sogar die Kriterien einer echten Social-Media-Sucht.

Wichtig zu sagen: Viele dieser Studien zeigen nur einen Zusammenhang, keine eindeutige Ursache. Das heißt, man weiß nicht sicher, ob Social Media die Probleme verursacht – oder ob Jugendliche mit Problemen einfach mehr Social Media nutzen. Trotzdem nehmen Politiker und Wissenschaftler das Thema ernst.

Den stärksten Impuls für die Debatte in Deutschland gab Australien. Das australische Parlament beschloss Ende 2024 als erstes Land der Welt eine Altersbeschränkung für Social Media. Am 10. Dezember 2025 trat das Gesetz in Kraft: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen seitdem keine eigenen Accounts mehr auf großen Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch besitzen. 4,7 Millionen Accounts wurden deaktiviert. Die Plattformen müssen das Alter der Nutzer überprüfen. Strafen drohen dabei ausschließlich den Plattformbetreibern, nicht den Jugendlichen oder ihren Eltern.

Was passiert, wenn ein Unternehmen die Regeln nicht einhält? Die australische Regierung hat die Höchststrafe inzwischen auf 99 Millionen australische Dollar – das sind etwa 60 Millionen Euro – verdoppelt.

Aber funktioniert das Verbot wirklich? Gerade diese Woche wurden die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlicht – und sie sind ernüchternd. Forscher der Universität Newcastle befragten mehr als 400 australische Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren kurz vor und etwa drei Monate nach dem Start des Verbots. Das Ergebnis: Mehr als 85 Prozent der betroffenen Jugendlichen nutzten weiterhin die verbotenen Plattformen. Die meisten über eigene Accounts, die sie einfach behalten haben. Viele Jugendliche umgehen die Alterskontrollen aktiv, und die vorhandenen Überprüfungen der Plattformen sind oft unzureichend. Häufig reicht eine einfache Selbstauskunft zum Alter oder das Hochladen eines Selfies.

Dennoch wollen auch andere Länder Social Media für Jugendliche verbieten. Großbritannien zum Beispiel. Die britische Regierung hatte Eltern und Kinder befragt und 116.000 Antworten bekommen. Das Ergebnis: die große Mehrheit wollte ein Verbot. Anfang 2027 soll es in Kraft treten.

Was macht Deutschland aus diesen Erfahrungen? Die Bundesregierung hat im September 2025 eine Expertenkommission zum Thema „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ eingerichtet. Diese Kommission hat Ende Juni 2026 ihre Empfehlungen vorgestellt. Das Gremium riet von einem strengen, pauschalen Social-Media-Verbot ab. Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU spricht sich grundsätzlich für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren aus – verbunden mit einer wirksamen Altersüberprüfung und abgestuften Schutzmaßnahmen für Jugendliche bis 18 Jahre.

Andere Experten setzen auf einen anderen Ansatz. Sie empfehlen, dass Plattformen die Accounts von Minderjährigen mit bestimmten sicheren Grundeinstellungen versehen müssen – zum Beispiel keine algorithmisch gesteuerten Feeds, keine personalisierte Werbung und kein Endlos-Scrollen. Die Idee dahinter: Der Schutz soll nicht davon abhängen, wie medienkompetent einzelne Kinder oder Eltern sind, sondern direkt in der Gestaltung der Plattformen stecken.

Auch in anderen Ländern wird das Thema diskutiert. In Dänemark soll das Mindestalter bei 15 Jahren liegen. In Spanien, Norwegen, Griechenland und den Niederlanden läuft ebenfalls eine Debatte.

Die Frage, wie Kinder und Jugendliche online besser geschützt werden können, beschäftigt also viele Länder gleichzeitig. Und die ersten Erfahrungen aus Australien zeigen: Ein gesetzliches Verbot allein reicht offenbar nicht aus. Ich selber bin der Meinung, dass wir viel mehr mit den Kindern und Jugendlichen über Social Media reden müssen. Sie müssen wissen, welche Gefahren es gibt und wie sie damit umgehen können. Und: Wir Erwachsenen müssen Vorbilder sein und unser Verhalten selber kritisch hinterfragen. Denn sind wir mal ehrlich: Sind nicht viele von uns viel zu oft auf Social Media? Was denkst du zu diesem Thema? Schreib gerne in die Kommentare!

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg321kurz.pdf