So, liebe Newsletter-Leser und -Leserinnen, es gab eine lange Pause. Ich habe in der letzten Podcast-Episode erklärt, warum: Ich habe leider Brustkrebs. Aber jetzt geht es wieder weiter, meine Gesundheit lässt es gerade zu. Danke für Eure Geduld und Euer Verständnis!
Nachricht aus Deutschland
Es ist heiß. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Wir haben hier eine Woche mit Temperaturen um die 30-35 Grad. Das ist in Deutschland nicht normal im Juni. Wir spüren schon jetzt den Klimawandel. Du musst dazu wissen, dass nur wenige Häuser hier Klimaanlage haben. Auch die Schulen nicht. Und nicht alle Büros. Für die Kinder im Norden gibt es eine gute Nachricht: Am 2. Juli fangen dort die Sommerferien an. Im Süden, in Bayern zum Beispiel, erst im August.
Die aktuelle Regierung ist nicht sehr beliebt. Unter anderem wird ihr vorgeworfen: Sie tut nicht genug. Jetzt gab es allerdings den Vorschlag einer Rentenreform. Es soll also geändert werden, wie in Deutschland die Rente organisiert wird. 33 Empfehlungen hat eine Gruppe von Expertinnen und Experten gegeben. Zum Beispiel, dass ein Teil der Rentenzahlungen auf dem Aktienmarkt investiert werden sollen. So ist es auch in Skandinavien. Die Menschen müssen auch länger arbeiten – weil sie auch länger leben. Die Regierung möchte, dass über all das nicht lange diskutiert wird. Es soll bald umgesetzt werden.
Ich habe mein Arbeitszimmer im Dachgeschoss. Momentan hat es 28 Grad. Draußen 35. Zwei Mal am Tag gehe ich raus und gieße meine Bonsai. Ich habe auch Sonnensegel aufgespannt, damit die kleinen Bäume im Schatten sind. Seit einer Woche hatte ich keine Socken an. Das ist der Vorteil als Frau: wir dürfen Sandalen und Kleider tragen. Mir tun alle Männer leid, die im Anzug in die Arbeit gehen müssen. Und mir tun die Bauarbeiter leid, die draußen bei dieser Hitze schwer körperlich arbeiten müssen! Auch vor meiner Tür ist bis September eine große Baustelle. Sehr laut.
Kultur aus Deutschland
Ist Fußball auch Kultur? Heute ja. Für diese Rubrik. Momentan findet ja die Fußball-Weltmeisterstadt in USA, Mexiko und Kanada statt. Heute Abend spielt die deutsche Mannschaft. Bei jeder WM gibt es eine Diskussion in Deutschland: Dürfen wir die deutsche Fahne schwenken? Dürfen wir nationalistisch sein? Patriotisch? Die Geschichte der Nazis hat dafür gesorgt, dass wir sehr verunsichert sind. Ich selber sehe mich nicht als Deutsche, sondern als Europäerin. Und als Münchnerin. Und Du?
Dieses Lied geht übrigens momentan um die Welt (und damit sind wir wieder bei der Kultur):
Du hast vielleicht gemerkt, dass es eine längere Pause bei Slow German gab. Der Grund ist, dass bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde. Ich danke Dir für Deine Geduld und ich danke besonders denen, die mich und meine Arbeit an diesem Podcast finanziell bei Patreon oder auf slowgerman.com unterstützen. Also: Heute geht es um das Thema Brustkrebs in Deutschland.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jedes Jahr erhalten etwa 75.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Das heißt: Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Natürlich können auch Männer an Brustkrebs erkranken, aber das kommt deutlich seltener vor. Die Krankheit entsteht, wenn sich Zellen in der Brust unkontrolliert vermehren und einen Tumor bilden. Dank moderner Medizin sind die Heilungschancen heute oft deutlich besser als noch vor einigen Jahrzehnten. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt inzwischen bei etwa 88 Prozent.
Brustkrebs ist keine neue Krankheit. Schon in der Antike beschrieben Ärzte Veränderungen in der Brust, die vermutlich Krebs waren. Damals gab es jedoch kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Viele Menschen glaubten, Krankheiten seien eine Strafe der Götter oder hätten andere mystische Ursachen. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die moderne Medizin. Ärzte begannen, Tumore genauer zu untersuchen und Operationen wurden sicherer. Trotzdem war Brustkrebs lange eine Krankheit, über die nur wenig gesprochen wurde.
Auch in Deutschland war das Thema viele Jahre tabu. Viele Frauen schämten sich, über Veränderungen ihrer Brust zu sprechen. Außerdem gab es früher weniger Möglichkeiten zur Früherkennung. Oft wurde Krebs erst entdeckt, wenn der Tumor bereits groß war oder sich im Körper ausgebreitet hatte. Die Behandlung bestand meist aus umfangreichen Operationen. Dabei wurde häufig die gesamte Brust entfernt.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte die Krebsforschung große Fortschritte. Wissenschaftler lernten immer mehr über die Entstehung von Tumoren. Neue Medikamente wurden entwickelt, und die Strahlentherapie wurde verbessert. Gleichzeitig erkannte man, wie wichtig eine frühe Diagnose ist. Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser sind meistens die Behandlungsmöglichkeiten.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Mammographie. Das ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Mit ihr können auch kleine Veränderungen sichtbar werden, die man noch nicht ertasten kann. In vielen Ländern wurde deshalb über organisierte Früherkennungsprogramme diskutiert. In Deutschland begann das nationale Mammographie-Screening im Jahr 2005. Heute werden Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre zu einer Mammographie eingeladen. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Untersuchung ist gar nicht schlimm und schnell vorbei. Habt also keine Angst davor.
Das Mammographie-Screening war von Anfang an Gegenstand von Diskussionen. Befürworter betonen, dass Tumore früher entdeckt werden können und dadurch die Heilungschancen steigen. Kritiker weisen darauf hin, dass nicht jede Auffälligkeit tatsächlich Krebs ist. Manchmal führen Untersuchungen zu falschem Alarm und damit zu zusätzlicher Belastung für die betroffenen Frauen. Deshalb erhalten die eingeladenen Frauen heute ausführliche Informationen über Nutzen und mögliche Nachteile der Untersuchung.
In den vergangenen Jahren wurden die Ergebnisse des Screening-Programms wissenschaftlich untersucht. Eine große Studie zeigte, dass die Brustkrebssterblichkeit bei Teilnehmerinnen des Programms um etwa 20 bis 30 Prozent niedriger war als bei Frauen, die nicht teilnahmen. Die Forschenden werteten dafür Daten aus vielen Regionen Deutschlands aus. Diese Ergebnisse bestätigen frühere internationale Studien.
Heute gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Brustkrebs. Welche Therapie eingesetzt wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Größe des Tumors, das Alter der Patientin und bestimmte biologische Eigenschaften der Krebszellen. Oft werden mehrere Methoden kombiniert. Dazu gehören Operationen, Strahlentherapie, Chemotherapie, antihormonelle Therapie und moderne zielgerichtete Medikamente. In vielen Fällen kann die Brust erhalten bleiben, was früher oft nicht möglich war. Das bedeutet, dass sie nicht ganz entfernt wird.
Auch die Forschung zu den Ursachen von Brustkrebs hat große Fortschritte gemacht. Es gibt nicht den einen Auslöser. Das Risiko wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören das Alter, bestimmte genetische Veränderungen, hormonelle Einflüsse und der Lebensstil. Bekannt sind zum Beispiel die Gene BRCA1 und BRCA2. Frauen mit Veränderungen in diesen Genen haben ein deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Deshalb werden Familien mit einer starken Belastung heute oft genetisch beraten.
In Deutschland gibt es außerdem spezialisierte Brustzentren. Dort arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen. Die Behandlung wird dadurch besser koordiniert. Viele Patientinnen erhalten dort einen individuellen Therapieplan, der auf ihre persönliche Situation abgestimmt ist.
Trotz aller medizinischen Fortschritte bleibt Brustkrebs ein wichtiges Thema für das Gesundheitssystem. Jedes Jahr sterben in Deutschland noch immer etwa 18.500 Menschen an dieser Krankheit. Gleichzeitig zeigen die Statistiken, dass die Überlebenschancen heute deutlich höher sind als früher. Dazu haben bessere Behandlungsmethoden, eine stärkere Forschung und die Möglichkeiten der Früherkennung beigetragen.
Was kann ich selber nun erzählen? Bei mir ging alles sehr schnell. An einem Montag wurde der Brustkrebs entdeckt. Zwei Tage später war ich für zwei Tage im Krankenhaus und es wurden viele Tests gemacht, zum Beispiel Ultraschall, Mammografie und eine Biopsie. Eine Woche später habe ich mit der Therapie begonnen. Und zu den Kosten? Ich habe bis jetzt sehr wenig selber bezahlt. Für den Aufenthalt im Krankenhaus musste ich pro Tag 10 Euro bezahlen. Wenn ich Tabletten bekomme, zahle ich auch 5 bis 10 Euro pro Medikament in der Apotheke.
Auch finanziell sieht es in Deutschland zum Glück recht gut aus. Wer fest angestellt ist, wird krankgeschrieben und bekommt daraufhin Geld. Es gibt viele Sozialleistungen. Das bedeutet, dass man zum Beispiel Hilfe bekommt im Haushalt, wenn es einem schlecht geht. Ich bin selbständig und nicht fest angestellt. Aber ich kann zum Glück auch gut weiterarbeiten momentan.
Außerdem gibt es viele Angebote für Erkrankte: Ich kann zu einer Psychoonkologin gehen, das ist eine spezielle Therapeutin, die sich mit Krebserkrankungen auskennt. Ich kann ein spezielles Krafttraining machen. Es gibt viele Möglichkeiten. Ich bin sehr froh, dass ich diese gute medizinische Betreuung in München in Anspruch nehmen kann.
So, jetzt weißt Du mehr über Brustkrebs. Bitte hab Geduld, wenn es mal länger keine Episode gibt. Dann weißt Du, dass ich mich gerade um meine Gesundheit kümmere. Nächstes Mal geht es jedenfalls wieder um ein ganz anderes Thema! Bis dahin! Deine Annik.
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