SG Dialog #3: Im Supermarkt

SG Dialog #3: Im Supermarkt

Entschuldigung, wo sind denn hier die Tomaten?

Da vorne, in der Gemüseabteilung.

Da habe ich schon nachgeschaut, aber ich habe sie nicht gesehen.

Doch, sie sind vorne links, gleich am Eingang.

Danke, ich geh nochmal nachsehen. Ist denn momentan irgendwas im Angebot?

Wir haben frischen Spargel, da kostet das Pfund nur 5 Euro.

Oh, das klingt gut. Ist der Spargel denn aus Deutschland oder wurde er importiert?

Das ist deutscher Spargel. Bayerischer, um genau zu sein.

Schön, da nehme ich ein Pfund mit. Oder besser gleich zwei.

Sie haben wohl Hunger?

Und wie! Ich weiß, man sollte nicht hungrig einkaufen gehen, sonst kauft man noch mehr ein als man braucht.

Tja, mich würde es freuen. Kann ich Ihnen noch etwas anbieten?

Zum Spargel bräuchte ich noch Kartoffeln.

Die sind dort drüben, neben den Zwiebeln. Wir haben ganz junge, zarte Kartoffeln, die muss man nicht schälen.

Gut, dann ist der Abend also gerettet. Spargel mit Kartoffeln. Schinken hole ich noch hinten an der Fleischtheke. Und ein bisschen Butter als Sauce habe ich noch daheim.

Wie sieht’s mit einer Nachspeise dazu aus?

Nachspeise? Was passt denn zu Spargel?

Natürlich der Klassiker: Erdbeeren. Frische Erdbeeren. Mit etwas Vanilleeis vielleicht.

Oh ja! Gute Idee. Und dann bräuchte ich noch etwas Weißwein zum Spargel. Ich habe sonst nur Leitungswasser daheim.

Stimmt, habe ich vergessen zu fragen… Sonst noch einen Wunsch?

Naja… Ich weiß nicht wie ich das jetzt sagen soll…

Was denn?

Ich hab ehrlich gesagt gar keine Lust, das schöne Essen alleine zu essen. Haben Sie nicht Lust, mitzuessen?

Na da sag ich nicht nein. Sehr gerne!

Dann bis später – sagen wir um 8? Ich schreib Ihnen meine Adresse auf…

Super. Bis dann!

Ciao!

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sgdialog3.pdf

SG #085: Öko und Bio

SG #085: Öko und Bio

Wenn Ihr in Deutschland einkaufen geht, werdet Ihr sehr oft das Wort „Bio“ sehen. Es ist derzeit im Trend. Es gibt ganze Abteilungen in Supermärkten, in denen alles „bio“ ist. Und nicht nur das: Es gibt ganze Supermärkte, in denen alles „bio“ ist. Es gibt kleine Aufkleber oder so genannte Siegel, die dem Käufer versichern, dass das Produkt wirklich aus ökologischem Anbau stammt. Was bedeutet das?

Es gibt eine gesetzliche Definition dafür, was in Europa ökologisch ist. Unter anderem gehört zu dieser Definition, dass die Produkte nicht gentechnisch verändert sein dürfen. Bei Mais ist das ja zum Beispiel ein Thema. Außerdem dürfen keine Pestizide, also Gifte zur Bekämpfung von Schädlingen, eingesetzt werden, ebensowenig wie Kunstdünger. Bei Fleisch geht es natürlich darum, dass die Tiere artgerecht gehalten werden sollen und weniger Antibiotika und Wachstumshormone bekommen. Achtet mal darauf, wenn Ihr in Deutschland einkauft – entweder steht „Bio“ drauf oder es ist eine kleine grüne Fahne abgebildet mit einem Blatt, das aus Sternchen besteht…

Viele Bio-Produkte sind teurer als die herkömmlich hergestellten Lebensmittel. Aber das nehmen einige Deutsche in Kauf, um gesünder zu leben. Ich kann Euch mal erzählen, wie ich das selber mache. Jeden Dienstag gehe ich ins Internet. Dort gibt es einen Service, der nennt sich Ökokiste. Das ist ein Online-Shop für ökologische Lebensmittel. Dort bestelle ich Brot, Joghurt, Milch, Käse, Wurst, Obst und Gemüse. Am Donnerstag stehen dann morgens bei mir vor der Tür große Kisten mit den bestellten Lebensmitteln. In der nächsten Woche kommen dann neue Kisten, und die alten werden wieder mitgenommen. So habe ich keinen Müll durch Plastiktüten. Praktisch, oder?

Ich achte beim Einkauf darauf, dass ich auch regionale Lebensmittel kaufe. Wenn ich Äpfel kaufen möchte, steht genau dabei, aus welchem Land sie kommen. Wenn es möglich ist, kaufe ich dann deutsche oder österreichische Äpfel, keine aus Neuseeland. Ich finde es wichtig, regionale Produkte zu kaufen. Damit unterstützt man die Bauern aus der eigenen Region.

Die Produkte, die es bei der Ökokiste nicht gibt, oder die mir dort schlicht zu teuer sind, kaufe ich dann im normalen Supermarkt ein. Dort schaue ich auch zuerst in die Bio-Abteilung, und erst wenn dort nichts ist, nehme ich ein „normales“ Produkt. Diese Woche ging es mir bei Himbeeren so – eine Schale mit 125 Gramm hat über 5 Euro gekostet! Das wollte ich nicht zahlen.

Mit dem Einkauf kann man die Welt verändern – das glaube ich und das glauben viele Deutsche. Aber es ist schwierig, immer das Richtige zu tun. Es gibt so viele Faktoren, auf die man achten muss! Ich möchte, dass die Tiere nicht gequält werden, also kaufe ich beispielsweise Bio-Eier, da werden die Tiere mit etwas mehr Platz auf dem Boden und draußen gehalten und nicht im Käfig wie in anderen Ländern. Jedes Ei hat einen Aufdruck – da kann man lesen, wo es herkommt und wie das Tier gehalten wurde. Ich kaufe nur Bio-Eier, also die Eier auf denen eine „0“ steht.

Dann geht es natürlich noch um Gifte oder Zusatzstoffe, die wir in unserem Essen nicht haben wollen. Und um die Arbeitsbedingungen für die Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen. Auch bei Kleidung sollte man auf so etwas achten – aber das tun leider wenige Menschen. Was noch? Die Transportwege habe ich schon angesprochen, lieber Produkte aus der Region kaufen, die jetzt gerade Saison haben. Saison haben bedeutet, dass sie jetzt gerade auf dem Feld wachsen – und nicht im Gewächshaus geerntet wurden. Niemand braucht Erdbeeren im Dezember!

Und dann sollten wir alle viel weniger Fleisch essen – auch das ist ein Trend in Deutschland. Früher, also zu Zeiten meiner Großeltern, gab es nur einmal pro Woche Fleisch. Fleisch war wertvoll, es war etwas Besonderes. Mittlerweile ist es normal geworden, jeden Tag Fleisch zu essen. Aber das ist weder gesund noch gut für unsere Erde. Die Fleischherstellung braucht viel Wasser, die Tiere werden oft nicht gut gehalten und mit Medikamenten und Hormonen behandelt – und es ist besser für uns, wenn wir viele verschiedene Dinge essen. Ein schwieriges Thema.

Ich finde es wichtig, dass man sich wenigstens Gedanken über diese Themen macht und versucht, das eigene Verhalten zu überdenken. Lebensmittel sollten nicht gekauft werden, weil sie besonders billig sind, sondern weil sie besonders gut sind! Die Deutschen geben mit am wenigsten Geld für Lebensmittel aus – unsere europäischen Nachbarn geben viel mehr aus. Es ist wichtig, dass wir wieder lernen, das Essen zu genießen, anstatt möglichst große Mengen zu essen. Oder? Wie ist das in Eurem Land? Schreibt gerne in die Kommentarfunktion, ich bin gespannt!

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg85kurz.pdf

SG Dialog #1: Im Café

SG Dialog #1: Im Café

Heute gibt es mal eine andere Art von Slow German – einen Dialog. Bitte schreibt in die Kommentarfunktion, ob solche Dialoge für Euch nützlich sind! Es ist ein Experiment.

Hallo!
Hallo!
Na, wie geht’s?
Ach, ganz gut. Ich hab Halsweh. Hoffentlich werde ich nicht krank.
Oh, das tut mir leid. Na dann gute Besserung. Setz Dich doch erstmal.
Danke. Bist Du schon lange hier?
Nein, eben erst gekommen. Hab zum Glück gleich einen Parkplatz gefunden.
Glück gehabt. Hast Du schon bestellt?
Nein, die Kellnerin ist noch nicht aufgetaucht.
Ok. Und, was gibt’s Neues?
Nicht viel. Aber ich war im Kino. Vorgestern.
Was hast Du Dir angeschaut?
Den Neuen von den Coen-Brüdern.
Von dem hab ich noch gar nichts gehört.
Solltest Du Dir anschauen! Ist wirklich ein schöner Film.
Danke für den Tipp! Ich muss aber erst noch mein Buch zu Ende lesen, das ist gerade so spannend, dass ich gar keine Lust habe, etwas anderes zu machen.
Wirklich? Das klingt gut! Kenn ich den Autor?
Glaube ich nicht. Das ist ein ganz unbekannter japanischer Schriftsteller.
Und wie bist Du auf das Buch gekommen?
Das hat mir eine Kollegin empfohlen.
Praktisch, wenn man solche Kolleginnen hat. Wie ist es bei Dir gerade in der Arbeit?
Eigentlich ziemlich ruhig. Nicht viel los. Der Chef ist im Urlaub, und wir können mehr oder weniger machen, was wir wollen.
Soso…
Naja, ganz so ist es natürlich nicht. Ich mache schon die wichtigsten Sachen. Aber ich lasse mich halt nicht stressen.
Hast Recht. Sollen wir mal was bestellen? Da hinten ist die Kellnerin.
Ja, klar. Wink ihr mal.
Entschuldigung? Guten Tag! Wir hätten gerne zwei Kännchen Milchkaffee, bitte. Und ich hätte gerne ein Stück Himbeerkuchen dazu,
Oh ja, ich auch. Danke schön!
Warst Du eigentlich schonmal in diesem neuen Café da vorne an der Ecke?
Nein, ist da ein neues Café? Ist mir gar nicht aufgefallen.
Doch, das hat erst vor ein paar Wochen aufgemacht.
Und, lohnt es sich?
Ich finde schon, die haben selbstgebackene Kuchen und die Bedienung war wirklich sehr freundlich, als ich dort war.
Klingt gut. Wir können uns ja nächstes Mal dort treffen.
Warum nicht?

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sgdialog1.pdf

SG #069: Tierpark

SG #069: Tierpark

Trina aus Kalifornien hat viele Ideen für neue Episoden von Slow German. Sie möchte zum Beispiel gerne mehr über Zoos erfahren. Zoo ist die Abkürzung für Zoologischer Garten. Wir sagen auch Tiergarten oder Tierpark dazu – darunter könnt Ihr Euch sicher etwas vorstellen, oder? Die Menschen haben verschiedene Tiere in Zoos gehalten, und das aus unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel sind die Menschen vor über 100 Jahren noch nicht viel gereist, sie hatten natürlich auch noch keinen Fernseher, sie wussten also nicht, wie ein Löwe oder Tiger in der Natur aussieht. Im Zoo konnten diese Menschen exotische Tiere betrachten. Die Tiere wurden auch von Wissenschaftlern untersucht und beobachtet. Und auch heute noch steht ein weiterer Gedanke oft in Verbindung zu Zoos: Seltene Tiere werden hier vor Schaden bewahrt und gezüchtet. Zoos dienen also der Arterhaltung, das heißt, sie sorgen dafür, dass seltene Tiere nicht aussterben.

In Deutschland gibt es einige sehr bekannte Tierparks. Zum Beispiel Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Er wurde von Carl Hagenbeck 1896 gegründet. Dieser Mann hatte eine außergewöhnliche Idee: Einen Zoo ohne Gitter. Er wollte Tiere nicht in Käfige einsperren. Durch Wassergräben oder steile Felsen wurden Gehege gebaut, aus denen die Tiere zwar nicht flüchten können, in denen sie sich aber dennoch nicht eingesperrt fühlen sollen. Die meisten Zoos halten sich heute an diese gitterlose Tierhaltung. In Stuttgart ist die Wilhelma sehr bekannt, in München gibt es den Tierpark Hellabrunn. Der Zoologische Garten Berlin ist sogar der artenreichste Zoo der Welt, hier leben also besonders viele verschiedene Tiere.

Jede größere Stadt in Deutschland hat einen Zoo. Meistens erstrecken die Tierparks sich über große Flächen, sie sehen aus wie große Parks, in denen Tiere gehalten werden. Viele Familien gehen am Wochenende gemeinsam in den Zoo, hier gibt es natürlich auch Restaurants und oft auch Spielplätze für die Kinder. Man kann also leicht einen ganzen Tag dort verbringen.

So schön die Idee eines Zoos auch ist – es gibt immer wieder Kritiker, die ihre Abschaffung fordern. Tierschützer weisen darauf hin, dass viele Tiere nicht artgerecht gehalten werden können. Wildtiere zum Beispiel wie Tiger haben in der Freiheit ein großes Revier, das sich über mehrere hundert Kilometer erstreckt. Im Tierpark müssen sie auf einer sehr kleinen Fläche leben. Außerdem werden oft noch wilde Tiere für die Haltung in Zoos gefangen.

In Deutschland versuchen die meisten Tierparks, die Tiere möglichst gut zu behandeln und ihnen viel Platz zu geben. Sehr beliebt sind regelmäßige Sendungen im Fernsehen, bei denen man hinter die Kulissen eines Tierparks schauen kann. In diesen Sendungen werden Tierpfleger bei ihrer Arbeit gezeigt, oder wie es ist, wenn der Tierarzt einen Elefanten untersucht.

Große Schlagzeilen in den Zeitungen gibt es auch immer wieder, wenn im Zoo ein Tier geboren wird. Zum Beispiel wurde in München gerade ein kleiner Elefant geboren. Noch berühmter war ein kleiner Eisbär, der in Berlin geboren wurde: Knut. Er wurde von einem Menschen aufgezogen und alle liefen in den Zoo, um den süßen Knut zu sehen. Es gab sogar Merchandising von Knut, kleine Stoff-Eisbären für die Kinder zum Beispiel. Leider ist Knut aber mittlerweile tot.

Was haltet Ihr von Tierparks? Gibt es in Eurer Heimat auch Tierparks? Schreibt gerne in die Kommentarfunktion auf slowgerman.com oder auf Facebook. Bis zum nächsten Mal, Eure Annik.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg69kurz.pdf

SG #056: Jugendherberge

SG #056: Jugendherberge

Eine Herberge ist eine Unterkunft, also ein Platz, wo man schlafen kann. Es ist so etwas ähnliches wie ein Hotel. Eine Jugendherberge ist wie der Name schon sagt ein Hotel für Jugendliche. Der Unterschied zu einem Hotel ist vor allem der Preis für ein Zimmer. Meistens sind Jugendherbergen viel billiger. Oft gibt es Mehrbettzimmer, also Zimmer mit mehreren Betten darin. Es gibt einen Speisesaal und meistens auch schöne Angebote für Familien, also zum Beispiel einen Spielplatz oder ein Schwimmbad. Noch ein Unterschied zum Hotel: Die Gäste müssen ihre Betten selbst mit Bettwäsche beziehen und vor Abreise wieder abziehen. Das macht im Hotel ein Zimmermädchen. Handtücher muss der Gast selber mitbringen oder in der Jugendherberge mieten.

Wie ist dieses Konzept entstanden? Die erste Jugendherberge entstand vor genau 100 Jahren, und zwar am 26. August 1909. Der Lehrer Richard Schirrmann war damals mit einer Schulklasse unterwegs. Er wollte acht Tage lang mit den Kindern wandern. In der ersten Nacht schliefen sie in der Scheune eines netten Bauern. In der zweiten Nacht allerdings tobte ein Gewitter und sie fanden lange keine Unterkunft. Schließlich kamen sie endlich in der Dorfschule unter. Der Lehrer konnte nicht schlafen – also kam ihm die Idee, für andere Wanderer eigene Herbergen einzurichten. Wenig später richtete er die erste  Jugendherberge ein.

Die Idee setzte sich schnell durch: Schon 1932 gab es über 2100 Jugendherbergen. Damals hatten sie noch große Schlafsäle, in denen viele Kinder und Jugendliche zusammen in einem Raum schliefen. International werden die Jugendherbergen „Youth Hostels“ genannt. Weltweit gibt es mittlerweile 4500 Jugendherbergen, in Deutschland sind es noch 550. Diese Jugendherbergen haben unterschiedliche Standards: Jugendherbergen der Kategorie 1 sind eher einfach eingerichtet, die Herbergen der Kategorie 4 bieten gehobenen Komfort, sind also besser eingerichtet und ausgestattet.

Wichtig ist den Jugendherbergen, dass sie nicht nur eine Unterkunft sind. Sie stehen für Frieden. Sie wollen, dass Jugendliche und Kinder viel reisen, um andere Länder und andere Menschen kennenzulernen und dadurch Toleranz zu lernen. In einer solchen Herberge verbringt man oft Zeit mit anderen Gästen und lernt sich näher kennen. Oft werden Jugendherbergen genutzt, um mit einer ganzen Schulklasse zu reisen. Die Kinder dürfen zum Beispiel eine Woche lang Urlaub in einer Jugendherberge machen, anstatt in die Schule zu gehen. Dafür lernen sie vor Ort in der Jugendherberge mit ihrem Lehrer andere Dinge, zum Beispiel über die Umwelt und Natur. Der Leiter der Jugendherberge wird auch heute noch oft „Herbergsvater“ genannt. Und ein Klischee für Jugendherbergen, das oft wahr ist, ist der ständig aus einer großen Kanne ausgeschenkte Tee.

Wer in einer Jugendherberge übernachten möchte, muss nicht unbedingt ein Kind sein. Mittlerweile ist es möglich, auch als Erwachsener dort zu übernachten. Wichtig ist aber, ein Mitglied des Deutschen Jugendherbergswerk zu sein. Das ist die Organisation, zu der alle Jugendherbergen gehören. Das Deutsche Jugendherbergswerk, kurz DJH, ist übrigens ein eingetragener Verein. Über Vereine gab es schon eine Slow German-Folge, Ihr könnt sie gerne nachhören. Wer also in einer Jugendherberge übernachten möchte, muss Mitglied in dieser Organisation werden, und das kostet Geld, aber nicht viel. Momentan liegen die Beträge zwischen 12,50 Euro und 21 Euro für ein ganzes Jahr. Dazu kommt dann natürlich der Preis für eine Übernachtung, das Frühstück ist immer mit dabei.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg56kurz.pdf

SG #048: Die Bundeswehr

SG #048: Die Bundeswehr

Die Informationen in diesem Text sind veraltet – bitte informiert Euch im Internet über die aktuelle Situation. Sobald Zeit ist werden wir den Text hier ergänzen.

In Deutschland gibt es ein Gesetz, nach dem alle männlichen deutschen Staatsbürger wehrpflichtig sind, sobald sie 18 Jahre alt werden. Das bedeutet: Sie müssen Wehrdienst leisten. Wie lange, das ändert sich immer wieder. Früher waren es 18 Monate, mittlerweile nur noch halb so lang. Wenn man am Freitag oder Sonntag in Deutschland mit dem Zug fährt, sieht man viele sehr junge Männer in Tarnuniform. Ich finde das meistens ein häßliches und erschreckendes Bild, denn man denkt dann sofort an Krieg. Die Jungs sitzen dann aber friedlich im Zug und fahren für das Wochenende nach Hause zu ihren Familien. Am Montag müssen sie dann wieder lernen, ihr Land zu verteidigen. Es gibt aber auch eine Alternative zum Wehrdienst, dazu am Ende dieser Episode mehr.

Erst müssen alle Wehrdienstleistenden drei Monate lang in die Grundausbildung. Dort lernen sie zum Beispiel zu schießen und auch wie man anderen hilft. Nach einer Prüfung geht es weiter zu einer Spezialisierung. Man kann Fallschirmjäger werden oder zur Marine gehen. Bei der Bundeswehr kann man verschiedene Ausbildungen machen, man kann den Führerschein für Lastwagen machen und ähnliches. Also auch einige Dinge, die man später im zivilen Leben brauchen kann. Es gibt auch Bundeswehr-Universitäten für spätere Offiziere.

Man kann sich auch freiwillig länger verpflichten als neun Monate. Dann bleibt man als Soldat auf Zeit mehrere Jahre bei der Bundeswehr. Das können zwei Jahre sein, es können aber auch zwölf Jahre oder mehr werden. Viele Männer machen dies, um bei der Bundeswehr eine teure Ausbildung machen zu können und später im zivilen Leben in einem neuen Beruf zu arbeiten. Angeblich sind das 85 Prozent der Zeitsoldaten. Es gibt aber noch eine Möglichkeit: Man kann in Deutschland auch Berufssoldat werden und somit also von Berufs wegen Soldat sein.

Die Bundeswehr besteht grob gesagt aus drei Bereichen. Es gibt das Heer, dazu gehören die Truppen an Land. Es gibt die Luftwaffe, die sich wie der Name schon sagt um die Luft kümmert, und es gibt die Marine, die zur See fährt. Der Chef des Militärs ist der Bundesverteidigungsminister. Er ist übrigens kein Militär, sondern ein Zivilist – und darf den Militärs trotzdem Befehle erteilen. Falls wieder Krieg wäre oder Deutschland sich irgendwie verteidigen müsste, wäre der Oberchef allerdings der Bundeskanzler.

Wie viele Soldaten es in Deutschland gibt, wird immer wieder neu festgelegt. Während des Kalten Krieges waren es fast eine halbe Million Männer. Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands waren es 370.000. Bis nächstes Jahr sollen es 250.000 sein. Übrigens gibt es seit 2001 auch Frauen bei der Bundeswehr, sie müssen allerdings keinen Wehrdienst leisten, sondern können rein freiwillig zur Bundeswehr gehen. Ungefähr 15 Prozent der deutschen Soldaten sind Frauen.

Ein funktionierendes Militär zu haben kostet viel Geld. 2009 sollen in Deutschland 31 Milliarden Euro ausgegeben werden. Es gibt immer wieder Diskussionen im Land, ob dieses Geld richtig investiert ist und ob man es nicht lieber für Bereiche wie die Bildung ausgeben sollte.

Wie kommt man als junger Mann zur Bundeswehr? Man muss zur so genannten Musterung. Das ist eine Untersuchung bei einem speziellen Arzt. Hier wird er gemessen, gewogen und befragt. Dann muss er eine Urinprobe abgeben, einen Seh- und Hörtest machen und dann werden ihm Puls und Blutdruck gemessen. Nach weiteren Kontrollen entscheidet der Arzt, ob der Bewerber fit genug ist für das Militär. Zwei Drittel werden in der Regel als fit genug eingestuft, der Rest wird ausgemustert und muss nicht zum Wehrdienst. Wer die körperliche Prüfung bestanden hat und trotzdem nicht zum Militär möchte, der kann den Kriegsdienst verweigern. Dieses Recht ist sogar in der Verfassung verankert. Dazu muss man einen schriftlichen Antrag stellen in dem man mitteilt, dass man aus Gewissensgründen nicht am Wehrdienst teilnehmen kann. Die Begründung lautet einfach, dass man es nicht ertragen kann, eine Waffe zu benutzen. Wird dem Antrag stattgegeben, kann man einen sogenannten zivilen Ersatzdienst leisten. In der Umgangssprache wird er einfach Zivildienst genannt.

Ein Zivildienstleistender, kurz Zivi, verrichtet neun Monate in einer sozialen Einrichtung, also genauso lang wie seine Kollegen beim Militär. Zivis arbeiten zum Beispiel in der Kranken- oder Altenpflege, sie fahren Krankenwagen oder helfen in Kindergärten aus. Oft betreuen sie auch behinderte Menschen.

So, das waren jetzt einige Informationen zum Bereich Militär und Zivildienst. Das ist natürlich mal wieder ein Thema, zu dem man noch viel mehr erzählen könnte, zum Beispiel auch über die Geschichte des Militärs. Aber das könnt Ihr alles im Internet nachlesen.

Zum Schluss mal wieder deutsche Musik, und zwar von der Band BILK das Lied Phänomenal.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg48kurz.pdf

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