Was wären wir ohne Internet? SG #238

Was wären wir ohne Internet? SG #238

Vor einigen Wochen hatten wir knapp 24 Stunden lang kein Internet und kein Telefon. An diesem Tag haben wir als Familie gemerkt, wie abhängig wir mittlerweile von dieser Technologie sind. Du auch? Es fing mit der Unterhaltung an. Ich höre gerne und viele Podcasts – am Freitag immer einen Kinopodcast der BBC. Diesen konnte ich nicht herunterladen. Naja, das war natürlich nicht schlimm, aber ich dachte mir: Ok, dann höre ich eben Musik. Ich höre Musik mittlerweile immer über Spotify – auch das ist ein Internetdienst und war demzufolge nicht verfügbar. Kein Podcast, keine Musik. Auch kein Hörbuch von Audible, denn ich hatte keines heruntergeladen. Nichts zu hören! Selbst das Radio streamen wir heute über das Internet. CD-Player oder Schallplattenspieler haben wir nicht mehr. Nur ein DAB-Radio im Bad konnte uns helfen, kurz die Nachrichten zu hören. Mein Sohn konnte nicht Minecraft spielen, sein Tablet war nutzlos. Eine neue Episode Slow German machen oder ein neues Video für YouTube – auch nicht möglich.

Am Abend wollten wir einen Film sehen, aber auch da wurde uns klar: Unsere Fernsehgewohnheiten haben sich geändert. Während wir früher einfach das sahen, was gerade im Live-Fernsehen kam, schauen wir heute nur noch über Netflix oder Amazon Prime und all diese Dienste fern. Wir schauen gezielt Filme oder Serien im Stream. Auch das war ohne Internet nicht möglich. Die Mediatheken der großen Sender waren ebenfalls lahmgelegt. Also blieb nur das Live-Fernsehen, und das war an diesem Abend langweilig. Für mich alles kein Problem, denn ich bin eine Leseratte. Mein Buch funktionierte auch ohne Strom und Internet. Das von meinem Sohn auch. Aber mein Mann surft gerne abends im Internet, er liest viel auf dem iPad – ihm war also langweilig.

Der nächste Tag brachte dann noch mehr Probleme mit sich.Ich fange morgens immer an, erstmal eine halbe Stunde Yoga zu machen. Ich nutze dafür eine App, die mir die Asanas zusammenstellt. Ohne Internet konnte diese App nichts laden. Auch meine Meditations-App funktionierte natürlich nicht. Meine Arbeit ist komplett unmöglich ohne das Internet. Zum einen habe ich Konferenzen mit meinen Kolleg:innen, meistens über Microsoft Teams oder Zoom. Das war ohne Internet nicht möglich. Außerdem ist mein Job ja, dass ich als Community Managerin oder Social Media Managerin arbeite – aber Facebook, Instagram, Twitter und YouTube sind Dienste im Internet. Ich musste an diesem Tag also aufgeben und konnte nicht arbeiten, denn auch Mails erreichten mich nicht. Alleine anzurufen und meinem Chef zu sagen, dass ich kein Internet habe, war schwierig – denn normalweise rufe ich ihn über Teams an oder ich schaue in Teams nach seiner Telefonnummer. Jetzt musste ich sie anders herausfinden.

Auch die Videokonferenz mit meinen Eltern konnte nicht stattfinden, der Kontakt zu Freunden und Familie in Zeiten der Pandemie war abgebrochen. Unsere Bestellung bei einem Lieferdienst für Bio-Lebensmittel war nicht möglich, denn auch die geht immer über das Internet. Ich konnte keine neuen Bücher für meinen Sohn bestellen, denn auch das mache ich bei einem sozialen Buchversand über das Internet. Keine neuen Klamotten kaufen, kein Lego, kein Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag. Das Internet hat sich mittlerweile in so viele unserer Lebensbereiche eingeschlichen! Wir sind abhängig von Online-Banking und Online-Shopping, Online-Arbeit und Online-Homeschooling.

Gut, ich gebe zu, ich habe hier etwas übertrieben. Denn natürlich habe ich sofort einen Hotspot über mein Handy eingerichtet und die wichtigsten Dinge dann über meinen mobilen Datentarif gemacht. Aber dennoch haben diese 24 Stunden uns die Augen geöffnet. Unser Leben hat sich in den vergangenen Jahren sehr geändert. Es ist normal geworden, eine gute Datenverbindung zu haben und Filme ohne Ruckeln im Stream anzusehen. Dabei ist Deutschland übrigens gar nicht so gut im Vergleich mit anderen Ländern! Was die Datenrate angeht ist Deutschland derzeit auf dem 31. Platz weltweit. Und jetzt sag mal ganz ehrlich: Bist Du auch so abhängig vom Internet wie wir? Und dann ist da noch der nächste, viel schlimmere Gedanke: Was wäre, wenn wir keinen Strom hätten?

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg238kurz.pdf

Arm und reich in Deutschland – SG #223

Arm und reich in Deutschland – SG #223

Wie arm oder reich sind die Menschen in Deutschland? Ich habe es herausgefunden. Allerdings sind die Zahlen von 2017. Sie stammen aus dem 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Also: 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben in Armut oder an der Armutsgrenze. Das sind ungefähr 13 Millionen Menschen. Oft sind das kranke und alte Menschen, Menschen ohne Arbeit oder Familien mit vielen Kindern. Besonders betroffen sind auch Alleinerziehende, also Vater oder Mutter, die alleine mit den Kindern leben. Leider sind 19 Prozent aller Kinder arm, das ist also jedes fünfte Kind in Deutschland.

Aber was heißt denn überhaupt „arm“? Immerhin ist so etwas immer relativ. Denn Deutschland ist ein wohlhabendes Land, wenn man es mit vielen anderen Ländern der Erde vergleicht. Also berechnen wir aus allen Menschen in Deutschland erst einmal einen Durchschnitt. Wer dann viel weniger hat als diesen Durchschnitt, den nennen wir arm. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sagt, wenn ein Mensch weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens seines Landes hat, dann ist er arm. Die Berechnungen der Bundesregierung definieren Armut mit weniger als 60% des mittleren Einkommens.

Ein Beispiel mit Zahlen: 2015 war man in Deutschland arm, wenn man weniger als 12.192 Euro pro Jahr verdiente. Netto, also nach Abzug von Steuern und Abgaben. Reich war man mit 40,639 Euro netto pro Jahr.

In Deutschland lag die Armutsgrenze im Jahr 2018 für einen Erwachsenen bei 1135 Euro Einkommen pro Monat. Hungern muss in Deutschland kaum jemand, es gibt soziale Hilfen. Aber arme Menschen sind öfter krank und sterben früher, Frauen acht und Männer elf Jahre früher.

Sorgen macht mir, dass es immer mehr arme Menschen gibt. Und immer mehr reiche Menschen. Was weniger wird, ist die Mittelschicht. Also die Menschen, die ein mittleres Einkommen haben, denen es eigentlich ganz gut geht.

Die Menschen in Ostdeutschland sind sechs Mal so häufig von Armut betroffen wie die in Westdeutschland. Und so richtig reich sind vor allem Männer im Westen: 95 Prozent der Reichen sind Männer, die im Westen leben. 1,35 Millionen Menschen in Deutschland besitzen mindestens eine Million Euro. Und 2400 davon haben mehr als 100 Millionen Dollar.

Bleiben wir kurz bei den Reichen. Das reichste Prozent der Deutschen hat 35% des Gesamtvermögens auf ihrem Konto. Einem hundertstel der Menschen gehören also ein Drittel der Gelder. Wenn wir die obersten zehn Prozent nehmen, dann sind es sogar zwei Drittel des Vermögens.

Die reichsten Deutschen sind Beate Heister und Karl Albrecht Jr. und die Familie Theo Albrecht. Alle drei haben ihr Geld dem Lebensmittel-Discounter Aldi zu verdanken. Danach kommt Dieter Schwarz, ebenfalls Lebensmittel. Er ist die reichste Einzelperson Deutschlands mit einem geschätzten Vermögen von 41,5 Milliarden Euro. An Platz vier ist die Familie Reimann, von der ich ehrlich gesagt noch nie gehört hatte. Dahinter steckt die Chemiefirma Benckiser. Und an Platz 5 der reichsten Deutschen steht Susanne Klatten, die BMW-Erbin.

Bis 1996 gab es in Deutschland eine Vermögenssteuer. Besonders reiche Menschen mussten also einen Teil ihres Vermögens abgeben. Dann entschied allerdings das Bundesverfassungsgericht, dass das nicht gerecht sei: Die Menschen müssen laut dem Grundgesetz gleich behandelt werden.

Ich würde mir wünschen, dass viele der besonders reichen Menschen einen großen Teil ihres Vermögens abgeben. Freiwillig. Dass sie damit Gutes tun, arme Menschen unterstützen, für Bildung sorgen oder für gesundheitliche Aufklärung oder Forschung. Manche tun das – die meisten aber tun es nicht.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg223kurz.pdf

Muslime in Deutschland – SG #219

Muslime in Deutschland – SG #219

Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Ich habe Dir schon in einer anderen Episode von den Religionen hier erzählt. Heute möchte ich eine Religion herausgreifen, und zwar den Islam. In Deutschland leben ungefähr 4 Millionen Muslime. Das sind etwas mehr als 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Knapp 2,5 Milionen dieser Menschen haben türkische Wurzeln. 45% der in Deutschland lebenden Muslime sind mittlerweile deutsche Staatsangehörige, haben also einen deutschen Pass. Nach 1961 kamen viele Menschen aus der Türkei nach Deutschland, um hier als sogenannte Gastarbeiter zu arbeiten. Viele von ihnen blieben für immer in Deutschland und bekamen hier Kinder. Deswegen gibt es hier schon viele Türkinnen und Türken in der dritten Generation, die perfekt integriert sind.

Die größte Glaubensrichtung der Muslime in Deutschland bildern die Sunniten mit fast drei Vierteln aller muslimischen Männer und Frauen in Deutschland. Ein Drittel der muslimischen Menschen in Deutschland ist stark gläubig, ihnen ist ihre Religion also sehr wichtig. 50% sind „eher“ gläubig, also etwas weniger als die andere Gruppe. Es gibt mehr als 2000 islamische Gemeinden in Deutschland, in vielen ist ein Imam tätig. Die meisten dieser Imame kommen aus der Türkei für einige Jahre nach Deutschland und gehen dann wieder zurück. Es gibt zwar 159 Moscheen mit Kuppel und Minarett in Deutschland, viele andere Moscheen sind aber eher versteckt und oft am Stadtrand. Das Stadtbild prägen sie nicht – hier sind nur die vielen Kirchen zu sehen.

Um für einen Dialog zwischen den Kulturen zu sorgen, gibt es die Deutsche Islam Konferenz. Sie wurde 2006 vom Bundesministerium des Innern gegründet. Der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble sagte: „Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas. Er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen. Sie sollen ihre Talente entfalten und sie sollen unser Land mit weiter voranbringen“.

In den Jahren 2011 bis 2015 kamen viele Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland. 2015 war der Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise. In diesen vier Jahren kamen 1,2 Millionen muslimische Menschen nach Deutschland.

Es gibt immer wieder Konflikte, die in der deutschen Gesellschaft diskutiert werden. Gestritten wird zum Beispiel über das Kopftuch, das manche muslimische Frauen tragen. In einigen Bundesländern wurde verboten, dass Lehrerinnen an Schulen und Hochschulen ein Kopftuch tragen. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht, also das oberste Gericht Deutschlands, entschieden, dass so ein pauschales Verbot nicht möglich ist. Denn in Deutschland gibt es die Glaubensfreiheit. Menschen dürfen also nicht aufgrund ihrer Religion bestraft oder diskriminiert werden. Allerdings ist es seit 2017 verboten, beim Autofahren einen Gesichtsschleier zu tragen. Hier geht es natürlich um die Verkehrssicherheit.

Es gibt aber noch andere Unterschiede: Bei den Grundschulkindern ist es in Deutschland üblich, dass Jungen und Mädchen gemeinsam Sport machen. Das möchten viele Eltern von muslimischen Mädchen allerdings nicht. Es gibt auch Schwimmunterricht in vielen deutschen Schulen, an denen die muslimischen Mädchen oft nicht teilnehmen dürfen, weil ihre Familien das nicht möchten.

In den deutschen Schulen gibt es Religionsunterricht. Hier im katholischen Bayern haben die Kinder in der dritten und vierten Klasse drei Stunden Religionsunterricht pro Woche. Wer nicht in den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht geht, der kann in einen Alternativunterricht gehen, der sich „Ethik“ nennt. Hier werden die Weltreligionen durchgenommen und viele Philosophien. An 900 Schulen in Westdeutschland und Berlin gibt es mittlerweile auch islamischen Religionsunterricht. Diesen gibt es natürlich nur, wenn genug muslimische Kinder an einer Schule sind. Und wenn es überhaupt organisiert werden kann, einen Lehrer oder eine Lehrerin dafür zu bekommen. 60.000 Kinder nehmen an diesem Religionsunterricht teil.

Es gibt Menschen in Deutschland, die fremdenfeindlich sind. Es gibt auch Menschen, die gezielt gegen den Islam sind. 2019 gab es daher leider 871 Angriffe auf Muslime oder ihre Moscheen oder Treffpunkte. Man nennt das „islamfeindliche Straftaten“. Andere Leute in Deutschland sehen den Islam als Bedrohung für unser Land.

Während wir hier in Deutschland an christlichen Feiertagen frei haben, gibt es keine muslimischen Feiertage bei uns. Allerdings müssen muslimische Kinder zum Beispiel am Tag des Zuckerfestes oder beim Opferfest nicht zur Schule kommen. Manche Kindergärten feiern diese Feiertage mit den Kindern. So lernen die Kinder, welche Bedeutung die Feiertage in verschiedenen Kulturen haben.

Die Quellen für die genannten Zahlen:

https://www.bmi.bund.de/DE/themen/heimat-integration/staat-und-religion/islam-in-deutschland/islam-in-deutschland-node.html
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb06-muslimisches-leben.pdf/__blob/publicationFile/v%3D11&usg=AOvVaw3U6CoEf_1z_jeHNuYkjVOs
https://mediendienst-integration.de/artikel/islamischer-religionsunterricht-in-deutschland.html

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg219kurz.pdf

Konsum in Deutschland – SG #217

Konsum in Deutschland – SG #217

Ich habe eine interessante Tabelle gefunden, aus der ich dir heute etwas erzählen möchte. Es geht dabei um die Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland. Es ist also die Frage, wofür die Menschen in Deutschland ihr Geld ausgeben. Ich werde dir dabei die Originalbegriffe aus der Tabelle nennen und sie erklären.

Jeder Haushalt in Deutschland gibt pro Monat im Durchschnitt 2704 Euro aus. Vielleicht sollte ich das Wort Haushalt erklären. Wenn ich alleine in einer kleinen Wohnung wohne, dann ist das ein Haushalt. Wenn eine Familie mit drei Kindern in einem Haus wohnt, ist das auch ein Haushalt. Es ist also jeweils eine Wohneinheit.

Am meisten Geld, nämlich 908 Euro pro Monat, geben die Menschen für Wohnen, Energie und die Wohnungsinstandhaltung aus. Wohnen ist klar, das ist also die Miete für eine Wohnung oder der Kredit für ein Haus. Das ist ein Drittel aller Ausgaben. Energie ist auch klar, das sind Stromkosten oder Gas oder Heizöl. Und Wohnungsinstandhaltung sind Ausgaben, bei denen man etwas repariert oder modernisiert.

An zweiter Stelle steht der Verkehr, also das Fahrrad, das ich mir neu kaufe, oder das Auto, oder auch Bahnfahrkarten. 379 Euro gibt ein normaler deutscher Haushalt dafür jeden Monat aus. Und an dritter Stelle kommen in Deutschland dann Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Nahrungsmittel nennt man auch Lebensmittel, das sind also Obst, Gemüse, Fleisch, Nudeln und andere Dinge, die wir essen können. Getränke sind klar, und Tabakwaren sind Zigaretten und Zigarren. Das sind immerhin noch 360 Euro pro Monat.

Diese drei Posten waren jetzt eigentlich die wichtigsten, denn da geht es darum, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, etwas zu essen und uns bewegen können. Mal sehen, was auf Platz vier steht. Da ist der Punkt „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“. Wir möchten gerne Sport machen, auf ein Konzert gehen oder ins Kino gehen. Das kostet alles Geld. 304 Euro gibt ein deutscher Haushalt dafür pro Monat im Schnitt aus.

Ins Restaurant gehen, in einem Hotel schlafen oder in ein Café gehen – das kostet den deutschen Haushalt 168 Euro im Monat. Für Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände sind es 137 Euro, das sind also Möbel oder Küchengeräte. Für Bekleidung und Schuhe sind es 122 Euro pro Monat, für die Gesundheit 115 Euro. Handy und Telefon kosten im Durchschnitt 71 Euro pro Monat – und dann kommt etwas, was ich traurig finde: Für das Bildungswesen gibt ein normaler deutscher Haushalt nur 28 Euro aus. Das Bildungswesen, das sind alle Arten von Schulen. Bei größeren Haushalten ist das mehr, denn diese haben dann natürlich auch mehrere Kinder, die noch in die Schule gehen.

Jetzt weißt du, wofür die Menschen in Deutschland ihr Geld ausgeben. Wie ist das in deinem Land oder bei dir selbst? Schreib gerne eine Mail an mich oder einen Kommentar! Den Link zur Tabelle findest du auf slowgerman.com. Die Zahlen sind vom Statistischen Bundesamt, Stand Februar 2020.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Konsumausgaben-Lebenshaltungskosten/Tabellen/privater-konsum-haushaltsgroesse-evs.html

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg217kurz.pdf

Die Uhrzeit – SG #210

Die Uhrzeit – SG #210


Heute beschäftigen wir uns mit der Uhrzeit. Es ist gar nicht so leicht, in einer Fremdsprache zu sagen, wie spät es ist, oder? Wenn Du selber nicht weißt, wie spät es ist, kannst Du Menschen auf der Straße fragen indem Du sagst: „Entschuldigung, wie spät ist es?“ oder „Entschuldigung, wieviel Uhr ist es?“.

Jetzt erkläre ich Dir, wie wir Uhrzeiten benennen. Fangen wir an mit der sogenannten vollen Stunde. Eine volle Stunde ist, wenn der Minutenzeiger der Uhr oben steht, auf der 12. Wenn es also genau ein Uhr ist. Oder zwei. Oder drei Uhr. Ich sage dann: Es ist drei Uhr. In der Umgangssprache kannst Du auch einfach sagen „es ist drei“. Das reicht.

Jetzt kommen die Minuten dazu, und dann wird es schon ein wenig komplizierter. Also sagen wir mal, es ist zehn Minuten nach drei. Dann sage ich: „Es ist zehn Minuten nach drei“. Ich muss auch hier nicht „drei Uhr“ sagen, denn bei der Zeitangabe versteht sich das von selbst. Noch kürzer kannst Du sagen: „Es ist zehn nach drei“. Lassen wir fünf weitere Minuten verstreichen. Dann ist es 15 Minuten nach drei. Hier gibt es jetzt noch eine neue Möglichkeit. Ich kann sagen: „Es ist viertel nach drei“.

Wandert der Zeiger der Uhr nach unten, dann ist eine halbe Stunde vergangen. Ich sage: „Es ist halb vier“. Nach einer weiteren Viertelstunde sage ich: „Es ist viertel vor vier“. Eine andere Möglichkeit für diese Uhrzeit ist „Es ist dreiviertel vier“. Danach kann ich sagen: „Es ist fünf vor vier“.

Bis hierhin ist es logisch. Es gibt aber einige Besonderheiten, die je nach Region unterschiedlich sind. Zum Beispiel sagen manche Menschen in Deutschland auch gerne „Es ist fünf vor halb acht.“ Da muss man erstmal rechnen, was das wirklich bedeutet, oder? Es ist 7:25 Uhr. Fünf vor halb acht. Noch eine Variante: Es ist fünf nach halb eins. 12:35 Uhr ist fünf nach halb eins. Für mich immer schwer zu verstehen ist es, wenn Leute sagen: „Wir treffen uns um Viertel sieben“. Ist das dann 7:15 Uhr oder 6:15? Es ist 6:15. Das ist Viertel 7. Verwirrend, oder?

Dass der Tag 24 Stunden hat, wissen wir in Deutschland natürlich auch. Aber meistens ergibt sich aus dem Kontext, ob wir den Nachmittag und Abend meinen oder den Vormittag. Wenn es nicht so genau feststeht, sagt man es lieber dazu. Dann sagt man also: „Wir treffen uns morgen früh um acht“. Oder: „Wir treffen uns morgen Abend um acht“. In Deutschland halten die Menschen Verabredungen übrigens pünktlich ein. Meistens jedenfalls. Wenn Du betonen möchtest, dass Dein Partner pünktlich sein soll, sagst Du: „Wir treffen uns morgen Abend um Punkt acht“.

Wenn offiziell über die Uhrzeit gesprochen wird, dann wird die 24-Stunden-Variante verwendet. Es gibt also alle Uhrzeiten von 0 bis 24 Uhr. 0 Uhr ist Mitternacht, dann werden die Zahlen hochgezählt bis mittags um 12 Uhr. Danach geht es aber normal weiter mit 13 Uhr – das ist dann 1 Uhr mittags. 23 Uhr ist 11 Uhr abends.

Der Nachrichtensprecher im Fernsehen wird also sagen: „Die Sondersendung beginnt um 20.15 Uhr“. Das ist abends um Viertel nach acht. Wenn Du gerade den Text mitliest, dann wirst Du sehen, dass ich anders spreche als es dort steht. 20.15 Uhr ist die korrekte Schreibweise. Wir sagen aber 20 Uhr 15.

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Aberglaube in Deutschland – SG #209

Aberglaube in Deutschland – SG #209

Meine beste Freundin ist Chinesin. Mit ihr habe ich über Aberglaube gesprochen. Denn wenn wir zusammen essen gehen, dürfen wir nicht vier verschiedene Dinge bestellen – denn vier ist eine Zahl, die Unglück bringt. So ist das zumindest in China. Hier in Deutschland mögen wir die vier als Zahl. Viele Produkte sind so abgepackt, dass sie vier Einzelteile enthalten. Vier Brötchen, vier Stifte, vier Äpfel. Vier ist irgendwie eine schöne Zahl, finde ich, weil sie zwei Paare ausdrückt. In China klingt die Zahl aber so wie die Wörter von sterben und Tod – also schlecht.

Das alles ist aber nur die Vorgeschichte dafür, wie unterschiedlich die Kulturen und Nationen mit ihrem Aberglauben umgehen. Und natürlich gibt es auch Dinge, die in Deutschland abergläubischen Menschen Angst machen. Fangen wir mit den Zahlen an. Bei uns ist die 13 die Zahl, die Pech bringt. Es gibt im Flugzeug keine 13. Sitzreihe, im Hotel kein 13. Stockwerk.

Weiter geht’s mit dem Aberglauben: Ich selber liebe Katzen, vor allem wenn sie schwarz sind. Aber wenn eine schwarze Katze von links über den Weg läuft, dann kann das Pech bringen. Die Ursache dafür ist wie so oft das Mittelalter. Im Mittelalter verbrannte man Hexen, man hatte Angst, dass manche Frauen magische böse Kräfte hätten. Schwarze Tiere sollten ebenfalls dämonisch sein, zum Beispiel Raben oder eben schwarze Katzen. Also wurden diese oft getötet. Heute gibt es kaum Katzen, die komplett schwarz sind!

Dass es vor allem Pech bringt, wenn die Katze von links nach rechts läuft, ist auch interessant. Man sagt nämlich auch, wenn jemand schlechte Laune hat: „Der ist wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden“, und meint damit den linken Fuß.

Pech bringt es in Deutschland auch, wenn man unter einer Leiter hindurchgeht. Angeblich bilden Leiter, Wand und Boden ein Dreieck, und das Dreieck ist die heilige Form. Wer da durchgeht, der macht die Form kaputt, und dann erlebt er Böses. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Aberglauben aber einen ziemlich praktischen Ursprung hat: Wenn nämlich oben auf der Leiter ein Maler steht, wird man sicher ganz schön dreckig, wenn man direkt darunter hindurch läuft.

Wenn du Geburtstag hast und mit den Menschen an deinem Tisch anstoßen möchtest, nimmst du dein Glas in die Hand und hältst es den anderen Menschen hin. Sie tun das gleiche und stoßen mit dir an. Ganz wichtig: In Deutschland musst du deinem Gegenüber in die Augen schauen, während sich die Gläser berühren! Die Strafe ist sonst besonders schlimm: Sieben Jahre schlechter Sex… Das zumindest sagt der Aberglaube.

A propos sieben: Wenn du einen Spiegel kaputt machst, dann hast du sieben Jahre Unglück. Denn im Spiegel siehst du deine Seele, und die zerbricht dann mit dem Spiegel. Nach sieben Jahren ist sie wieder geheilt. Komischer Aberglaube, denn auf der anderen Seite haben wir das Sprichwort „Scherben bringen Glück“.

Du darfst übrigens auch keinem oder keiner Deutschen vor seinem eigentlichen Geburtstag zum Geburtstag gratulieren! Sag also ja nicht am Tag davor: „Alles gute zum Geburtstag!“ Sonst wird dich dieser Mensch sehr böse anschauen. Denn du hast das Schicksal herausgefordert. Wer weiß, was bis morgen noch passiert? Also erst gratulieren, wenn der Tag wirklich da ist.

Es gibt auch positiven Aberglauben: Wenn du in eine neue Wohnung oder ein neues Haus einziehst kann es sein, dass deine deutschen Nachbarn oder Freunde dir ein Brot und Salz mitbringen. Das sind die Geschenke, die dir Glück bringen sollen. Wenn du übrigens Salz verschüttest dann bringt das wieder Unglück – und zwar mal wieder sieben Jahre. Die arme Zahl sieben, was hat sie nur verbrochen…

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg209kurz.pdf