von Annik Rubens | 3. Februar 2026 | SG Podcast-Episode
Letztens habe ich die Netflix-Serie Wednesday gesehen. Und in einer Episode ging es um Hexen und um Hexerei. Ich habe mich dann an mein Studium der Amerikanischen Kulturgeschichte erinnert. An die Hexenprozesse von Salem, die Salem Witch Trials. Es ist ein Kapitel der Geschichte, das man heute kaum glauben mag, oder? Also habe ich mal nachgeschaut, wie das eigentlich in Deutschland mit den Hexen war.
Wenn wir heute an Hexen denken, sehen wir oft Märchenfiguren mit spitzen Hüten und Besen. Kinder verkleiden sich an Halloween oder Fasching gerne als Hexen. Und bei Zauberern denken wir an Harry Potter. Also alles positiv, oder? Doch in der Vergangenheit war das Thema sehr ernst und oft sehr grausam. Besonders zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert hatten viele Menschen in Deutschland große Angst vor Hexen.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit glaubten viele Menschen an Magie, Dämonen und den Teufel. Krankheiten, schlechte Ernten oder Naturkatastrophen konnte man sich oft nicht erklären. Deshalb suchte man nach Schuldigen. Hexen galten als Menschen, die mit dem Teufel zusammenarbeiteten und anderen Schaden zufügten. Dieser Glaube war in vielen Teilen Europas verbreitet, aber im Gebiet des heutigen Deutschlands gab es besonders viele Hexenverfolgungen.
Die Vorstellung davon, wer eine Hexe war, entstand nicht aus echten Beweisen, sondern aus Angst, Glauben und Vorurteilen. Es gab keine klare oder sichere Methode, um eine Hexe zu erkennen. Trotzdem glaubten viele Menschen, dass man bestimmte Zeichen sehen könne.
Oft begann alles mit einem Unglück. Wenn eine Kuh starb, ein Kind krank wurde oder die Ernte schlecht war, suchte man einen Schuldigen. Häufig fiel der Verdacht auf Menschen, die anders waren oder am Rand der Gesellschaft lebten. Das konnten arme Menschen sein, Bettlerinnen, alte Frauen oder Personen, die Streit mit Nachbarn hatten. Auch wer als unfreundlich oder schwierig galt, konnte schnell verdächtigt werden.
Ein weiteres wichtiges Element waren Gerüchte. Wenn jemand sagte: „Diese Frau hat mich verflucht“, konnte das ausreichen, um eine Untersuchung zu starten. Gerüchte verbreiteten sich schnell, besonders in kleinen Dörfern. Angst und Misstrauen verstärkten sich gegenseitig. Manchmal beschuldigten Menschen andere auch aus Rache oder Neid.
Richter und Geistliche glaubten an bestimmte Zeichen von Hexerei. Man suchte zum Beispiel nach dem sogenannten Hexenmal. Das sollte eine Stelle auf der Haut sein, die angeblich vom Teufel stammte. Muttermale, Narben oder Warzen galten als verdächtig. Man stach mit Nadeln hinein. Wenn die Person keinen Schmerz zeigte oder nicht blutete, galt das als Beweis, dass sie eine Hexe ist, obwohl das medizinisch natürlich gar keinen Sinn hatte.
Auch das Verhalten spielte eine Rolle. Wer sich nicht richtig verteidigen konnte, sehr ängstlich war oder sich aus Nervosität widersprach, wurde schnell verdächtigt. Unter Folter gestanden viele Menschen, eine Hexe zu sein. Sie nannten dann oft weitere Namen, weil man ihnen versprach, die Schmerzen zu beenden. So entstanden lange Ketten von neuen Anschuldigungen.
Träume, Visionen oder Aussagen von Kindern wurden ebenfalls ernst genommen. Kinder sagten manchmal, sie hätten gesehen, wie jemand nachts flog oder sich in ein Tier verwandelte. Solche Aussagen galten damals als glaubwürdig. Heute wissen wir, dass Kinder leicht beeinflusst werden können und eine lebendige Fantasie haben.
Zusammengefasst kann man sagen: Man kam nicht durch Wissen oder Beweise darauf, wer eine Hexe war. Es waren Zufall, Angst, soziale Konflikte und falsche Vorstellungen. Fast jeder konnte beschuldigt werden, wenn die Umstände schlecht waren. Und so kam es dann zu den sogenannten Hexenprozessen.
Die meisten Hexenprozesse fanden zwischen etwa 1550 und 1650 statt. Historiker schätzen, dass in Europa rund 40.000 bis 60.000 Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden. Ein großer Teil davon lebte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, also in Gebieten des heutigen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Deutschland war damals kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen kleinen Fürstentümern, Städten und kirchlichen Gebieten. Jedes Gebiet hatte eigene Gesetze und Gerichte. Das machte Hexenprozesse leichter, weil es keine zentrale Kontrolle gab.
Die Angeklagten waren meistens Frauen. Etwa drei Viertel der Opfer waren weiblich. Oft waren es ältere Frauen, arme Frauen oder Frauen, die allein lebten. Aber auch Männer und sogar Kinder wurden beschuldigt. Die Vorwürfe reichten von Schadenzauber über das Vergiften von Brunnen bis hin zu Treffen mit dem Teufel. Viele Geständnisse kamen durch Folter zustande. Die Menschen sagten dann alles, was die Richter hören wollten, nur um die Schmerzen zu beenden.
Eine wichtige Rolle spielte das Buch „Der Hexenhammer“, auf Latein „Malleus Maleficarum“. Es erschien 1487 und wurde von zwei Dominikanermönchen geschrieben. Das Buch erklärte, wie man Hexen erkennt, verhört und bestraft. Es war kein Gesetz, hatte aber großen Einfluss auf Richter und Geistliche. Besonders betont wurde darin, dass Frauen angeblich leichter vom Teufel verführt werden. Diese Idee verstärkte die Verfolgung von Frauen.
Bekannte Orte der Hexenverfolgung in Deutschland sind zum Beispiel Bamberg und Würzburg. In Bamberg wurden zwischen 1626 und 1631 etwa 1.000 Menschen hingerichtet. Dort ließ der Fürstbischof sogar ein eigenes Gefängnis für angebliche Hexen bauen. Auch in Würzburg starben mehrere Hundert Menschen. Unter den Opfern waren angesehene Bürger, Geistliche und Kinder. Das zeigt, dass niemand wirklich sicher war, wenn die Verfolgung einmal begonnen hatte.
Mit der Zeit wuchs jedoch auch Kritik an den Hexenprozessen. Einige Gelehrte und Juristen zweifelten an den Beweisen und an der Anwendung von Folter. Einer der bekanntesten Kritiker war der Jesuit Friedrich Spee. Er hatte als Beichtvater mit Angeklagten zu tun und erkannte, wie ungerecht die Verfahren waren. 1631 veröffentlichte er ein Buch, in dem er die Hexenprozesse scharf kritisierte. Seine Argumente trugen dazu bei, dass die Verfolgungen langsam weniger wurden.
Im 18. Jahrhundert endeten die Hexenprozesse in Deutschland. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Hexerei fand 1775 in Kempten im Allgäu statt. Die Aufklärung spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Menschen begannen, mehr an Wissenschaft und Vernunft zu glauben. Gerichte verlangten bessere Beweise, und Folter wurde nach und nach verboten.
Heute erinnern Museen, Gedenktafeln und Ausstellungen an die Opfer der Hexenverfolgung. In vielen Städten wird über diese Geschichte offen gesprochen. Ich habe natürlich gleich nachgesehen, wie es in München ist. Auch hier gab es eine regelrechte Hexenjagd. Allein in München wurden an der Stelle des heutigen Busbahnhofs an der Hackerbrücke an die 200 Frauen und Mädchen bei lebendigem Leibe verbrannt. Alles im Namen Gottes.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg316kurz.pdf
von Annik Rubens | 20. Januar 2026 | SG Podcast-Episode
Heute habe ich wieder ein Thema aus der deutschen Geschichte mitgebracht, wobei das noch gar nicht so lange her ist. Ich möchte über die Flucht aus der DDR sprechen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland wie du wahrscheinlich weißt in vier Besatzungszonen geteilt. Die Gewinner USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien teilten sich das Land auf. Aus diesen Zonen entstanden später zwei Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik im Osten. Das war eine große Umstellung für die Menschen, das können wir uns alle vorstellen. Viele Menschen verließen in den ersten Jahren die DDR und gingen in den Westen. Zwischen 1949 und 1989 sollen das insgesamt rund 3,8 Millionen Menschen gewesen sein. Um das zu stoppen, baute die DDR im Jahr 1961 die Berliner Mauer. Sie trennte Ost- und West-Berlin und wurde im Laufe der Zeit immer stärker gesichert.
Warum wollten die Menschen fliehen? Vor allem, weil sie Freiheit wollten. Die DDR war ein diktatorisches Regime. Man wollte den realen Sozialismus aufbauen, an sich eine gute Idee und das hat auch in Teilen funktioniert. Aber eben nur in Teilen. Die Menschen durften den Staat oder die Regierung nicht offen kritisieren, es gab also keine Meinungsfreiheit. Die Staatssicherheit, kurz Stasi, bespitzelte Menschen. Das bedeutet, dass sie sie ausspionierte. Also heimlich überwachte. Man fühlte sich also ständig überwacht und beobachtet. Es gab auch keine Reisefreiheit. Oft entschied der Staat auch über die Berufswahl der Menschen, man durfte also nicht immer den Weg gehen, den man eigentlich gehen wollte.
Viele reisten dennoch legal aus, unter bestimmten Umständen war das möglich. Der Rest war sozusagen eingesperrt. Wer raus wollte, musste fliehen.
So, wie können wir uns die Teilung Deutschlands, also vor allem die Mauer, vorstellen? Ich war leider nie vor der Wiedervereinigung in Berlin. Ich war 13, als die Mauer fiel. Aber natürlich kenne ich die Teile der Mauer, die heute noch stehen und ein Denkmal sind. Die Mauer bestand allerdings nicht nur aus Beton. Es gab Zäune, Gräben, Wachtürme, Scheinwerfer und bewaffnete Grenzsoldaten. Auch an der ganzen innerdeutschen Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik gab es ähnliche Anlagen. Fluchtversuche waren lebensgefährlich. Viele Menschen wurden entdeckt, verhaftet oder sogar erschossen. Trotzdem versuchten immer wieder Menschen zu fliehen, auf ganz unterschiedliche Weise. Etwa 140.000 bis 150.000 Menschen schafften es in dieser Zeit zu fliehen.
Einige Menschen versuchten ihre Flucht über die Luft. Diese Versuche nennt man heute „Mauerflüge“. Sie waren besonders riskant, weil der Luftraum streng kontrolliert war. Die DDR überwachte den Himmel mit Radar und hatte eine Flugabwehr. Normale Bürger durften keine Flugzeuge besitzen oder frei fliegen. Trotzdem fanden einige Menschen kreative Lösungen.
Ein sehr bekannter Mauerflug fand zum Beispiel im Jahr 1979 statt. Zwei Familien aus Thüringen bauten in ihrer Freizeit einen großen Heißluftballon. Sie nähten dafür Stoffbahnen zusammen und konstruierten einen Brenner. In einer Nacht starteten sie dann mit acht Personen an Bord. Der Ballon stieg hoch genug, um die Grenze zu überqueren, und landete schließlich in Bayern, also in Westdeutschland. Diese Flucht wurde später weltweit bekannt. Sie zeigte, dass auch einfache Materialien und viel Planung zu einer erfolgreichen Flucht führen konnten. Aber was für einen Mut diese Menschen haben mussten! Es gibt übrigens auch einen Spielfilm zu diesem Thema, er heißt „Ballon“ und ist von 2018.
Neben Heißluftballons gab es auch andere Fluggeräte, die zur Flucht verwendet wurden. Manche Menschen nutzten kleine Motorflugzeuge oder Ultraleichtflugzeuge. In einzelnen Fällen starteten sie von improvisierten Plätzen in der DDR und flogen sehr niedrig, um nicht vom Radar entdeckt zu werden. Das war extrem gefährlich, denn ein technischer Fehler oder schlechtes Wetter konnte tödlich sein. Außerdem drohten bei Entdeckung lange Haftstrafen.
Insgesamt waren aber Mauerflüge natürlich sehr selten im Vergleich zu anderen Fluchtarten. Die Menschen sind eher durch Tunnel geflohen oder mit gefälschten Papieren. Aber die Mauerflüge bekamen viel Aufmerksamkeit, weil sie so spektakulär waren.
An dieser Stelle muss ich aber auch erwähnen, dass es viele Menschen nicht geschafft haben, zu fliehen. Es ist nicht so leicht, verlässliche Zahlen zu finden, gesichert sind wohl 140 Menschen, die den Fluchtversuch über die Berliner Mauer nicht überlebt haben. Sie wurden entweder von Grenzsoldaten erschossen oder sie ertranken in der Spree. Rund 500, manche gehen auch von doppelt so vielen aus, starben an der Grenze der DDR zur BRD. Und das nur, weil sie ihre Freiheit wollten und dort leben, wo sie selber es wollten. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, oder?
Noch ein Schlüsselwort, das du in diesem Zusammenhang kennen musst: Republikflucht. So bezeichnete man damals die Flucht aus der DDR. Wenn du die Wörter in diesem Text nicht verstehst, dann schlag sie bitte nach. So vergrößerst du deinen Wortschatz mit jeder Episode Slow German. Oder werde Premium-Mitglied, das geht auf Patreon oder auf slowgerman.com, dann bekommst Du zu jeder Episode eine Vokabelliste Deutsch-Englisch und dazu noch Lernmaterial. Bis zum nächsten Mal!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg315kurz.pdf
von Annik Rubens | 6. Januar 2026 | Persönlichkeiten, SG Podcast-Episode
Heute stelle ich dir wieder eine wichtige Person aus der deutschen Geschichte vor. Es geht um eine bedeutende Frau: Rosa Luxemburg. Hast du ihren Namen schon einmal gehört?
Rosa Luxemburg war eine politische Denkerin und Aktivistin. Sie lebte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit hatten viele Menschen in Europa große soziale Probleme. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter waren arm und mussten unter schlechten Bedingungen leben. Gleichzeitig wuchsen die Industrie und die Städte sehr schnell. Rosa Luxemburg beschäftigte sich ihr ganzes Leben mit Fragen von Gerechtigkeit, Demokratie und Frieden.
Rosa Luxemburg wurde 1871 im heutigen Polen geboren. Damals gehörte diese Region zum Russischen Reich. Ihre Familie war jüdisch. Schon als Kind war Rosa sehr klug und wissbegierig. Sie lernte früh lesen und schreiben. Mit etwa fünf Jahren wurde sie schwer krank. Ein Jahr lang musste sie im Bett bleiben. In dieser Zeit las sie sehr viel und lernte noch mehr. Ganz gesund wurde sie danach nicht mehr. Sie hatte ihr Leben lang Probleme beim Gehen. Trotzdem gab sie nicht auf.
Schon als junge Frau interessierte sich Rosa Luxemburg stark für Politik. Sie trat noch als Schülerin einer marxistischen Gruppe bei und las die Texte von Karl Marx. In Polen gab es damals wenig Freiheit. Menschen mit kritischen Meinungen wurden verfolgt. Deshalb musste Rosa Luxemburg das Land verlassen. Sie ging in die Schweiz, um dort zu studieren. In Zürich studierte sie mehrere Fächer, zum Beispiel Philosophie, Geschichte und Wirtschaft. Zu dieser Zeit war es für Frauen noch sehr ungewöhnlich, an einer Universität zu studieren.
In der Schweiz lernte Rosa Luxemburg viele andere Sozialisten kennen. Sie war der Meinung, dass der Kapitalismus viele Menschen benachteiligt. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihrer Ansicht nach mehr Rechte haben. Sie glaubte, dass es echte Demokratie nur geben kann, wenn es auch soziale Gerechtigkeit gibt. Wichtig war ihr, dass Menschen selbst denken und eigene Entscheidungen treffen. Sie lehnte blinden Gehorsam und Gewalt durch den Staat ab. Sie war gegen den Zarismus, gegen den Kapitalismus und gegen monarchische Herrschaftsformen in Europa.
Später zog Rosa Luxemburg nach Deutschland. Sie ging eine formale Ehe ein, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. In Deutschland arbeitete sie in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Sie schrieb viele Texte und hielt Reden vor großen Gruppen. Oft kritisierte sie dabei auch ihre eigene Partei. Sie meinte, dass kleine Reformen nicht ausreichen, um die Gesellschaft wirklich zu verändern. Gleichzeitig war sie auch gegen schnelle und gewaltsame Revolutionen. Sie glaubte an die Stärke der vielen Menschen, aber auch an Freiheit und offene Diskussionen. Wegen ihrer Reden gegen Krieg und Monarchie wurde sie mehrmals verhaftet und kam ins Gefängnis.
Der Frieden war für Rosa Luxemburg besonders wichtig. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, unterstützten viele Parteien den Krieg. Rosa Luxemburg war entschieden dagegen. Sie nannte den Krieg ein großes Verbrechen. Wegen ihrer Haltung wurde sie wiederholt ins Gefängnis gebracht. Auch dort schrieb sie Briefe und politische Texte. In ihren Briefen sieht man, wie sehr sie die Natur liebte und wie viel Mitgefühl sie für Menschen und Tiere hatte.
Während des Krieges gründete sie zusammen mit Karl Liebknecht den Spartakusbund. Diese Gruppe kämpfte gegen den Krieg und gegen die alte politische Ordnung. Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1918 veränderte sich Deutschland stark. Der Kaiser musste abdanken, und viele Menschen hofften auf mehr Demokratie und bessere soziale Rechte.
In dieser Zeit war Rosa Luxemburg an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beteiligt. Sie wollte eine sozialistische Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und freien Wahlen. Sie warnte davor, Zeitungen zu verbieten oder andere Meinungen zu unterdrücken. Für sie war klar: Freiheit muss auch für Menschen gelten, die anders denken. Ihr wohl bekanntestes Zitat ist: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.“
Im Januar 1919 kam es in Berlin zu schweren Kämpfen, heute bekannt als Spartakusaufstand. Hier entwickelten sich revolutionäre Massendemonstrationen der Linken hin zu bürgerkriegsähnlichen Straßenkämpfen mit Regierungstruppen. Viele Menschen starben. Rechte Freikorps ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919, weil sie als Anführer galten. Ihr Tod erschütterte viele Menschen in Deutschland und darüber hinaus. Eine Million Menschen sollen an Rosa Luxemburgs Beerdigung teilgenommen haben.
Rosa Luxemburg hinterließ zahlreiche Texte und Briefe. Bis heute werden ihre Schriften gelesen und diskutiert. Manche Menschen bewundern sie, andere lehnen ihre politischen Ideen ab. Sicher ist jedoch: Sie war eine der bekanntesten politischen Denkerinnen ihrer Zeit. Und jedes Jahr im Januar gedenken die Menschen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin bei einer großen LL-Demo.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg314kurz.pdf