Der Eurovision Song Contest ESC – SG 319

Der Eurovision Song Contest ESC – SG 319

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Zur Folge:


Kennst du den ESC? Das ist die Abkürzung für Eurovision Song Contest. Der ESC ist ein internationaler Musikwettbewerb. Jedes Jahr schauen mehr als 160 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Show im Fernsehen oder im Internet. Länder aus Europa und auch aus anderen Teilen der Welt nehmen teil, zum Beispiel Australien. Organisiert wird der Wettbewerb von der Europäischen Rundfunkunion, einem Zusammenschluss von öffentlich-rechtlichen Sendern. In diesem Jahr feiert der ESC seinen 70. Geburtstag.

In der vergangenen Woche fand der deutsche Vorentscheid statt. Das bedeutet, dass in einer großen Show am Samstagabend neun Lieder vorgestellt wurden. Danach entschied sich die Jury für drei davon. Und am Ende durften wir alle per Telefon abstimmen, welcher Song in diesem Jahr für Deutschland antritt. Der ESC findet diesmal am 16. Mai in Wien statt. Ich mache an diesem Abend wie immer eine kleine Party bei uns zu Hause. Wir schmücken das Wohnzimmer, schalten den Fernseher ein und alle Freundinnen und Freunde bringen Essen aus dem Land mit, das der Gastgeber ist. Dieses Jahr ist es Österreich, das wird also ziemlich einfach mit Schnitzel, Kaiserschmarrn und Mélange. Was das ist, musst Du unbedingt im Internet nachschauen.

Kommen wir wie immer zur Geschichte. Der erste Eurovision Song Contest fand im Jahr 1956 statt. Damals trafen sich sieben Länder in der Schweizer Stadt Lugano. Jedes Land schickte zwei Lieder ins Rennen. Gewonnen hat vor 70 Jahren die Schweiz. Die Idee hinter dem Wettbewerb war, Europa nach dem Zweiten Weltkrieg kulturell näher zusammenzubringen. Musik sollte helfen, Grenzen zu überwinden und ein Gefühl von Gemeinschaft zu schaffen. Auch heute ist das Motto „United by Music“.

Schon ein Jahr später, 1957, war Deutschland Gastgeber. Der Wettbewerb fand in Frankfurt am Main statt. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, die fast jedes Jahr teilgenommen haben. Nur 1996 war Deutschland nicht im Finale, weil das Lied in einer internen Vorauswahl nicht genug Punkte bekam. Seit dem Jahr 2000 gehört Deutschland zu den sogenannten „Big Five“. Das sind die fünf Länder, die am meisten Geld zum Wettbewerb beitragen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Diese Länder sind automatisch für das Finale qualifiziert.

Am Anfang war der Wettbewerb noch klein und ruhig. Die Sängerinnen und Sänger standen meist einfach auf der Bühne und sangen ihre Lieder. Ich habe jetzt einige Ausschnitte gesehen, das war wirklich gar kein Vergleich mit heute! Mit der Zeit wurde die Show immer größer. Heute gibt es aufwändige Bühnenbilder, Lichtshows und wilde Tänzerinnen und Tänzer. Seit 2004 gibt es Halbfinale-Shows, weil so viele Länder teilnehmen. Nur ein Teil der Länder kommt dann ins große Finale am Samstagabend.

Ein wichtiges Element des Wettbewerbs ist das Punktesystem. Seit 1975 vergibt jedes Land Punkte von 1 bis 8, dann 10 und 12 Punkte. Die 12 Punkte sind die höchste Wertung. Früher entschied nur eine Jury. Heute gibt es meistens eine Kombination aus Jury und Publikumsvoting. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können per Telefon, SMS oder App abstimmen. Ich erinnere mich noch, dass ich dabei als Kind immer eingeschlafen bin.

Deutschland hat den Wettbewerb bisher zweimal gewonnen. 1982 siegte Nicole mit dem Lied „Ein bisschen Frieden“. Dieses Lied war eine ruhige Ballade und passte gut in die politische Zeit des Kalten Krieges. Der Sieg war für viele Menschen in Deutschland sehr emotional. 1983 fand der Wettbewerb deshalb in München statt. Der zweite Sieg kam 2010. Die damals 19-jährige Lena gewann mit dem Lied „Satellite“. Der Wettbewerb wurde 2011 in Düsseldorf ausgetragen. Auch dieser Sieg war für Deutschland etwas Besonderes, weil er nach vielen weniger erfolgreichen Jahren kam.

In den vergangenen Jahren hat Deutschland oft schlecht abgeschnitten. Mehrmals landete das Land auf einem der letzten Plätze. Trotzdem bleibt das Interesse am ESC groß. Viele Fans diskutieren jedes Jahr über die Lieder, die Punkte und die Auftritte. In sozialen Medien ist der Wettbewerb ein großes Thema. Geht es hier wirklich um die Qualität der Musik oder auch um die Beliebtheit des Landes? Das ist die große Frage. Und oft bekommen die Länder auch von ihren Nachbarländern viele Punkte.

In Deutschland war bis jetzt der Norddeutsche Rundfunk, kurz NDR, für die Organisation zuständig. Dieses Jahr zum ersten Mal der SWR. Der jeweilige Sender wählt aus, wie der deutsche Beitrag bestimmt wird. Meistens gibt es einen sogenannten Vorentscheid. Das ist eine Fernsehshow, in der mehrere Künstlerinnen und Künstler gegeneinander antreten. Das Publikum und manchmal auch eine Jury entscheiden dann, wer Deutschland beim ESC vertreten darf. Wie schon gesagt war es diesmal eine Mischung aus Jury und Publikum.

Gewonnen hat diesen Vorentscheid Sarah Engels mit dem Song „Fire“. Sarah Engels kennen viele Menschen in Deutschland schon. Sie war Teilnehmerin bei „Deutschland sucht den Superstar“, einer Castingshow. Später war sie in vielen weiteren ähnlichen Shows zu Gast. Das Lied ist ein Ohrwurm, aber es ist nicht originell. Und mich persönlich langweilen diese immer gleichen Lieder, bei denen Frauen halbnackt und betont sexy tanzen. Wenn du dir selber ein Bild machen möchtest: Ich verlinke auf slowgerman.com alle Teilnehmer des Vorentscheides. Hier kannst du sie auch im Video sehen.

Der deutsche Vorentscheid hat sich im Laufe der Jahre verändert. Manchmal wurden bekannte Stars eingeladen, manchmal eher neue Talente. Es gab Jahre mit großen Shows und Jahre mit kleineren Formaten. Oft wird in Deutschland diskutiert, welche Art von Lied die besten Chancen hat: ein Popsong, eine Ballade oder vielleicht etwas ganz Ungewöhnliches. Manche Fans wünschen sich mehr Mut und mehr Musik auf Deutsch. Andere glauben, dass englische Texte international besser funktionieren. Als Moderatorin haben wir seit vielen Jahren Barbara Schöneberger. Den richtigen ESC-Abend moderiert dann aber aus dem Off, also nur als Stimme, Torsten Schorn. Über 20 Jahre war das der Job von Peter Urban, einer Radiolegende.

Für Deutschlernende ist der ESC auch sprachlich interessant, wenn Deutschland, Österreich oder die Schweiz ein Lied auf Deutsch schicken. Dieses Jahr schickt Deutschland Sarah Engels mit dem englischen „Fire“. Die Schweiz schickt Veronica Fusaro. Und Österreich schickt den 19-jährigen Sänger Cosmó mit dem deutschsprachigen Song „Tanzschein“, ich verlinke das Video:

Für wen drückst Du am 16. Mai die Daumen?

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg319kurz.pdf

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Ode an die Freude – SG 311

Ode an die Freude – SG 311

Freude, schöner Götterfunken. Sagen dir diese Wörter etwas? Vielleicht nicht. Aber die Melodie, die damit verbunden wird, kennst du mit Sicherheit. Es ist das Lied, das wir heute als Europahymne kennen. Heute erzähle ich dir mehr über dieses wichtige Stück klassischer Musik.

Der Text stammt von Friedrich Schiller. Er schrieb das Gedicht „An die Freude“ im Jahr 1785. Später überarbeitete er es noch einmal. Schiller war damals schon ein berühmter Dichter. Er liebte große Themen wie Freiheit, Freundschaft und Menschlichkeit. In der Ode „An die Freude“ wollte er zeigen, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind und zusammenhalten sollten.

Viele Jahre später entdeckte ein anderer sehr berühmter Mann dieses Gedicht für sich: der Komponist Ludwig van Beethoven. Er war fasziniert von Schillers Worten. Beethoven war selbst ein Mensch, der stark an die Kraft der Freiheit glaubte. Außerdem bewunderte er Schiller, weil dieser Mut zeigte und über wichtige gesellschaftliche Fragen schrieb. Beethoven wollte schon lange ein großes Musikstück schaffen, das die Idee von Gemeinschaft und Humanität ausdrückt. Als er die Ode „An die Freude“ las, wusste er, dass er diese Worte eines Tages vertonen würde.

Beethoven arbeitete viele Jahre an seiner Neunten Sinfonie. Als sie im Jahr 1824 in Wien uraufgeführt wurde, war Beethoven schon völlig taub. Er stand trotzdem am Dirigentenpult, obwohl er die Musik nicht mehr hören konnte. Am Ende des Konzerts sah er, dass die Menschen ihm begeistert applaudierten. Viele standen sogar auf. Die 9. Sinfonie war also von Anfang an ein großer Erfolg.

Der berühmte Chor mit dem Text der „Ode an die Freude“ erklingt im letzten Satz der Neunten Sinfonie. Für damalige Zeit war das etwas Besonderes. Eine Sinfonie mit einem Chor war ungewohnt. Heute gilt die Neunte Sinfonie als Meisterwerk. Der Chor mit der „Ode an die Freude“ ist der bekannteste Teil.

Interessant fand ich zu lesen, dass Schiller selbst sein Gedicht später gar nicht mehr so mochte. Er hatte das Gefühl, es sei zu übertrieben und zu pathetisch. Er hätte wahrscheinlich nie gedacht, dass seine Worte einmal von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesungen würden. Auch Beethoven wusste natürlich nicht, wie populär seine Musik einmal werden würde. Niemand konnte ahnen, dass seine Melodie Jahrhunderte später bei Sportereignissen, Konzerten und sogar auf Klingeltönen von Handys landen würde. Ich überlege oft, wie die längst verstorbenen Künstler es wohl empfinden würden, wenn sie ihren heutigen Erfolg sehen könnten. Gerade erst war ich in einem ausverkauften Rachmaninow-Konzert. Und das war ja ein Mann, der sehr an sich gezweifelt hat. Aber zurück zu Schiller und Beethoven. Denn die Geschichte dieses Stückes geht ja noch viel weiter.

Ein besonders wichtiger Moment in der Geschichte der „Ode an die Freude“ war nämlich das Jahr 1972. In diesem Jahr wurde die Melodie zur offiziellen Hymne des Europarats gewählt. Später, 1985, wurde sie auch die Hymne der Europäischen Gemeinschaft, aus der später die Europäische Union wurde. Das Besondere daran: Für diese Hymne wird nur die Musik verwendet. Es wird nicht gesungen. Man wollte damit zeigen, dass Europa viele Sprachen und Kulturen hat. Die Melodie steht für gemeinsame Werte, ohne eine Sprache zu bevorzugen.

Ich muss dir noch etwas erzählen, was ich selber gar nicht wusste. Ich habe es erst erfahren, als ich für diese Episode recherchiert habe: Die Melodie wurde in Japan zu einem Winterhit! Dort singen große Chöre jedes Jahr zum Jahresende Beethovens Neunte. Manche dieser Chöre bestehen aus mehreren Tausend Sängerinnen und Sängern. In Japan ist die Neunte so beliebt, dass einige Menschen sie sogar „Daiku“ nennen. Das bedeutet „Nummer Neun“. Wie genau diese Tradition entstanden ist, ist nicht ganz klar. Ich habe auf der Seite der BBC gelesen, dass diese Tradition im Ersten Weltkrieg entstanden sein soll. Damals gab es ein Kriegsgefangenenlager in Japan und dort waren deutsche Soldaten interniert. Und diese Soldaten spielten oft Musik, eben auch Beethovens Neunte. Nach dem Kriegsende gaben sie ein Konzert außerhalb des Gefängnisses. Das Stück wurde über die Jahre beliebter in Japan und 1940 wurde es bei einer Neujahrsaufführung gespielt. Auf der Seite slowgerman.com habe ich den Link zu einem Video für dich von 10.000 Sängerinnen und Sängern in Japan!

Mich hat es daran erinnert, dass ich als Kind mit meinen Eltern und Verwandten im Hollywood Bowl war. Dort gab es auch ein Konzert der „Ode an die Freude“, und meine Mutter und ich haben uns damals eher amüsiert. Denn die amerikanischen Sängerinnen und Sänger hatten nicht so ordentlich an ihrer Aussprache gearbeitet wie die aus Japan und es klang für uns einfach lustig, wie sie die deutschen Wörter aussprachen.

Dennoch finde ich es natürlich faszinierend, dass Menschen auf der ganzen Welt diese Melodie lieben und sogar den deutschen Text singen können! Noch ein paar Worte zum Text: Sei nicht frustriert, wenn du ihn nicht verstehst. Es ist Lyrik. Und es ist alt. Es ist auch für mich nicht alles gut zu verstehen. Die Freude ist zum Beispiel eine „Tochter aus Elysium“, also aus dem Paradies der Götter.

Dann schreibt Schiller: „Alle Menschen werden Brüder“. Dieser Gedanke war zur Entstehungszeit ziemlich radikal. Die Gesellschaft war streng in Klassen eingeteilt. Manche Menschen hatten viele Rechte, andere sehr wenige. Schiller stellte diese Ordnung mit seinem Gedicht offen in Frage. Für einen Dichter im 18. Jahrhundert war das mutig. Dass dieser Satz heute zu den berühmtesten Zeilen deutscher Dichtung gehört, zeigt, wie stark seine Wirkung ist. Und er ist leider nach wie vor aktuell, denn wir sind lange noch nicht an dem Punkt, an dem alle Menschen gleich sind.

Das alles wollte ich dir erzählen, in dieser Zeit der Krisen und Kriege. Wir müssen versuchen, Hoffnung zu haben. Anderen Menschen zu vertrauen. Wir sind alle Menschen auf der gleichen Erde. Es wird Zeit, dass wir gemeinsam leben und nicht gegeneinander kämpfen. Schön pathetisch, oder? Muss auch mal sein.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg311kurz.pdf

Hier gibt es eine englische Übersetzung der Episode von Kevin: https://inter-linear.blogspot.com/2025/12/ode-die-freude-de-en.html?m=1

Gute deutsche Podcasts – SG 306

Gute deutsche Podcasts – SG 306

Seit 2007 mache ich diesen Podcast. Ist es also nicht höchste Zeit, dass wir hier auch mal über Podcasts sprechen? Ich erzähle dir erst etwas über die Geschichte der Podcasts und dann gebe ich dir Hörtipps, ok?

Anfang der 2000er-Jahre gab es die ersten Podcasts in den USA. Bald darauf sind wir auch hier in Deutschland gestartet. Ich bin seit 2005 dabei, damals gab es knapp 70 deutsche Podcasts. Heute sind es angeblich 70.000, das sagt zumindest Spotify.

Bei dieser Zahl ist also klar, dass es wirklich zu fast jedem Thema einen Podcast gibt. Und auch die Radiosender haben Podcasts für sich entdeckt und stellen ihre Sendungen ins Internet. Das finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie dann hören kann, wenn ich Zeit und Lust habe. Und ich finde es super, dass alle neuen Episoden meiner abonnierten Podcasts automatisch bei mir landen – ich muss sie nicht suchen. So vergesse ich auch nie, sie zu hören!

Laut Studien von 2023 hören mehr als 40 Prozent der Deutschen zumindest manchmal Podcasts. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sie regelmäßig. Ich sage dir jetzt ein paar Podcasts, die ich gut finde oder die sehr bekannt und beliebt sind. Es sind aber Podcasts, die natürlich für Muttersprachler gemacht sind – die meisten sind für dich wahrscheinlich noch zu schnell. Aber probier es einfach mal aus, vielleicht verstehst du ja doch etwas!

Wenn ich so überlege, würde ich sagen, dass vor allem zwei Formate in Deutschland sehr beliebt sind. Das eine sind die sogenannten True-Crime-Podcasts. Da wird also über wahre Kriminalfälle gesprochen, meistens über spektakuläre Mordfälle, die wirklich passiert sind. Ich persönlich mag solche Podcasts nicht. Zum einen machen sie mir Angst, zum anderen finde ich es komisch, über diese Schicksale von Menschen ein unterhaltsames Format zu machen. Aber das ist Geschmackssache. Vor allem Frauen in Deutschland lieben True-Crime-Podcasts. Wenn du mal einen solchen True-Crime-Podcast hören willst, empfehle ich dir „ZEIT Verbrechen“.

Das andere Format sind die Gesprächspodcasts. Ich nenne sie auch gerne Laberpodcasts. Labern ist ein umgangssprachliches Wort für „sprechen“. Meistens machen diese Art von Podcasts Männer. Sehr alt und sehr bekannt ist zum Beispiel „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Er gehört zu den meistgehörten Podcasts in Deutschland. Jan Böhmermann kennt man hier als Fernsehmoderator, Olli Schulz ist ein Singer-Songwriter. In ihrem wöchentlichen Podcast sprechen sie einfach über alles Mögliche, was ihnen gerade einfällt. Mit der Zeit hat man bei solchen Podcasts das Gefühl, die sprechenden Menschen zu kennen. Ebenfalls sehr bekannt ist „Baywatch Berlin“, da sprechen drei Männer. Und zwar sind das Klaas Heufer-Umlauf, Thomas Schmitt und Jakob Lundt. Klaas ist ein Fernsehmoderator, und die anderen beiden arbeiten mit ihm zusammen beim Fernsehen. Beide Podcasts sind lustig und schnell. Und in „Sträter & Streberg“ sprechen die beiden Freunde über Filme und Serien.

Wenn du dich eher für Politik interessierst, dann wäre die „Lage der Nation“ etwas für dich. Philip Banse und Ulf Buermeyer fassen in diesem Podcast jede Woche die wichtigsten Themen zusammen. Ebenfalls politisch, aber noch etwas unterhaltsamer, ist „Apokalypse & Filterkaffee“ von Micky Beisenherz und Kolleginnen und Kollegen. Dieser Podcast erscheint jeden Tag und ist ungefähr eine halbe Stunde lang.

Bei der Vielzahl an Podcasts finde ich es schwer, eine Auswahl zu treffen. Daher sage ich dir jetzt einfach, welche Podcasts ich besonders gerne höre. Die deutsche Zeitung „Die Zeit“ veröffentlicht eigentlich nur gute Podcasts. Sie sind von hoher Qualität, und man lernt eine Menge dazu. Zum Beispiel sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend in „Alles gesagt?“ mit einem bekannten Menschen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Wissenschaftlerin. Das Besondere an diesem Podcast ist, dass er so lange dauert, bis der Gast ein bestimmtes Codewort sagt. Dann ist er sofort vorbei. Manche Episoden dauern daher acht oder neun Stunden! Wenn du dich für Kunst interessierst, empfehle ich dir „Augen zu“, ebenfalls von der Zeit. Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sprechen in jeder Episode über einen Künstler oder eine Künstlerin und erzählen viel aus deren Leben.

Wenn dich eher Musik interessiert, dann hör doch mal in „Urban Pop – Musiktalk mit Peter Urban“ rein. Ausführlich wird hier über sehr bekannte Stars gesprochen, zum Beispiel über die Eagles, die Beatles oder Depeche Mode.

Es gibt auch gute deutsche Storytelling-Podcasts. Zuletzt hat mich „Legion“ sehr berührt. In sieben Episoden geht es da um die sogenannte Scamming-Industrie, also um Menschen, die anderen Menschen über das Internet Liebe vorgaukeln und sie dann dazu bringen, viel Geld zu überweisen. Dieser Podcast zeigt, was eigentlich hinter diesen Scams steckt, und es ist erschreckend. Super fand ich auch den „Seelenfänger“-Podcast, da geht es in mehreren Staffeln um verschiedene Sekten und wie diese es schaffen, Menschen zu beeinflussen. Oder „Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen“ über den bekannten Fall der Firma Wirecard. Die mittlerweile vierte Staffel dreht sich um den Chef Jan Marsalek und um die Frage, ob dieser ein russischer Spion ist oder war. Und noch ein letzter Tipp in dieser Art: „Der Germanwings-Absturz – Zehn Jahre ohne euch“. Wie kam es dazu, dass ein Pilot ein ganzes Flugzeug mit Menschen in den Tod riss?

Wenn du dich für Spione und Agenten interessierst, dann ist vielleicht „Dark Matters“ etwas für dich. Da geht es um die Geheimnisse der Geheimdienste. Und „Die Anschlags“ erzählt die wahre Geschichte eines russischen Ehepaares, das ganz normal in Deutschland gelebt hat und sich dann als Spione entpuppte.

Ich glaube, das sind jetzt genug Hörtipps, oder? Du sollst ja auch noch Zeit haben, Slow German zu hören! Was mich aber natürlich immer interessiert, ist die Frage: Welche Podcasts hörst du gerne? Schreib gerne in die Kommentare und gib uns Tipps. Es müssen nicht nur deutsche Podcasts sein!

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg306kurz.pdf

Die Buchpreisbindung in Deutschland – SG 281

Die Buchpreisbindung in Deutschland – SG 281

Stell dir vor, du bist in Deutschland und möchtest ein Buch kaufen. Sagen wir einen Bestseller. Du gehst in einen Buchladen – das Buch kostet 9 Euro. Du gehst in einen Supermarkt – das Buch kostet 9 Euro. Du schaust bei Amazon im Internet – das Buch kostet 9 Euro. Hast du dich auch schon gefragt, warum das so ist? Der Grund ist die deutsche Buchpreisbindung, und das ist eine tolle Sache. Ich erklär’s dir. 

Die Buchpreisbindung bedeutet, dass Verlage den Verkaufspreis eines Buches festlegen und dieser Preis für alle Händler verbindlich ist. Das heißt, ein Buch kostet in jeder Buchhandlung, ob groß oder klein, denselben Preis. Diese Regel gilt sowohl für gedruckte Bücher als auch für E-Books.

Die Buchpreisbindung hat eine lange Tradition in Deutschland. Sie wurde bereits im 19. Jahrhundert eingeführt, um den Buchhandel zu schützen und eine vielfältige Buchlandschaft zu erhalten. Offiziell geregelt ist sie im Buchpreisbindungsgesetz von 2002.

Du verstehst nicht, warum das einen Vorteil bietet? Kann ich nachvollziehen. Denn wir Leseratten können daher in Deutschland keine Schnäppchen machen, keine Bücher billiger bekommen. Aber versuche mal, die Seite der Buchhändler zu verstehen:

Durch die Buchpreisbindung können auch kleine Buchhandlungen überleben. Sie müssen nicht mit großen Buchhandelsketten oder Online-Händlern über den Preis konkurrieren. Das sorgt dafür, dass es in vielen Städten und Gemeinden Buchhandlungen gibt und die Vielfalt an Büchern erhalten bleibt. Ein konkretes Beispiel: Stell dir vor, es gäbe keine Buchpreisbindung. Dann könnte Amazon zum Verlag sagen: Ich kaufe dir 100.000 von diesen Büchern ab, dafür will ich sie aber billiger haben. Und dann verkauft Amazon das Buch für 8 Euro, also einen Euro billiger als die anderen Buchläden. Wir Leseratten würden dann alle bei Amazon kaufen – und die kleinen Buchläden wären schnell pleite. Sie würden kein Geschäft mehr machen.

Noch ein Vorteil: Die Buchpreisbindung ermöglicht es Verlagen, auch weniger kommerzielle Titel zu veröffentlichen. Das bedeutet, dass nicht nur Bestseller, sondern auch spezielle Fachbücher, Literatur von neuen Autoren und Nischenprodukte eine Chance haben, auf den Markt zu kommen.

Auch für E-Books gilt in Deutschland die Buchpreisbindung. Das ist in vielen anderen Ländern nicht der Fall. Diese Regelung hilft, den digitalen Buchmarkt zu regulieren und die Interessen der Verlage und Autoren zu schützen. Das heißt aber nicht, dass das E-Book so viel kostet wie das gedruckte Buch. Es kostet in der Regel weniger, weil es ja kein Material benötigt, keine Lagerkosten verursacht und keinen Transport. Aber der Preis des E-Books muss auch wieder überall gleich sein. 

In einigen Ländern, wie zum Beispiel den USA, gibt es keine Buchpreisbindung. Dort können Händler die Preise frei festlegen. Das führt oft zu starken Preisschwankungen und einem intensiven Wettbewerb, der kleine Buchhandlungen benachteiligen kann. Ich habe dort auch oft Aktionen gesehen, dass man 3 Bücher kauft und nur 2 bezahlt. Das ginge mit der Buchpreisbindung nicht.

Wobei – Aktionen gibt es hier manchmal auch. Trotz der Buchpreisbindung gibt es in Deutschland bestimmte Zeiten und Anlässe, zu denen Rabatte erlaubt sind. Zum Beispiel dürfen Bücher im Rahmen von Sonderaktionen, wie zum Welttag des Buches, günstiger angeboten werden. Diese Rabatte sind aber streng geregelt und zeitlich begrenzt. Auch wenn ein Buch etwas kaputt gegangen ist beim Transport, darf es als Mängelexemplar billiger verkauft werden – dann hat es aber einen Stempel auf den Seiten, der das auch anzeigt.

Ich finde die Buchpreisbindung super, aber es gibt auch Kritiker. Sie argumentieren, dass sie den Wettbewerb einschränkt und den freien Markt behindert. Manche glauben, dass ohne die Preisbindung Bücher günstiger wären und mehr Menschen lesen würden. Andere meinen, dass die Digitalisierung den Buchmarkt so stark verändert hat, dass die Buchpreisbindung nicht mehr zeitgemäß ist.

Was denkst du? Wie findest du die Buchpreisbindung?

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg281kurz.pdf

Lesen in Deutschland – SG 277

Lesen in Deutschland – SG 277

Wie du vielleicht weißt, mache ich nicht nur diesen Podcast, sondern noch zwei andere. Der zweite ist „Exzellent erklärt“, da geht es um Wissenschaft. Und der dritte heißt „Lies und das“, und darin geht es um Bücher und um das Lesen. Also dachte ich mir, ich mache eine „Slow German“-Episode über das Lesen!

Vor vielen Jahrhunderten, im Mittelalter, konnten nur sehr wenige Menschen lesen. Die meisten Leute waren Bauern und arbeiteten hart auf dem Feld. Nur Mönche, Priester und einige Adelige konnten lesen. Bücher wurden damals noch von Hand geschrieben und waren dadurch sehr teuer. Sie waren oft in Klöstern und Kirchen zu finden. Diese Bücher waren dementsprechend meist religiös.

Im Jahr 1445 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Das war eine große Erfindung. Nun konnten Bücher schneller und günstiger hergestellt werden. Mehr Menschen konnten sich Bücher leisten und lernen zu lesen. Das erste Buch, das Gutenberg druckte, war die Bibel. Diese Erfindung hat das Lesen für viele Menschen möglich gemacht.

Im 16. Jahrhundert kam dann die Reformation. Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche. Vorher war die Bibel nur auf Latein verfügbar, und das konnten die meisten Menschen nicht verstehen. Nun konnten mehr Menschen die Bibel lesen und ihre Religion besser verstehen. Das war ein großer Schritt für das Lesen und die Bildung in Deutschland.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Lesen immer wichtiger. Es gab immer mehr Schulen, und die Kinder lernten lesen und schreiben. Auch Zeitungen wurden populär. Die Menschen wollten über das Geschehen in der Welt informiert sein. Die Industrialisierung brachte viele Veränderungen. Es gab neue Maschinen und Erfindungen. Die Menschen mussten lesen können, um mit den neuen Technologien umzugehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bildung ein wichtiger Teil des Lebens. Es gab viele Bibliotheken und Buchhandlungen. Das Lesen wurde zu einem beliebten Hobby. Viele berühmte Autoren kamen aus Deutschland, wie Thomas Mann und Hermann Hesse. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt.

Heute lesen die Menschen in Deutschland immer noch gerne. Bibliotheken und Buchhandlungen sind immer noch wichtige Orte. In vielen Städten gibt es Buchmessen und Lesungen. Das größte Ereignis ist die Frankfurter Buchmesse. Sie ist die größte Buchmesse der Welt. Sehr nett ist auch die Leipziger Buchmesse.

Dennoch muss man betonen, dass in Deutschland von den Deutsch sprechenden Erwachsenen rund 12 Prozent nur sehr schlecht lesen und schreiben können. Hochgerechnet sind das also 6 Millionen Menschen. Das ist ein riesiges Problem und ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert.

Übrigens, weil wir hier ja über die deutsche Sprache sprechen: In Deutschland gibt es sogenannte „Leseratten“. Das sind Menschen, die sehr viel lesen. Sie verbringen oft Stunden mit einem Buch und können es kaum aus der Hand legen. Ich bin so eine Leseratte. Ein lustiger Ausdruck für jemanden, der nicht gerne liest, ist „Lesemuffel“. Diese Menschen lesen nur selten oder gar nicht.

Vielleicht bist du ja auch eine Leseratte oder kennst einen Lesemuffel. In jedem Fall: Viel Spaß beim Lesen! Es ist egal, was Du liest, es darf auch ein Comic sein oder ein Sachbuch. Aber lesen ist wichtig.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg277kurz.pdf

Die TV-Serie „Der Bergdoktor“ – SG #265

Die TV-Serie „Der Bergdoktor“ – SG #265

Die TV-Serie „Der Bergdoktor“ ist eine sehr beliebte deutsche Fernsehserie, die sich um das Leben und die Abenteuer eines Arztes in den Alpen dreht. Die Hauptfigur der Serie ist Dr. Martin Gruber, der von dem österreichischen Schauspieler Hans Sigl gespielt wird. Die Serie hat eine große Fangemeinde und erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit. 16 Staffeln gibt es mittlerweile (jetzt läuft gerade die 17.!), man kann sie in der ARD- und ZDF-Mediathek nachsehen. Die Einschaltquoten sind so gut, dass jeder fünfte deutsche TV-Zuschauer den Bergdoktor anschaut!

Die Handlung der Serie spielt sich in einem fiktiven Dorf namens Ellmau ab, das in den malerischen Tiroler Alpen liegt. Dr. Martin Gruber, der Bergdoktor, ist nicht nur ein erfahrener Arzt, sondern auch ein sehr bodenständiger und charismatischer Mensch. Die Serie beleuchtet sein Leben, seine Beziehungen zu den Dorfbewohnern und seine beruflichen Herausforderungen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Dr. Gruber in das kleine, ländliche Ellmau zurückkehrt, nachdem er einige Jahre in New York verbracht hat. Er übernimmt eine Praxis. Von diesem Moment an wird er in viele emotionale und dramatische Geschichten verwickelt. Die Serie kombiniert medizinische Notfälle mit persönlichen Beziehungen. Natürlich hat der Arzt immer wieder neue Frauen an seiner Seite. Aber er lebt mit seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Tochter auf einem Bauernhof. 

Es gibt viele Nebencharaktere in der Serie, von anderen Ärzten bis hin zu Dorfbewohnern mit unterschiedlichen Hintergründen. Da ist zum Beispiel der Klinikarzt, der im Laufe der Zeit zum Freund wird.

Jede Episode enthält eine neue medizinische Herausforderung, sei es ein Bergunfall, eine mysteriöse Krankheit oder ein tragisches Ereignis. Die Arbeit des Arztes wird wie in vielen TV-Serien sehr unrealistisch dargestellt, aber darum geht es eigentlich auch gar nicht. Es ist eben gute Unterhaltung – und zwischendrin gibt es immer wieder Bilder der  atemberaubenden Landschaft der Alpen. 

Die Serie ist für viele Menschen eine Art Eskapismus. Wir flüchten uns in dieses kleine Dorf Ellmau, wo jeder jeden kennt. Wir fühlen uns geborgen in dieser Ersatzfamilie. Und vor allem tut es gut, dass jedes noch so schlimme Problem am Ende der Episode gelöst ist. Meistens jedenfalls. Es wäre schön, wenn es in der realen Welt auch so einfach wäre! 

Andererseits würde ich einen großen Bogen um dieses Dorf Ellmau machen, denn so viele schlimme Krankheiten, wie da auftreten – das kann nicht normal sein.

Hast Du schonmal eine Folge „Der Bergdoktor“ gesehen? Wenn ja, schreib mir in die Kommentare, wie sie Dir gefallen hat! Hier findest Du sie in der Mediathek: https://www.zdf.de/serien/der-bergdoktor

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg265kurz.pdf