von Annik Rubens | 18. Februar 2025 | SG Podcast-Episode
In Deutschland gibt es zwei Arten von Krankenversicherungen: die gesetzliche und die private. Damit ist Deutschland das einzige Land in Europa mit einem zweigeteilten Gesundheitssystem. Die meisten Menschen sind in der gesetzlichen Krankenversicherung, auch GKV genannt. Sie ist Pflicht für alle Arbeitnehmer, die weniger als eine bestimmte Einkommensgrenze verdienen. Diese Grenze nennt man Versicherungspflichtgrenze. Wer mehr verdient oder selbständig ist, kann sich privat versichern lassen.
Wenn du also beispielsweise zum Arzt gehst, dann fragt dich die Dame am Empfang zunächst einmal nach deiner Versichertenkarte. Diese wird im System des Arztes eingelesen und somit weiß der Arzt, ob du privat oder gesetzlich versichert bist. Dadurch ändert sich auch, was der Arzt abrechnen kann, also wieviel er an diesem Patienten verdient.
Die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert nach dem Solidarprinzip. Das bedeutet, dass alle Versicherten gleich behandelt werden. Alle Mitglieder zahlen jeden Monat Geld ein. So können die Kosten für Menschen bezahlt werden, die krank werden oder einen Unfall hatten. Die Höhe der Beiträge hängt vom Einkommen ab. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Gesetzlich Versicherte zahlen 14,6 Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung, dazu kommt noch ein sogenannter Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen selber festlegen und der so um die 2,5 Prozent liegt (Stand: 2025). Wenn du angestellt bist, zahlt dein Arbeitgeber die Hälfte des Beitrages.
Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind für alle gleich. Sie übernimmt zum Beispiel Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente. Allerdings gibt es oft Zuzahlungen, wie etwa für Brillen oder bestimmte Behandlungen.
Die private Krankenversicherung, kurz PKV, funktioniert anders. Hier hängt der Beitrag nicht vom Einkommen ab, sondern vom Alter, Beruf und Gesundheitszustand der versicherten Person. Wer jung und gesund ist, zahlt weniger. Dafür können die Leistungen besser sein. Privatversicherte bekommen oft schneller Termine beim Facharzt und können sich in der Regel aussuchen, in welchem Krankenhaus sie behandelt werden. Auch Chefarztbehandlungen und Einzelzimmer im Krankenhaus gehören oft dazu.
Ein Erwachsener zahlt so ungefähr 600 bis 800 Euro pro Monat in die private Krankenversicherung ein. Dazu kommt, dass er die Kosten für seine Behandlung erst einmal selber bezahlen muss – danach kann er sie seiner Krankenkasse in Rechnung stellen und bekommt das Geld zurück.
Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist nicht immer leicht. Vor allem für Angestellte mit höherem Einkommen oder Selbständige kann die private Versicherung attraktiv sein. Privat versichern können sich Beamte, Selbständige oder Studenten und Angestellte, die über 66.600 Euro brutto jährlich verdienen (Stand 2023). Aber: die private Krankenkasse kann dich als Patient auch ablehnen, wenn du zum Beispiel eine Vorerkrankung hast. Sie kann sich ihre Kunden aussuchen. Die gesetzliche Krankenkasse ist für alle offen.
Doch es gibt Risiken: Mit steigendem Alter werden die Beiträge oft teurer, und der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist auch schwierig.
Ein großer Unterschied zeigt sich auch bei der Familienversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder und Ehepartner oft kostenlos mitversichert. In der privaten Krankenversicherung braucht jede Person eine eigene Versicherung. Das kann für Familien teuer werden.
Für viele Menschen stellt sich die Frage: Welche Versicherung ist besser? Die Antwort hängt von der individuellen Situation ab. Junge, gut verdienende Singles bevorzugen oft die private Krankenversicherung. Familien oder Menschen mit geringem Einkommen bleiben meist in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die beiden Systeme sorgen oft für Diskussionen. Kritiker sagen, dass privat Versicherte Vorteile haben, während gesetzlich Versicherte oft länger auf Arzttermine warten müssen. Andere meinen, dass das System der gesetzlichen Krankenversicherung fairer ist, weil alle einzahlen und alle die gleichen Leistungen bekommen. Oft wird auch gefordert, dass Selbständige eine Pflicht zur Versicherung haben sollten – manchmal sind diese nämlich gar nicht versichert.
Trotz aller Diskussionen: Insgesamt ist das deutsche Gesundheitssystem eines der besten der Welt. Egal, ob gesetzlich oder privat versichert – jeder hat Zugang zu medizinischer Versorgung.
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https://slowgerman.com/folgen/sg291kurz.pdf
von Annik Rubens | 4. Februar 2025 | SG Podcast-Episode
Heute geht es um ein Thema, das für viele Menschen in Deutschland wichtig ist: den TÜV. Vielleicht hast du das Wort schon gehört. TÜV steht für „Technischer Überwachungsverein“. Der TÜV sorgt dafür, dass Autos und andere technische Geräte sicher sind. Aber woher kommt der TÜV, und was genau macht er? Das erzähle ich dir jetzt. Wenn Du mich übrigens unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon oder auf slowgerman.com und werde Premium-Mitglied! Jetzt zum Thema.
Alles begann im 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung in Deutschland schnell voranschritt. Damals gab es viele neue Maschinen und Fabriken, aber auch viele Unfälle. Besonders gefährlich waren Dampfmaschinen. Wenn sie kaputtgingen, konnten sie explodieren. Das führte zu schweren Unfällen mit vielen Verletzten oder sogar Toten.
Deshalb beschlossen Ingenieure und Fabrikbesitzer, technische Anlagen regelmäßig zu kontrollieren. 1866 wurde in Mannheim der erste „Dampfkessel-Überwachungsverein“ gegründet. Das war der Anfang des TÜV. Die Idee war einfach: Fachleute prüfen Maschinen und Anlagen, damit sie sicher bleiben. Bald gab es solche Vereine auch in anderen Städten.
Im Laufe der Zeit änderte sich der Name. Aus dem „Dampfkessel-Überwachungsverein“ wurde der „Technische Überwachungsverein“, kurz TÜV. Heute gibt es mehrere TÜV-Gesellschaften in Deutschland, wie den TÜV Süd, TÜV Nord oder TÜV Rheinland.
Die meisten Menschen in Deutschland kennen den TÜV wegen der sogenannten Hauptuntersuchung, kurz HU. Diese Prüfung müssen alle Autos regelmäßig bestehen, damit sie auf der Straße fahren dürfen. Für Autos gilt: Nach drei Jahren muss ein neues Auto das erste Mal zum TÜV. Danach alle zwei Jahre. Wann der nächste Termin ist, steht auf einer bunten Plakette auf dem Nummernschild.
Bei der Hauptuntersuchung schauen die Experten ganz genau hin: Funktionieren die Bremsen? Sind die Lichter in Ordnung? Ist der Auspuff noch dicht? Sie prüfen auch, ob der Wagen zu viel Abgas produziert. Wenn alles in Ordnung ist, bekommt das Auto diese bunte Plakette. Sie zeigt, wann das Auto wieder geprüft werden muss.
Aber was passiert, wenn das Auto die Prüfung nicht besteht? Dann bekommt der Besitzer eine Liste mit den Mängeln. Diese Mängel müssen repariert werden, bevor das Auto wieder fahren darf. Manche Menschen haben Angst vor dem TÜV-Termin, weil sie nicht wissen, ob ihr Auto die Prüfung schafft. Die Reparatur kann hohe Kosten verursachen.
Viele Menschen bringen ihr Auto vor der Hauptuntersuchung in eine Werkstatt. Dort wird das Auto überprüft, und kleine Probleme werden repariert. Das kann helfen, die TÜV-Prüfung zu bestehen. Es ist auch wichtig, die nötigen Papiere mitzubringen, zum Beispiel den Fahrzeugschein.
Manche Autobesitzer versuchen, Mängel zu verstecken. Sie hoffen, dass der Prüfer nichts merkt. Aber das ist keine gute Idee, denn es geht um Sicherheit. Wenn ein Auto nicht sicher ist, kann das Leben von Menschen gefährdet sein.
Der TÜV prüft übrigens nicht nur Autos. Er ist auch in vielen anderen Bereichen aktiv. Zum Beispiel kontrolliert er Aufzüge oder Heizungen. Auch Spielplätze werden oft vom TÜV geprüft, damit Kinder sicher spielen können. Sogar Produkte wie Elektrogeräte oder Möbel können ein TÜV-Siegel bekommen. Das zeigt, dass sie sicher sind. Und bevor Menschen auf dem Oktoberfest mit der Achterbahn fahren dürfen, muss auch erstmal der TÜV zur Kontrolle kommen.
Und wie ist es bei dir? Hast du schon einmal einen TÜV-Termin erlebt? Oder kommst du vielleicht aus einem Land, wo es so etwas gar nicht gibt?
Schreib mir gerne in die Kommentare und übe dein Deutsch!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg290kurz.pdf
von Annik Rubens | 21. Januar 2025 | Dialog, SG Podcast-Episode
Hallo! Äh… bist du neu hier?
Hallo. Ja, ich bin… neu. Was machen die Menschen hier?
Das ist ein Fitnessstudio. Hier trainieren wir unseren Körper.
Trainieren? Warum?
Damit wir stark bleiben, gesund sind und uns gut fühlen. Siehst du da die Hanteln? Die Menschen heben sie, um Muskeln aufzubauen.
Muskeln? Sind das die Teile, die sich bewegen, wenn ich meinen Arm hebe?
Genau! Schau, ich zeige es dir. Hier, diese Hanteln. Sie wiegen 5 Kilo. Willst du es probieren?
[hebt die Hantel] Hm, schwer! Das ist anstrengend.
Ja, am Anfang ist es hart, aber mit der Zeit wird es leichter.
Warum laufen die Menschen da auf diesen Maschinen?
Das nennt man Laufband. Man läuft oder joggt darauf, um fit zu bleiben.
Ich verstehe. Und das Fahrrad da?
Das ist ein Fitnessrad. Es ist wie Fahrradfahren, aber man bleibt an Ort und Stelle.
Interessant! Aber die Menschen sehen müde aus. Und sie… wie heißt das? Schwitzen?
Ja, sie schwitzen. Das ist normal. Wenn wir trainieren, wird uns warm, und der Körper gibt Wasser ab, um uns zu kühlen.
Aha, das passiert bei mir auch, aber ich leuchte stattdessen.
Leuchten? Das wäre praktisch! Dann siehst du nachts immer etwas.
Haha, ja. Was machen die Menschen, wenn sie mit dem Training fertig
sind?
Die meisten trinken Wasser oder einen Proteinshake. Danach gehen sie duschen, um sich zu reinigen. Siehst du dort die Umkleiden? Da sind die Duschen.
Duschen? Mit Wasser?
Ja, genau. Wir waschen den Schweiß ab. Du kannst es auch probieren, falls du schwitzt… oder leuchtest.
Interessant! Kann ich alles hier machen?
Natürlich. Aber fang langsam an, damit du dich nicht verletzt. Willst du vielleicht zusammen trainieren?
Ja, das klingt gut. Ich will stark werden und schwitzen – oder leuchten!
Willkommen im Fitnessstudio! Wir schaffen das zusammen.
Text der Episode als PDF:
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Zu dieser Episode gibt es kein Lernmaterial. Aber hier die schnellere Version (sonst nur für Premium-Abonnenten, diesmal zum Üben für alle):
von Annik Rubens | 7. Januar 2025 | Natur und Umwelt, SG Podcast-Episode
Willkommen zu einer neuen Episode von „Slow German“. Heute geht es um die Donau. Die Donau ist einer der berühmtesten und längsten Flüsse Europas. Sie fließt durch zehn Länder und hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Die Donau ist ein wichtiger Fluss für die Natur, die Menschen und die Kultur in Europa. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon! Da gibt es auch noch mehr Material. Aber jetzt lass uns einen genaueren Blick auf diesen faszinierenden Fluss werfen.
Die Donau – Ein mächtiger Strom
Die Donau ist nach der Wolga der zweitlängste Fluss in Europa. Sie ist etwa 2.850 Kilometer lang und beginnt in Deutschland im Schwarzwald. Dort, in der Stadt Donaueschingen, fließen zwei kleine Flüsse zusammen, die Brigach und die Breg. Aus ihrem Zusammenfluss entsteht die Donau. Von dort aus fließt sie durch viele verschiedene Länder, wie Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien, bis sie schließlich ins Schwarze Meer mündet.
Besonders ist, dass die Donau durch so viele Länder fließt – insgesamt zehn. Das sind Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine. Kein anderer Fluss der Welt fließt durch so viele verschiedene Länder. Die Donau verbindet also ganz unterschiedliche Regionen, Sprachen und Kulturen miteinander.
Die Donau in der Geschichte
Die Donau hat eine lange Geschichte. Schon in der Antike war sie ein wichtiger Fluss. Die alten Römer nannten sie „Danubius“ und nutzten sie als Grenze für ihr riesiges Reich. Die Römer bauten viele Städte entlang der Donau, darunter Vindobona – das heutige Wien. Die Donau diente den Römern auch als Handelsweg, und Soldaten nutzten den Fluss, um schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen.
Später, im Mittelalter, war die Donau eine wichtige Route für Händler. Über den Fluss konnten sie Waren wie Getreide, Wein und Salz transportieren. Auch heute ist die Donau ein wichtiger Fluss für die Schifffahrt und den Handel in Europa. Viele große Städte, wie Wien, Budapest und Belgrad, liegen direkt an der Donau und sind durch sie miteinander verbunden.
Die Donau und die Natur
Die Donau ist nicht nur ein wichtiger Fluss für die Menschen, sondern auch für die Natur. Entlang der Donau gibt es viele verschiedene Landschaften: Wälder, Wiesen, Sumpfgebiete und Auen. Viele Tiere leben hier, zum Beispiel Fische, Vögel und sogar Biber. In den Donau-Auen in Österreich und Ungarn findet man viele seltene Pflanzen und Tiere. Die Donau-Region ist deshalb ein wichtiges Naturschutzgebiet.
Besonders bekannt ist das Donau-Delta in Rumänien. Hier, wo die Donau ins Schwarze Meer fließt, entsteht ein riesiges Delta. Das ist ein Gebiet, in dem der Fluss in viele kleine Flussarme und Seen aufgeteilt wird. Das Donau-Delta ist ein Paradies für viele Vogelarten, wie Pelikane, Störche und Reiher. Es ist auch UNESCO-Weltnaturerbe, was bedeutet, dass es ein besonders geschütztes Gebiet ist. Viele Touristen kommen jedes Jahr dorthin, um die schöne Natur zu erleben.
Der blaue Fluss?
Vielleicht hast du schon einmal den Begriff „Die schöne blaue Donau“ gehört. So heißt ein berühmtes Musikstück des österreichischen Komponisten Johann Strauss. Doch ist die Donau wirklich blau? Tatsächlich sieht der Fluss oft eher grün oder braun aus, je nachdem, wie das Licht einfällt oder wie das Wetter ist. Das Wort „blaue Donau“ kommt aus einer Zeit, in der man Flüsse oft poetisch als „blau“ bezeichnete. Auch wenn die Donau in Wirklichkeit selten blau aussieht, ist der Name geblieben. Das Lied von Johann Strauss ist besonders in Wien und in der österreichischen Kultur sehr bekannt.
Ein seltsames Phänomen – die Donauversickerung
Und wusstest du, dass die Donau auf ihrem Weg einmal verschwindet? Das klingt unglaublich, ist aber wahr. In Deutschland, in der Nähe der Stadt Immendingen, gibt es ein Phänomen, das man „Donauversickerung“ nennt. Hier versickert das Wasser der Donau im Boden und taucht später in einem anderen Fluss, dem Aachtopf, wieder auf. Das bedeutet, dass die Donau an dieser Stelle einfach „verschwindet“ und unterirdisch weiterfließt. Besonders in trockenen Sommern kann es passieren, dass die Donau fast vollständig versickert.
Die Donau heute
Heute ist die Donau ein moderner Fluss mit vielen Funktionen. Sie ist eine wichtige Verkehrsroute für Schiffe und Boote, und viele Städte entlang der Donau haben Häfen, die täglich genutzt werden. Aber nicht nur das: Entlang der Donau gibt es auch viele touristische Attraktionen. Zum Beispiel den Donauradweg – ein berühmter Fahrradweg, der von der Quelle in Deutschland bis zur Mündung ins Schwarze Meer führt. Viele Menschen fahren jedes Jahr mit dem Fahrrad entlang der Donau. Leider taucht sie auch in den Nachrichten immer wieder auf, denn sie verursacht in vielen Orten auch Überschwemmungen. Die Bewohner müssen mit dieser Bedrohung leben.
Auf der positiven Seite ist die Donau ein beliebter Fluss für Kreuzfahrten. Manche Schiffe fahren den ganzen Fluss hinunter, von Deutschland bis nach Rumänien. Dabei können die Passagiere viele Städte und Sehenswürdigkeiten entlang der Donau besichtigen, von Wien über Budapest bis nach Belgrad. So eine Kreuzfahrt habe ich zwar noch nicht gemacht, aber ich bin schon oft mit einem kleinen Schiff über die Donau gefahren, weil ein Teil meiner Familie aus einem kleinen Ort an der Donau stammt.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg288kurz.pdf
von Annik Rubens | 24. Dezember 2024 | SG Podcast-Episode
Manchmal frage ich mich, was eigentlich typisch deutsch ist. Früher waren das Tugenden wie Pünktlichkeit und Ordnung. Aber passt das heute noch? Wahrscheinlich hast Du Deine ganz eigene Vorstellung davon, was typisch deutsch ist. Ich habe mir jedenfalls mal ein paar Reels auf Instagram angesehen und einige Dinge herausgefunden, die auf der Welt als typisch deutsch angesehen werden. Wenn Du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm übrigens gerne zu Patreon! Jetzt zum Thema.
Punkt Nummer eins ist das sogenannte Stoßlüften. Sagt dir das was? In Deutschland lüftet man gerne seine Wohnung. Das bedeutet, dass man für ungefähr zehn Minuten möglichst viele Fenster und Türen öffnet, damit die Luft in unseren Wohnräumen ausgetauscht wird. Zum einen kommt dann meistens feuchtere Luft von draußen in die Wohnung, zum anderen kommen natürlich auch schlechte Gerüche aus der Wohnung heraus.
Nummer zwei hängt ein wenig mit dem Stoßlüften zusammen, und zwar sind das Kippfenster. In Deutschland lässt sich eigentlich fast jedes Fenster kippen. Das bedeutet, dass Du es nur oben öffnest, es sieht also kurz so aus, als würde das Fenster auf Dich drauffallen. Tut es aber nicht. Es bleibt nach ungefähr zehn Zentimetern stehen. So hast Du oben am Fenster einen breiten Spalt und es kann ebenfalls frische Luft hereinkommen.
Dann haben sich manche Menschen auf Instagram über Rolltreppen gewundert, die in beide Richtungen fahren können. Gibt es das nicht auf der ganzen Welt? Ich dachte, das sei normal. Jedenfalls haben unsere Rolltreppen manchmal die Fähigkeit, ihre Richtung zu ändern. Dazu siehst du am Beginn der Rolltreppe ein kleines Verkehrszeichen, das leuchtet, es ist ein Dreieck mit Pfeilen in beide Richtungen. Wenn die Rolltreppe gerade nach unten fährt, Du willst aber nach oben, dann musst Du nur warten, bis sie anhält. Dann kannst Du sie betreten, und sie wird die Richtung ändern. Praktisch, oder?
Und das letzte, was mir in Instagram als typisch deutsch präsentiert wurde, ist die Rettungsgasse. Da geht es jetzt um den Autoverkehr. Angenommen, Du bist auf einer Autobahn unterwegs. Die Autobahn hat drei Spuren. Dann entsteht ein Stau, weil zum Beispiel ein Unfall passiert ist. Dann ist die Autobahn voller Autos und der Krankenwagen oder die Polizei kommt nicht bis zur Unfallstelle, oder? Falsch. Denn die Autos auf der linken Spur fahren dann ganz weit nach links, und die Autos auf der Mittelspur fahren auf ihrer Spur möglichst weit rechts. So entsteht genug Platz, damit Rettungsfahrzeuge eine eigene Spur bekommen. Das nennt man Rettungsgasse. Übrigens hat das früher gar nicht gut funktioniert, aber in den vergangenen Jahren gab es viele Aktionen in Radiosendern und anderen Medien, die darauf hingewiesen haben. Mittlerweile klappt es super!
So, fallen Dir noch andere typisch deutsche Dinge ein? Ich bin gespannt, wie Du von außen auf mein Land schaust. Und jetzt erstmal frohe Weihnachten!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg287kurz.pdf
von Annik Rubens | 10. Dezember 2024 | Persönlichkeiten, SG Podcast-Episode
Willkommen bei einer neuen Episode von „Slow German“. Heute geht es um eine berühmte Figur der deutschen Geschichte: Klaus Störtebeker. Wahrscheinlich habt ihr schon mal von ihm gehört – er war ein berühmter Pirat, der vor über 600 Jahren lebte. Doch wer war dieser Mann? War er wirklich so gefährlich, wie man erzählt? Oder war er ein Held, der den Armen half? Heute klären wir, was es mit Klaus Störtebeker auf sich hat. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, komm gerne zu Patreon! Da gibt es auch zu jeder Episode Lernmaterial und eine schnellere Version. Jetzt zum Thema.
Wer war Klaus Störtebeker?
Klaus Störtebeker wurde ungefähr um das Jahr 1360 geboren. Sein Geburtsort ist nicht ganz sicher, manche sagen, er stamme aus Wismar, andere behaupten, er käme aus der Hansestadt Hamburg. Sein echter Name war vielleicht Nikolaus oder Clas Störtebeker, aber seine genauen Lebensdaten sind unklar. Damals gab es keine modernen Pässe oder Geburtsurkunden, also ist es schwer, genau zu wissen, wer er wirklich war.
Den Namen „Störtebeker“ bekam er aber wahrscheinlich wegen seines Trinkverhaltens. „Störtebeker“ bedeutet nämlich „Stürz den Becher“, also „trink den Becher auf einen Zug“. Es heißt, dass er mit einem großen Krug Bier anstieß und den Becher dann in einem Zug leerte. Das war im Norden Deutschlands durchaus eine Kunst, die nicht jeder beherrschte. Ob das stimmt oder nur eine Legende ist, wissen wir heute leider nicht. Aber der Name passt gut zu einem Piraten!
Störtebeker und die Vitalienbrüder
Klaus Störtebeker lebte in einer Zeit, in der es viele Konflikte zwischen den Ländern und Städten an der Nord- und Ostsee gab. Besonders die Handelsstädte der sogenannten Hanse waren reich und hatten viele Feinde. Die Hanse war ein Bund von Städten, der den Handel kontrollierte. Sie schützte ihre Schiffe und Waren, war aber auch mächtig und streng gegenüber denen, die sich ihr widersetzten.
In dieser Zeit schloss sich Klaus Störtebeker einer Gruppe von Piraten an, die sich die „Vitalienbrüder“ nannten. Die Vitalienbrüder hatten anfangs sogar einen guten Ruf, denn sie kämpften im Namen des Königs von Schweden gegen den dänischen König. Sie versorgten das belagerte Stockholm mit Lebensmitteln – daher auch ihr Name, denn „Vita“ bedeutet Leben. Doch bald wurden die Vitalienbrüder selbst zu Piraten und griffen Schiffe an, um sie auszurauben.
Störtebeker wurde schnell ein Anführer dieser Gruppe. Er und seine Männer griffen Handelsschiffe an und raubten sie aus. Sie versteckten sich auf Inseln und in abgelegenen Buchten, wo sie schwer zu finden waren. Besonders bekannt waren sie in der Nordsee und im Gebiet rund um Helgoland.
War Störtebeker ein Held oder ein Verbrecher?
Über Klaus Störtebeker gibt es viele Geschichten, und die meisten von ihnen sind Legenden. Manche Menschen sehen ihn als eine Art Robin Hood. Es heißt, er habe das gestohlene Geld nicht nur für sich behalten, sondern auch den Armen gegeben. Ob das stimmt, weiß allerdings niemand genau. Viele Historiker sagen, dass er wahrscheinlich nur ein normaler Pirat war, der auf seinen eigenen Vorteil bedacht war.
Ein bekanntes Beispiel für die Geschichten um ihn ist seine angebliche Großzügigkeit. Es heißt, dass Störtebeker, bevor er gefangen wurde, versprochen hat, dass er den Leuten helfen würde, die wenig hatten. Das klingt nach Robin Hood, oder? Doch als Pirat lebte er hauptsächlich von Raubzügen. Historiker sind sich nicht einig, ob er wirklich ein „guter“ Pirat war oder ob dies nur Geschichten sind, die ihn sympathisch machen sollen.
Das Ende von Klaus Störtebeker
Klaus Störtebekers Ende war dramatisch. Die Hanse und andere Mächte wollten die Piraten loswerden, und nach vielen Jahren der Jagd wurde er schließlich gefangen genommen. Im Jahr 1401 verhaftete man ihn in Hamburg. Sein Schicksal war besiegelt: Er und seine Männer wurden zum Tod verurteilt. Die Legende besagt, dass Störtebeker vor seiner Hinrichtung einen ungewöhnlichen Wunsch äußerte.
Er bat, dass man seinen Männern die Freiheit schenkt, wenn er nach seiner Enthauptung noch an seinen Männern vorbeigehen könne. Also ohne Kopf! Der Legende nach habe der Henker zugestimmt und Störtebeker wurde geköpft. Doch nach der Enthauptung soll sein kopfloser Körper tatsächlich noch an mehreren Männern vorbeigegangen sein. Am Ende habe der Henker ihn jedoch gestoppt, und alle Piraten wurden ebenfalls hingerichtet. Natürlich klingt das sehr unwahrscheinlich – aber es ist eine Geschichte, die viele Menschen kennen.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg286kurz.pdf