Tempolimit in Deutschland – SG 326

Tempolimit in Deutschland – SG 326

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Und jetzt zur Episode:

Ich weiß noch, dass meine Cousine aus den USA mal zu Besuch bei mir war und unbedingt die berühmte deutsche Autobahn sehen wollte. Sie war enttäuscht. Sie kommt aus Los Angeles, und dort gibt es ja 10-spurige Straßen, alles ist riesig. Die Autobahn, die ich ihr gezeigt habe, hatte nur zwei Spuren und war eher langweilig. Was aber wirklich so ist: Auf vielen Strecken gibt es kein allgemeines Tempolimit. Das bedeutet, dass Autofahrer dort so schnell fahren können, wie sie wollen. Und manche wollen sehr, sehr schnell fahren. Da kann es also passieren, dass ein Auto mich mit 230 km/h überholt.

Und da kommen wir auch schon zum Problem: Manche Autos und vor allem auch die LKW fahren natürlich sehr langsam. Vernünftig sind 90 km/h um Benzin zu sparen. Wenn aber ein Auto 90 fährt und das andere 230 – dann kann es gefährlich werden. Und noch etwas: Zwar gelten an vielen Stellen Geschwindigkeitsbegrenzungen, aber auf anderen Abschnitten gibt es keine. Deshalb wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob Deutschland ein allgemeines Tempolimit einführen sollte.

Wie immer der Blick in die Geschichte: Die erste Autobahn wurde in Deutschland nicht während der Zeit des Nationalsozialismus gebaut, wie viele Menschen glauben. Bereits 1932 wurde die Strecke zwischen Köln und Bonn eröffnet. Heute heißt sie Autobahn A555. Allerdings wurden die Autobahnen später von der nationalsozialistischen Regierung stark ausgebaut und für ihre Propaganda genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand das heutige Autobahnnetz Schritt für Schritt weiter. Inzwischen umfasst es mehr als 13.000 Kilometer und gehört zu den längsten Autobahnnetzen Europas.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gab es nur wenige Autos. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre konnten sich jedoch immer mehr Menschen ein eigenes Fahrzeug leisten. Das Auto wurde zu einem Symbol für Freiheit und Wohlstand. Viele Familien fuhren mit dem Auto in den Urlaub oder besuchten Verwandte in anderen Teilen Deutschlands.

Schon damals stellte sich die Frage nach der Verkehrssicherheit. Mit mehr Autos stieg auch die Zahl der Unfälle. Deshalb wurden nach und nach verschiedene Verkehrsregeln eingeführt. Die Gurtpflicht kam in den 1970er-Jahren, später wurden Airbags, bessere Bremsen und andere Sicherheitssysteme entwickelt. Auch die Straßen selbst wurden sicherer.

Während der Ölkrise im Jahr 1973 führte die Bundesregierung vorübergehend ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen ein. Damals wollte man Kraftstoff sparen. Außerdem gab es an mehreren Sonntagen sogar Fahrverbote für private Autos. Diese Maßnahmen galten allerdings nur für kurze Zeit.

Im Jahr 1978 wurde in Deutschland die sogenannte Richtgeschwindigkeit eingeführt. Sie beträgt 130 Kilometer pro Stunde. Eine Richtgeschwindigkeit ist jedoch keine verpflichtende Höchstgeschwindigkeit. Wer schneller fährt, wird nicht bestraft. Es ist also nur ein Vorschlag. Kommt es allerdings zu einem Unfall, kann eine deutlich höhere Geschwindigkeit schon eine Rolle spielen.

Aber kann man nun überall in Deutschland auf der Autobahn rasen, wie man möchte? Nein. Heute gibt es auf vielen Autobahnabschnitten feste Tempolimits. Gründe dafür können Baustellen, dichter Verkehr, Lärmschutz oder gefährliche Strecken sein. Nur auf einem Teil der Autobahnen kann tatsächlich ohne allgemeines Tempolimit gefahren werden.

Die Diskussion über ein allgemeines Tempolimit wird in Deutschland sehr unterschiedlich geführt. Ein wichtiges Argument der Befürworter ist die Verkehrssicherheit. Sie verweisen darauf, dass bei sehr hohen Geschwindigkeiten der Bremsweg länger wird und schwere Unfälle häufiger tödlich enden können. Außerdem könne ein einheitliches Tempolimit dazu beitragen, dass sich die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Fahrzeugen verringern. Ich persönlich würde noch hinzufügen, dass es so weniger stressig wäre, auf deutschen Autobahnen zu fahren. Ich genieße es, wenn ich in den USA oder den Niederlanden Auto fahre, weil es dort viel entspannter ist.

Ein weiteres Argument betrifft den Klimaschutz. Autos verbrauchen bei höheren Geschwindigkeiten deutlich mehr Kraftstoff. Dadurch entstehen auch mehr Kohlendioxid-Emissionen. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass ein Tempolimit die Emissionen des Straßenverkehrs verringern könnte. Wie groß dieser Effekt wäre, wird allerdings unterschiedlich eingeschätzt.

Auch der Lärm spielt eine Rolle. Schnell fahrende Autos verursachen mehr Fahrgeräusche. Für Menschen, die in der Nähe einer Autobahn wohnen, könnte ein Tempolimit deshalb die Lärmbelastung reduzieren.

Die Gegner eines Tempolimits haben ebenfalls verschiedene Argumente. Viele sehen die freie Geschwindigkeit auf Teilen der Autobahn als Besonderheit Deutschlands. Sie betonen, dass moderne Autos sehr sicher seien und viele Fahrer verantwortungsvoll unterwegs seien. Manche halten ein allgemeines Tempolimit deshalb für unnötig. Wir müssen dabei einfach festhalten, dass Deutschland ein Autoland ist, viele Deutsche lieben ihre Autos sehr und es ist ein wichtiges Statussymbol, vor allem bei der Generation X.

Andere argumentieren, dass viele Autobahnen bereits heute begrenzt sind und der Verkehr auf den freien Abschnitten oft so dicht ist, dass hohe Geschwindigkeiten ohnehin selten möglich sind. Sie glauben deshalb, dass ein allgemeines Tempolimit nur einen geringen Unterschied machen würde.

Auch wirtschaftliche Argumente werden genannt. Deutschland ist ein wichtiges Land für die Automobilindustrie. Manche befürchten, dass ein Tempolimit das Image besonders leistungsstarker Fahrzeuge verändern könnte. Andere Experten halten diesen Einfluss dagegen für eher gering, weil die meisten Autos auch in Länder verkauft werden, in denen Tempolimits selbstverständlich sind.

Interessant ist ein Blick auf andere Staaten. Fast alle europäischen Länder haben ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. In Frankreich beträgt es bei normalem Wetter meist 130 Kilometer pro Stunde, in Österreich in der Regel ebenfalls 130 Kilometer pro Stunde. In den Niederlanden gilt tagsüber auf Autobahnen meist eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde, nachts auf vielen Strecken 130 Kilometer pro Stunde. Deutschland ist deshalb international eine Ausnahme.

Regelmäßig beschäftigen sich auch Politiker mit diesem Thema. Im Deutschen Bundestag wurde bereits mehrfach über ein allgemeines Tempolimit diskutiert. Bisher konnte sich jedoch keine Mehrheit für eine entsprechende Gesetzesänderung finden. Deshalb gilt weiterhin die heutige Regelung mit der Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde und den zahlreichen streckenbezogenen Tempolimits.

Ich fahre freiwillig mit einem Tempolimit. Erstens kann mein kleines Auto gar nicht so schnell fahren. Zweitens möchte ich nicht so viel Geld für Benzin ausgeben. Drittens möchte ich entspannt ankommen und möglichst keinen Unfall bauen. Und viertens habe ich auf vielen Abschnitten gemerkt, dass man sich durch schnelleres Fahren wirklich selten einen Vorsprung verschafft. Oft trifft man sich dann an einer roten Ampel bei einer Ausfahrt wieder.

Text der Episode als PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg326kurz.pdf

SG #129: Der Führerschein

SG #129: Der Führerschein

In meinem Geldbeutel ist ein gefaltetes Stück rosafarbenes Papier. Mein Foto ist darauf zu sehen – da war ich gerade mal 18 Jahre alt. Was das für ein Papier ist? Es ist mein Führerschein!
Der Führerschein ist ein offizielles Dokument. Ich habe den Führerschein bekommen, nachdem ich meine Fahrprüfung gemacht hatte. Seitdem darf ich Auto fahren. Ich erkläre Euch kurz, wie man in Deutschland zum Autofahrer wird.

Als ich 1994 meinen Führerschein machte, musste ich 18 Jahre alt sein. Heute ist das anders: Man kann schon ein Jahr früher Auto fahren. Ähnlich wie in den USA geht das aber nur in Verbindung mit dem begleiteten Fahren – man darf nicht alleine Auto fahren lernen, sondern muss einen Erwachsenen mit dabei haben.

Wer lernen möchte, ein Auto zu fahren, geht in eine Fahrschule. Der Unterricht ist in zwei Teile unterteilt: Theorie und Praxis. Im Theorieunterricht sitzt man wie in der normalen Schule in einem Raum mit dem Fahrlehrer und lernt die Verkehrsregeln. Eine Schulstunde dauert in Deutschland 45 Minuten – in der normalen Schule genau wie in der Fahrschule. 26 Theorie-Stunden lang muss man also die Schulbank drücken, bis man die theoretische Prüfung ablegen kann. 80% der Fragen muss man richtig beantworten – sonst ist man durchgefallen.

Der praktische Unterricht erfolgt im Straßenverkehr: Gemeinsam mit dem Fahrlehrer oder der Fahrlehrerin sitzt man in einem speziellen Auto. Dieses Auto hat auch auf der Beifahrerseite Spiegel und ein Bremspedal. So kann der Lehrer im Notfall eingreifen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, wie viele Stunden man mindestens unterwegs sein muss – zum Beispiel 5 Fahrstunden auf einer Landstraße, 4 auf der Autobahn und 3 in der Nacht. Der Fahrlehrer entscheidet dann, wann man gut genug ist, um an der Fahrprüfung teilzunehmen. Das ist aufregend, kann ich Euch sagen! Man bekommt einen Termin zur Prüfung, und da kommt dann ein fremder Mensch, ein so genannter Prüfer, und setzt sich mit dem Fahrlehrer und dem Schüler ins Auto. Er lässt den Schüler dann fahren, stellt ihm Fragen – und beobachtet alles ganz genau. Ich musste damals auch rückwärts einparken – gar nicht so leicht, wenn man nervös ist! 45 Minuten dauert diese Prüfung – dann weiß man, ob die Prüfung bestanden ist oder nicht. Wenn ja, bekommt man den Führerschein – wenn nicht, muss man nochmal in die Fahrschule zurück.

Heute übrigens ist der Führerschein nicht mehr rosa. Die europäischen Länder haben sich auf einen einheitlichen Führerschein geeinigt, und dieser ist klein wie eine Kreditkarte und aus Plastik. Ich werde also bald meinen Führerschein umtauschen gegen diesen schöneren Karten-Führerschein – und dann bin ich auch das alte Foto endlich los…

Autofahrer unter 21 Jahren müssen übrigens nüchtern Auto fahren – sie dürfen nur 0 Promille haben. Bei älteren Fahrern liegt diese Grenze bei 0,5 Promille. Wer gegen diese oder andere Verkehrsregeln verstößt und damit sich und andere in Gefahr bringt, bekommt Punkte in Flensburg – wer zu viele Punkte hat, der verliert seinen Führerschein. Um ihn wiederzubekommen, muss man erneut in die Fahrschule.
Übrigens war der Führerschein in Deutschland ansonsten ewig gültig – man machte ihn mit 18 und konnte fahren, bis man starb. Heute ist das anders: Seit 2013 ist der Führerschein nur noch 15 Jahre gültig. Danach muss man ihn neu beantragen – und ein neues Foto machen lassen. Eine Fahrprüfung gibt es allerdings nicht.

Wie ist das in Eurem Land? Schreibt gerne in die Kommentarfunktion!

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg129kurz.pdf