Südtirol – SG 318

Südtirol – SG 318

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Zur Folge:

Ich suche gerade nach einem guten Ort für unseren nächsten Urlaub. Und da dachte ich an Südtirol. Also eine gute Gelegenheit, um mal über diese Region eine Podcastepisode zu machen, oder?

Südtirol liegt im Norden von Italien. Es ist eine Region in den Alpen und grenzt an Österreich und die Schweiz. Die Landschaft dort ist sehr schön. Ich war schon mehrere Male dort. Es gibt hohe Berge, grüne Täler, Flüsse und Seen. Die bekanntesten Berge sind die Dolomiten. Sie gehören zum UNESCO-Welterbe. Viele Menschen kommen nach Südtirol, um Urlaub zu machen. Sie wandern, fahren Ski oder klettern in den Bergen. Es gibt hier auch richtig schöne Hotels, die Wellness anbieten und gutes Essen. Südtirol ist also ein wichtiges Ziel für Touristen, aber es ist auch ein Ort mit einer langen und interessanten Geschichte.

Die Geschichte von Südtirol ist sehr besonders. Früher gehörte die Region nicht zu Italien, sondern zu Österreich. Das kann man sich ja am Namen schon denken, denn Tirol ist eine Region in Österreich. Südtirol war Teil des sogenannten Habsburgerreiches. Die Habsburger waren eine mächtige adelige Herrscherfamilie, die über viele Jahrhunderte unter anderem Österreich und das Heilige Römische Reich regierte. Die Menschen in Südtirol jedenfalls sprachen Deutsch. Erst nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich das. 1919 wurde Südtirol durch den Vertrag von Saint-Germain Italien zugesprochen. Das war für viele Menschen in Südtirol eine große Veränderung. Sie mussten jetzt zu einem neuen Staat gehören, zu Italien. Die meisten Menschen sprachen weiter Deutsch, aber die Regierung in Rom wollte, dass Italienisch die Hauptsprache wird.

In den 1920er- und 1930er-Jahren führte die italienische Regierung unter Benito Mussolini eine Politik der „Italianisierung“ ein. Das bedeutet, dass alles Italienisch werden sollte: die Schulen, die Ämter und sogar die Straßenschilder. Deutsch war nicht mehr offiziell erlaubt. Viele Menschen fühlten sich dadurch fremd im eigenen Land. Es gab eine schwere Zeit für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol. Viele Familien mussten italienische Namen annehmen, und die Kinder mussten Italienisch lernen.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es eine besondere Vereinbarung zwischen Italien und Deutschland. Die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol konnte entscheiden, ob sie nach Deutschland ziehen wollte oder in der Heimat bleiben wollte. Viele blieben, weil ihre Familien seit Generationen in Südtirol lebten. Nach dem Krieg, 1946, begann Italien mit der neuen Verfassung. Südtirol bekam einen besonderen Status als autonome Provinz. Das heißt, die Region konnte vieles wieder selbst entscheiden, zum Beispiel die Schule, die Sprache und die Kultur.

Heute hat Südtirol drei offizielle Sprachen: Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Ladinisch ist eine sehr alte Sprache, die nur noch von wenigen Menschen gesprochen wird. Sie existiert vor allem in den Dolomitentälern. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Deutsch. Viele Menschen sprechen auch Italienisch. In den Schulen lernen Kinder beide Sprachen. In der Verwaltung gibt es ebenfalls beide Sprachen. Das sorgt dafür, dass die Kultur der Region geschützt wird.

Die Hauptstadt von Südtirol ist Bozen. Auf Italienisch heißt sie Bolzano. Bozen ist ein wichtiger Ort für Wirtschaft und Kultur. Dort gibt es Museen, Theater und eine Universität. Eine berühmte Attraktion in Bozen ist der Ötzi, die Gletschermumie. Ötzi lebte vor über 5.000 Jahren in den Alpen. Er wurde 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden, nahe der Grenze zwischen Italien und Österreich. Heute kann man ihn im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen sehen.

Die Wirtschaft in Südtirol ist vielfältig. Die Region ist bekannt für Obst, besonders Äpfel. Südtirol produziert die meisten Äpfel Italiens. Außerdem gibt es Weinbau. Die Weine aus Südtirol sind in Italien und im Ausland beliebt. Der Tourismus spielt ebenfalls eine große Rolle. Viele Hotels, Pensionen und Skigebiete arbeiten für Gäste aus aller Welt. Trotz des Tourismus versuchen die Menschen, die Natur zu schützen. In Südtirol gibt es mehrere Naturschutzgebiete und Nationalparks, zum Beispiel den Nationalpark Stilfserjoch. Was ich an den Hotels dort mag ist, dass sie ihre Heimatregion feiern. Ich war in einem Hotel, da waren fast alle Materialien aus der Region. Zum Beispiel ein bestimmtes Holz, das dort wächst. Auf dem Stuhl lagen Filzkissen, auch in der Region hergestellt. So etwas gefällt mir sehr.

Die Kultur von Südtirol ist gerade durch die Geschichte des Landes interessant, weil sie eben deutsch und italienisch geprägt ist. In vielen Städten und Dörfern gibt es traditionelle Feste. Oft werden alte Bräuche gepflegt, zum Beispiel das Almabtrieb-Fest im Herbst. Dann bringen die Bauern ihre Kühe von den Bergen ins Tal. Die Kühe werden geschmückt, und es gibt Musik und Essen. Auch die Architektur zeigt die Mischung der Kulturen. Es gibt alte Bauernhäuser aus Holz, aber auch italienische Villen und moderne Gebäude. Die Menschen hier haben ihre eigene Identität bewahrt, obwohl sich die politischen Grenzen mehrmals geändert haben.

Es gibt übrigens kleine Gruppen, die Südtirol wieder als Teil von Österreich sehen wollen – sie bekommen aber nur wenige Stimmen bei Wahlen, soweit ich das verfolgt habe. So, und jetzt muss ich meinen Urlaub planen. Bis zum nächsten Mal!

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SG #193: Gastarbeiter in Deutschland

SG #193: Gastarbeiter in Deutschland

Heute erzähle ich Dir etwas über Gastarbeiter. Das sind die Menschen gewesen, die ab 1955 freiwillig aus anderen Ländern nach Deutschland kamen, um hier zu arbeiten. Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. In Deutschland herrschte ein Arbeitskräftemangel. Viele Männer waren im Krieg gefallen oder verwundet nach Hause zurückgekehrt. Dazu kam die Zeit des Wirtschaftswunders, der jungen Bundesrepublik ging es immer besser, es wurde viel produziert.

Vor allem in der Industrie wurden Gastarbeiter gebraucht. Also hatte die deutsche Politik mit Italien ein Abkommen unterzeichnet. Sie einigten sich darauf, dass Italiener nach Deutschland kommen sollten, um hier zu arbeiten. Solche so genannten Anwerbeabkommen schloss Deutschland noch mit anderen Ländern ab. 1960 mit Spanien und Griechenland, 1961 mit der Türkei, 1963 mit Marokko und Südkorea, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und 1968 mit dem damaligen Jugoslawien. Vor allem nach dem Bau der Mauer, als aus dem Osten des Landes keine Arbeitskräfte mehr kamen, waren Gastarbeiter wichtig für Deutschland.

Die Gastarbeiter hatten zu Beginn der 60er-Jahre ein schweres Leben. Sie waren meist ungelernte Arbeiter. Sie mussten schwere und schmutzige Arbeit in der Industrie machen. Oft arbeiteten sie für wenig Geld im Schichtsystem, also zu verschiedenen Tageszeiten. Sie standen zum Beispiel am Fließband in einer Fabrik. Dafür bekamen sie weniger Geld als deutsche Arbeiter – für die Unternehmen war es also ein Gewinn, ausländische Arbeiter anzustellen. Untergebracht waren die Gastarbeiter oft in einfachen Holzbaracken.

1964 kam der millionste Gastarbeiter nach Deutschland. Als Geschenk bekam er damals ein Moped. Sein Name war Armando Rodrigues de Sá aus Portugal. Er wurde feierlich vom Bundesinnenminister begrüßt.

Wie der Begriff Gastarbeiter schon sagt, wollten die Menschen aus den Nachbarländern damals eigentlich nur für ein paar Jahre in Deutschland bleiben. Sie wollten hier arbeiten, gutes Geld verdienen und dann wieder nach Hause zurückkehren. Viele von ihnen hatten Heimweh. Sie hatten Sprachprobleme, fühlten sich fremd und waren oft fern von ihren Familien. Einen großen Teil ihres Einkommens schickten sie nach Hause oder sie sparten.

1973 gab es eine Wirtschaftskrise in Deutschland und daraus folgte ein Anwerbestopp. 14 Millionen Gastarbeiter kamen zwischen 1955 und 1974 nach Deutschland. Elf Millionen gingen wieder zurück in ihre Heimatländer.

Viele der Gastarbeiter in Deutschland entschlossen sich zu bleiben. Ihre Arbeitskraft wurde gebraucht, sie holten ihre Familien ins Land. Die ersten Kinder der Gastarbeiter wurden in Deutschland geboren, eine neue Generation wuchs heran. Diese Kinder hatten keine Sprachprobleme, sie fühlten sich hier schnell zu Hause. Und für die Eltern war das ein weiterer Grund zu bleiben. Viele wurden deutsche Staatsbürger.

Noch heute ist deutlich zu merken, woher die meisten Gastarbeiter kamen. Die größte Gruppe unter den Ausländern in Deutschland machen die Türken aus. 1,6 Millionen Türken leben heute in Deutschland. Manche von ihnen schon in der dritten Generation. Viele sind gut integriert, aber nicht alle. Jeder fünfte Türke spricht die deutsche Sprache nur mangelhaft, was dann wieder Probleme mit sich bringt wenn es um Schule oder Beruf geht.

Hier im Video siehst Du Mustafa Akci, einen Gastarbeiter, der aus der Türkei nach Deutschland kam und blieb:

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