Erneuerbare Energien – SG #264

Erneuerbare Energien – SG #264

Hinweis: Es gab schon eine alte Episode zu diesem Thema – hier ist jetzt alles aktuell.

Die Energiewende ist ein wichtiges Thema, das sich darum dreht, wie wir Energie produzieren und nutzen. In den letzten Jahren hat sich viel in diesem Bereich verändert.

Früher haben wir hauptsächlich Energie aus fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas gewonnen. Diese Art der Energieerzeugung hat jedoch viele negative Auswirkungen auf die Umwelt. Zum Beispiel entstehen bei der Verbrennung dieser Brennstoffe schädliche Gase, die den Klimawandel negativ beeinflussen.

Die Idee der Energiewende ist es, weg von diesen schädlichen Energiequellen zu gehen und stattdessen erneuerbare Energien zu nutzen. Erneuerbare Energien kommen aus Quellen, die nie erschöpft sind, wie Sonne, Wind und Wasser.

Die Geschichte der Energiewende begann vor vielen Jahren, als Wissenschaftler und Umweltschützer erkannten, dass wir nachhaltigere Wege finden müssen, um Energie zu erzeugen. Deutschland war eines der ersten Länder, das sich ernsthaft für die Energiewende engagierte. Im Jahr 2000 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eingeführt, das Anreize für die Nutzung erneuerbarer Energien schuf.

Ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Energiewende war der verstärkte Ausbau von Windkraftanlagen. Windkraft erzeugt Energie, indem der Wind die Flügel der Windkraftanlagen antreibt. Deutschland hat viele Windräder, besonders entlang der Küste, wo der Wind stark ist. Diese Windkraftanlagen tragen dazu bei, saubere Energie zu produzieren und sie helfen, die Umweltbelastung zu reduzieren. Leider sperren sich manche Bundesländer wie Bayern gegen Windkraft.

Ein weiterer Teil der Energiewende ist die Solarenergie. Solarzellen wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um. Im Laufe der Jahre sind die Kosten für Solarzellen gesunken, und viele Menschen und Unternehmen haben begonnen, Solaranlagen auf ihren Dächern zu installieren. Dies trägt nicht nur dazu bei, die Umwelt zu schützen, sondern ermöglicht es den Menschen auch, ihre eigene Energie zu erzeugen.

Ein kurioses Beispiel für die Energiewende ist die Idee, Energie aus Gemüseabfällen zu gewinnen. In einigen Städten sammelt man Gemüsereste, zum Beispiel aus Restaurants oder Märkten, und verwandelt sie in Biogas. Biogas kann dann als erneuerbare Energiequelle genutzt werden. Es ist erstaunlich zu sehen, wie aus etwas, das normalerweise weggeworfen wird, Energie gewonnen werden kann.

Die Energiewende ist jedoch nicht nur eine Technologiegeschichte. Sie betrifft uns alle im täglichen Leben. Zum Beispiel verwenden viele Menschen jetzt energieeffiziente Geräte zu Hause, wie LED-Lampen oder energiesparende Elektrogeräte. Diese kleinen Veränderungen helfen, den Energieverbrauch zu reduzieren und tragen zur Energiewende bei.

Es gibt jedoch auch Herausforderungen auf dem Weg zur Energiewende. Einige Menschen sind besorgt über die Kosten und befürchten, dass erneuerbare Energien teurer sein könnten. Es ist wichtig, dass die Regierungen und Unternehmen Wege finden, erneuerbare Energien erschwinglich und für alle zugänglich zu machen. Das wurde vor allem auch spürbar, als Russland die Ukraine angriff und Deutschland dadurch auf russisches Gas verzichten wollte. 

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Um das zu schaffen, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien stark beschleunigt werden. 2021 lag der Anteil der Erneuerbaren Energien bei rund 41 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Er stieg 2022 auf 46,2 Prozent und erhöhte sich im ersten Halbjahr 2023 weiter auf rund 52 Prozent. Wir sind also auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel.

Insgesamt ist die Geschichte der Energiewende eine Geschichte des Wandels und der Innovation. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam daran arbeiten, eine nachhaltigere Zukunft zu schaffen. Jeder kann einen Beitrag leisten, sei es durch den Einsatz von energiesparenden Technologien oder einfach durch bewussten Energieverbrauch im Alltag. Die Energiewende ist eine gemeinsame Anstrengung, die uns alle betrifft und von der die Gesundheit unserer Umwelt und unseres Planeten abhängt.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg264kurz.pdf

Der Humorist Loriot – SG #263

Der Humorist Loriot – SG #263

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Ich möchte Dir heute etwas erzählen über einen der bekanntesten Humoristen Deutschlands. Er wäre jetzt 100 Jahre alt, daher ist das doch eine gute Idee, an ihn zu erinnern, oder?

Loriot, eigentlich Bernhard-Viktor genannt „Vicco“ Christoph-Carl von Bülow, war ein deutscher Humorist, Cartoonist, Regisseur und Schauspieler. Er wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und verstarb am 22. August 2011 am Starnberger See. 

Die Geschichte von Loriot begann in einer Zeit, als Deutschland sich vom Zweiten Weltkrieg erholte. Er wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für Humor und Kunst. Nach dem Abitur studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 

Loriots Durchbruch erfolgte in den 1970er- und 1980er-Jahren durch seine Fernsehsketche und -filme. Die Sketche von Loriot zeichneten sich durch subtilen, oft absurden Humor aus, der Alltagssituationen auf eine komische und leicht überspitzte Weise darstellte.

Ein charakteristisches Merkmal von Loriots Werken war seine Fähigkeit, die Untiefen der menschlichen Kommunikation und die Komik des Alltags herauszuarbeiten. Seine Sketche nahmen häufig zwischenmenschliche Missverständnisse, soziale Eigenheiten und bürokratische Absurditäten aufs Korn. Aufs Korn nehmen bedeutet übrigens sich darüber lustig machen.

Seine Figuren, wie der tollpatschige Herr Müller-Lüdenscheidt oder das humorvolle Ehepaar Hoppenstedt, wurden zu Kultfiguren im deutschen Fernsehen. Auch heute noch hört man oft Redewendungen im Alltag, die von Loriot stammen. Zum Beispiel „Früher war mehr Lametta“ oder „Das Bild hängt schief“. 

Loriot war nicht nur ein begabter Komiker, sondern auch ein versierter Cartoonist. Seine Cartoons erschienen in Magazinen und Zeitungen, und er erlangte damit auch außerhalb des Fernsehens große Popularität. Seine Zeichnungen zeigten oft skurrile Situationen des täglichen Lebens und waren geprägt von einer unverwechselbaren, feinen Ironie. Er zeichnete zum Beispiel eine ganze Serie von Bildern, in denen Hunde und Menschen die Rollen tauschten.

Neben seiner Arbeit im Bereich Humor war Loriot auch als Regisseur erfolgreich. Er führte Regie bei Filmen wie „Ödipussi“ und „Pappa ante Portas“, die zu den erfolgreichsten deutschen Filmkomödien gehören. Sein Talent als Regisseur spiegelte sich in seinen detailreichen Inszenierungen und dem Gespür für komödiantisches Timing wider.

Loriot erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein künstlerisches Schaffen, darunter den Adolf-Grimme-Preis, das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Filmpreis. Sein Werk hat Generationen von Menschen in Deutschland geprägt und seinen Platz in der deutschen Popkultur gefestigt.

In Erinnerung bleibt Loriot nicht nur als Meister des deutschen Humors, sondern auch als Künstler, der mit subtiler Ironie und feinem Gespür für das Komische das tägliche Leben auf unterhaltsame Weise beleuchtete. Sein Erbe lebt in seinen zeitlosen Sketchen, Cartoons und Filmen fort, die auch heute noch Menschen jeden Alters zum Lachen bringen. Schaut Euch doch mal auf YouTube einige seiner Arbeiten an –  ich werde versuchen, auf slowgerman.com auch einige Videos einzubinden, wenn das rechtlich möglich ist. Wenn nicht, dann wenigstens ein paar Links, denn da Loriot gerade 100 Jahre alt geworden wäre, gab es viele Fernsehsendungen zu seinen Ehren. Ich bin gespannt, ob Du seinen Humor lustig findest. Schreib gerne in die Kommentare! Und ich freue mich natürlich sehr, wenn Du diesen Podcast abonnierst.

Hier findest Du viele Videos zu Loriot: https://www.ardmediathek.de/sendung/100-geburtstag-loriot/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlLzg5NzkxNjJhLTAzNWQtNGNjMy1iNmMwLTViZGNjNjUxZjBjNA

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg263kurz.pdf

Jugendschutz in Deutschland – SG #262

Jugendschutz in Deutschland – SG #262

Der Jugendschutz möchte Kinder und Jugendliche vor Gefahren und schädlichen Einflüssen schützen. Doch wie hat sich der Jugendschutz in Deutschland entwickelt, und welche Maßnahmen gibt es, um die junge Generation zu schützen?

Die Geschichte des Jugendschutzes in Deutschland reicht weit zurück. 1838 verbot Preußen als erster deutscher Staat zum Beispiel, dass Kinder unter 9 Jahren in Fabriken arbeiten durften. Jugendliche unter 16 Jahren durften dann nicht mehr als 10 Stunden pro Tag arbeiten. Klingt trotzdem hart – aber die Zeit der Industrialisierung war eine schwierige Zeit für alle Arbeiter.

Das Deutsche Kaiserreich versuchte ebenfalls, die Kinder zu schützen: Sie durften unter 13 Jahren nicht in Fabriken arbeiten. Nachtarbeit war verboten. 

Im Jahr 1903 wurde das „Gesetz betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter“ erlassen, das das Mindestalter für die Arbeit festlegte und bestimmte Arbeitsstunden begrenzte. Dies war ein wichtiger Schritt, um Kinder vor Ausbeutung zu schützen. Im Ersten Weltkrieg spielte dieses Gesetz allerdings keine Rolle.

Während der Zeit des Nationalsozialismus in den 1930er und 1940er Jahren wurde der Jugendschutz politisch missbraucht. Die Nationalsozialisten nutzten die Jugendorganisationen, um junge Menschen zu indoktrinieren und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Dies führte zu einer starken Beeinflussung und Unterdrückung der individuellen Entwicklung und Freiheit der Jugendlichen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Jugendschutz in Deutschland neu aufgebaut und weiterentwickelt. Die Bundesrepublik Deutschland verankerte in ihrem Grundgesetz das Recht auf eine ungestörte kindliche Entwicklung und den Schutz der Jugend vor negativen Einflüssen.

In den 1950er.Jahren begannen die ersten Bestrebungen, den Jugendschutz auch auf die Bereiche Film und Fernsehen auszuweiten. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) wurde gegründet, um Filme nach Altersfreigaben einzuordnen und Kindern den Zugang zu ungeeigneten Inhalten zu verwehren. Diese FSK-Empfehlung seht Ihr heute noch bei allen Kinofilmen und mittlerweile auch bei Computerspielen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Gesetze und Regelungen erlassen, um den Jugendschutz zu stärken. Die Jugendschutzgesetze regeln unter anderem den Verkauf von Alkohol und Tabak an Minderjährige, den Zugang zu Glücksspielen und die Teilnahme an Veranstaltungen wie Konzerten oder Diskotheken.

Das Internet und die digitalen Medien haben den Jugendschutz vor neue Herausforderungen gestellt. Der Schutz vor jugendgefährdenden Inhalten im Netz ist zu einer wichtigen Aufgabe geworden. Es gibt Jugendschutzprogramme und Filter, die dabei helfen sollen, den Zugang zu ungeeigneten Inhalten für Kinder und Jugendliche zu erschweren.

Eine kuriose Regelung im deutschen Jugendschutz betrifft den „Taschengeldparagraphen“. Dieser Paragraph besagt, dass Minderjährige über ihr eigenes Taschengeld frei verfügen können, auch wenn es für jugendgefährdende Inhalte ausgegeben wird. Diese Regelung mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, doch sie soll Jugendlichen eine gewisse finanzielle Eigenverantwortung ermöglichen.

Der Jugendschutz in Deutschland ist eine gemeinsame Aufgabe von Staat, Eltern, Schulen, Medien und der Gesellschaft insgesamt. Es geht darum, Kinder und Jugendliche vor Gefahren wie Gewalt, Suchtmitteln, radikalen Ideologien und sexuellem Missbrauch zu schützen. Gleichzeitig sollen junge Menschen auch in ihrer Entwicklung gefördert und unterstützt werden, um zu selbstbewussten und verantwortungsbewussten Erwachsenen heranzuwachsen.

Ich finde es interessant, dass sich unsere Gesellschaft was den Jugendschutz angeht sehr verändert hat. Wir sind heute zum Beispiel viel mehr Gewalt und Nacktheit gewohnt. Der erste „Indiana Jones“-Film hat noch eine alte FSK-Einstufung von 16 Jahren, obwohl er wirklich nach heutigen Maßstäben eher harmlos ist. So etwas wie Star Wars oder Herr der Ringe kann man mit 12 schon ansehen. 

Aber auch wenn wir Erwachsenen die Kinder und Jugendlichen nur schützen wollen: Jugendliche versuchen natürlich trotzdem oft, an die verbotenen Inhalte heranzukommen. Das war schon immer so. Was verboten ist, wird automatisch interessant.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg262kurz.pdf

Knigge und die Benimmregeln – SG #261

Knigge und die Benimmregeln – SG #261

Knigge ist ein Begriff, den viele von uns kennen, aber nicht jeder weiß, woher er kommt und was er bedeutet. Es geht um gutes Benehmen, aber wie hat sich das entwickelt? 

Benimmregeln und Höflichkeitsformen wurden bereits in antiken Kulturen praktiziert. Im alten Griechenland und Rom waren Benehmen und Etikette wichtige Bestandteile des sozialen Lebens. Es gab klare Regeln, wie man sich in Gesellschaft zu verhalten hatte und welche Rituale bei verschiedenen Anlässen einzuhalten waren.

Der Name „Knigge“ stammt jedoch von einem deutschen Schriftsteller und Adligen namens Adolph Freiherr von Knigge, der im 18. Jahrhundert lebte. Knigge schrieb das berühmte Werk „Über den Umgang mit Menschen“, das 1788 veröffentlicht wurde. In diesem Buch legte er die Grundlagen für modernes gutes Benehmen fest und betonte die Bedeutung von Respekt, Höflichkeit und Anstand im sozialen Miteinander.

Knigges Werk war zu seiner Zeit eine Sensation und wurde in ganz Europa gelesen und diskutiert. Sein Einfluss auf die Gesellschaft war enorm, und die Menschen begannen, die Knigge-Regeln in ihrem Alltag zu befolgen. Die Ideen von Knigge wurden jedoch auch parodiert und karikiert, was zeigt, dass sich nicht jeder mit den neuen Regeln anfreunden konnte.

Im 19. Jahrhundert wurde die Etikette immer wichtiger, vor allem für die reichen Menschen. Es gab zahlreiche Bücher und Anleitungen, die detaillierte Regeln für alle möglichen Situationen enthielten – vom Essen am Tisch über das Ankleiden bis hin zu Umgangsformen in der Gesellschaft. Manche dieser Regeln mögen uns heute seltsam erscheinen, wie zum Beispiel die Regel, dass Frauen beim Teetrinken ihren kleinen Finger abgespreizt halten sollten.

Mit der Industrialisierung und dem Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert wurden die Etikette und gute Manieren auch Mittel, um sich von der arbeitenden Klasse abzugrenzen. Wer sich an die Regeln des Knigge hielt, zeigte damit seinen höheren gesellschaftlichen Status.

Im 20. Jahrhundert lockerten sich viele Etikette-Regeln. Die beiden Weltkriege und der gesellschaftliche Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg führten zu einem Bruch mit einigen starren Konventionen. Die Jugendkulturen der 1960er und 1970er-Jahre rebellierten gegen traditionelle Normen und Konventionen und prägten eine neue, freiere Art des Miteinanders.

Gutes Benehmen geht heute eher darum, respektvoll und rücksichtsvoll mit anderen umzugehen, unabhängig von starren Regeln. Die Digitalisierung und die sozialen Medien haben neue Herausforderungen geschaffen, die es zu bewältigen gilt, wie z.B. das angemessene Verhalten in Online-Kommunikation und in sozialen Netzwerken.

Von den antiken Zivilisationen über das Werk von Adolph Freiherr von Knigge bis heute haben sich die Regeln und Normen des guten Benehmens ständig gewandelt. Doch der Kern von Knigges Ideen bleibt weiterhin relevant: Respekt, Höflichkeit und Rücksichtnahme bilden die Grundlage für ein harmonisches Miteinander in jeder Gesellschaft.

Vielleicht sollten wir manchmal auch über uns selbst lachen können, wenn wir unabsichtlich gegen die Etikette verstoßen oder in komischen Situationen landen. Denn am Ende des Tages geht es nicht darum, perfekt zu sein, sondern einander mit Verständnis und Herzlichkeit zu begegnen – das ist die wahre Essenz des guten Benehmens.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg261kurz.pdf

John Rabe – SG #260

John Rabe – SG #260

John Rabe war ein deutscher Geschäftsmann, der in China gelebt hat. Er wird manchmal als „Oskar Schindler Chinas“ bezeichnet – ich erzähle Dir, warum.

John Rabe wurde 1882 in Hamburg geboren und ist 1950 in Berlin gestorben.

Als junger Mann hat Rabe in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Er hat später für die deutsche Firma Siemens in China gearbeitet. Er lebte in der Stadt Nanjing, die früher als Nanking bekannt war. In dieser Stadt hat es im Jahr 1937 einen großen Krieg gegeben. Japan hat die Stadt angegriffen und viele Menschen getötet. Heute spricht man vom Massaker von Nanking.

Rabe hat selbst viel Leid in dieser Zeit erlebt. Er hat aber auch viele Menschen in Not gesehen und wollte ihnen helfen. Rabe war besorgt um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und Freunde.

Er hatte Angst, dass sie in Gefahr waren. Deshalb hat er seine deutschen Mitbürger aufgerufen, ihm zu helfen. Er sagte ihnen, sie sollen alle zusammenarbeiten, um den Menschen in der Stadt zu helfen.

Rabe arbeitete eng mit anderen ausländischen Einwohnern auf dem Gebiet zusammen und gründete das „Internationale Sicherheitszone Komitee“. Dieses Komitee sollte die Sicherheit von Zivilisten gewährleisten. Eine zwei mal zwei Kilometer große Schutzzone wurde eingerichtet, um die chinesische Zivilbevölkerung vor den japanischen Soldaten zu schützen.

Rabe hat auch sein eigenes Haus in Nanjing genutzt, um Menschen zu helfen. Er hatte einen Schutzraum in seinem Haus, in dem viele Menschen untergebracht werden konnten. Dort konnten die Menschen sicher sein, weil die Japaner das Haus von Rabe respektierten. Warum? Weil Rabe eine Hakenkreuzfahne in seinem Garten aufgespannt hat. Diese Fahne konnten die japanischen Piloten von oben sehen. 650 Menschen soll Rabe auf seinem Grundstück untergebracht haben.

Rabe konnte vielen Menschen helfen, aber natürlich nicht allen. 300.000 Menschen sollen in diesem Krieg ums Leben gekommen sein. 

1938 verließ John Rabe  China und kehrte nach Deutschland zurück. Er schrieb viele Berichte über das, was in Nanjing passierte. Diese Berichte sind heute noch wichtig, um die Geschichte Chinas besser zu verstehen.

Rabe ist heute als „Gutmann in Nanjing“ bekannt. Das kommt von einem Buch, das Rabe über seine Erfahrungen in Nanjing geschrieben hat. Es wurde später verfilmt.

Somit ist ein Deutscher ein Teil der chinesischen Geschichte und wird von vielen Menschen in China als Held verehrt. Seine Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, anderen zu helfen und Solidarität zu zeigen, wenn es nötig ist. 

Interessant finde ich, dass mich ein Slow German-Hörer auf diese Geschichte aufmerksam gemacht hatte – ich hatte von John Rabe vorher noch nie etwas gehört.

Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg260kurz.pdf