von Annik Rubens | 3. März 2026 | SG Podcast-Episode
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Zur Folge:
Ich suche gerade nach einem guten Ort für unseren nächsten Urlaub. Und da dachte ich an Südtirol. Also eine gute Gelegenheit, um mal über diese Region eine Podcastepisode zu machen, oder?
Südtirol liegt im Norden von Italien. Es ist eine Region in den Alpen und grenzt an Österreich und die Schweiz. Die Landschaft dort ist sehr schön. Ich war schon mehrere Male dort. Es gibt hohe Berge, grüne Täler, Flüsse und Seen. Die bekanntesten Berge sind die Dolomiten. Sie gehören zum UNESCO-Welterbe. Viele Menschen kommen nach Südtirol, um Urlaub zu machen. Sie wandern, fahren Ski oder klettern in den Bergen. Es gibt hier auch richtig schöne Hotels, die Wellness anbieten und gutes Essen. Südtirol ist also ein wichtiges Ziel für Touristen, aber es ist auch ein Ort mit einer langen und interessanten Geschichte.
Die Geschichte von Südtirol ist sehr besonders. Früher gehörte die Region nicht zu Italien, sondern zu Österreich. Das kann man sich ja am Namen schon denken, denn Tirol ist eine Region in Österreich. Südtirol war Teil des sogenannten Habsburgerreiches. Die Habsburger waren eine mächtige adelige Herrscherfamilie, die über viele Jahrhunderte unter anderem Österreich und das Heilige Römische Reich regierte. Die Menschen in Südtirol jedenfalls sprachen Deutsch. Erst nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich das. 1919 wurde Südtirol durch den Vertrag von Saint-Germain Italien zugesprochen. Das war für viele Menschen in Südtirol eine große Veränderung. Sie mussten jetzt zu einem neuen Staat gehören, zu Italien. Die meisten Menschen sprachen weiter Deutsch, aber die Regierung in Rom wollte, dass Italienisch die Hauptsprache wird.
In den 1920er- und 1930er-Jahren führte die italienische Regierung unter Benito Mussolini eine Politik der „Italianisierung“ ein. Das bedeutet, dass alles Italienisch werden sollte: die Schulen, die Ämter und sogar die Straßenschilder. Deutsch war nicht mehr offiziell erlaubt. Viele Menschen fühlten sich dadurch fremd im eigenen Land. Es gab eine schwere Zeit für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol. Viele Familien mussten italienische Namen annehmen, und die Kinder mussten Italienisch lernen.
Während des Zweiten Weltkriegs gab es eine besondere Vereinbarung zwischen Italien und Deutschland. Die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol konnte entscheiden, ob sie nach Deutschland ziehen wollte oder in der Heimat bleiben wollte. Viele blieben, weil ihre Familien seit Generationen in Südtirol lebten. Nach dem Krieg, 1946, begann Italien mit der neuen Verfassung. Südtirol bekam einen besonderen Status als autonome Provinz. Das heißt, die Region konnte vieles wieder selbst entscheiden, zum Beispiel die Schule, die Sprache und die Kultur.
Heute hat Südtirol drei offizielle Sprachen: Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Ladinisch ist eine sehr alte Sprache, die nur noch von wenigen Menschen gesprochen wird. Sie existiert vor allem in den Dolomitentälern. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Deutsch. Viele Menschen sprechen auch Italienisch. In den Schulen lernen Kinder beide Sprachen. In der Verwaltung gibt es ebenfalls beide Sprachen. Das sorgt dafür, dass die Kultur der Region geschützt wird.
Die Hauptstadt von Südtirol ist Bozen. Auf Italienisch heißt sie Bolzano. Bozen ist ein wichtiger Ort für Wirtschaft und Kultur. Dort gibt es Museen, Theater und eine Universität. Eine berühmte Attraktion in Bozen ist der Ötzi, die Gletschermumie. Ötzi lebte vor über 5.000 Jahren in den Alpen. Er wurde 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden, nahe der Grenze zwischen Italien und Österreich. Heute kann man ihn im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen sehen.
Die Wirtschaft in Südtirol ist vielfältig. Die Region ist bekannt für Obst, besonders Äpfel. Südtirol produziert die meisten Äpfel Italiens. Außerdem gibt es Weinbau. Die Weine aus Südtirol sind in Italien und im Ausland beliebt. Der Tourismus spielt ebenfalls eine große Rolle. Viele Hotels, Pensionen und Skigebiete arbeiten für Gäste aus aller Welt. Trotz des Tourismus versuchen die Menschen, die Natur zu schützen. In Südtirol gibt es mehrere Naturschutzgebiete und Nationalparks, zum Beispiel den Nationalpark Stilfserjoch. Was ich an den Hotels dort mag ist, dass sie ihre Heimatregion feiern. Ich war in einem Hotel, da waren fast alle Materialien aus der Region. Zum Beispiel ein bestimmtes Holz, das dort wächst. Auf dem Stuhl lagen Filzkissen, auch in der Region hergestellt. So etwas gefällt mir sehr.
Die Kultur von Südtirol ist gerade durch die Geschichte des Landes interessant, weil sie eben deutsch und italienisch geprägt ist. In vielen Städten und Dörfern gibt es traditionelle Feste. Oft werden alte Bräuche gepflegt, zum Beispiel das Almabtrieb-Fest im Herbst. Dann bringen die Bauern ihre Kühe von den Bergen ins Tal. Die Kühe werden geschmückt, und es gibt Musik und Essen. Auch die Architektur zeigt die Mischung der Kulturen. Es gibt alte Bauernhäuser aus Holz, aber auch italienische Villen und moderne Gebäude. Die Menschen hier haben ihre eigene Identität bewahrt, obwohl sich die politischen Grenzen mehrmals geändert haben.
Es gibt übrigens kleine Gruppen, die Südtirol wieder als Teil von Österreich sehen wollen – sie bekommen aber nur wenige Stimmen bei Wahlen, soweit ich das verfolgt habe. So, und jetzt muss ich meinen Urlaub planen. Bis zum nächsten Mal!
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von Annik Rubens | 3. Februar 2026 | SG Podcast-Episode
Letztens habe ich die Netflix-Serie Wednesday gesehen. Und in einer Episode ging es um Hexen und um Hexerei. Ich habe mich dann an mein Studium der Amerikanischen Kulturgeschichte erinnert. An die Hexenprozesse von Salem, die Salem Witch Trials. Es ist ein Kapitel der Geschichte, das man heute kaum glauben mag, oder? Also habe ich mal nachgeschaut, wie das eigentlich in Deutschland mit den Hexen war.
Wenn wir heute an Hexen denken, sehen wir oft Märchenfiguren mit spitzen Hüten und Besen. Kinder verkleiden sich an Halloween oder Fasching gerne als Hexen. Und bei Zauberern denken wir an Harry Potter. Also alles positiv, oder? Doch in der Vergangenheit war das Thema sehr ernst und oft sehr grausam. Besonders zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert hatten viele Menschen in Deutschland große Angst vor Hexen.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit glaubten viele Menschen an Magie, Dämonen und den Teufel. Krankheiten, schlechte Ernten oder Naturkatastrophen konnte man sich oft nicht erklären. Deshalb suchte man nach Schuldigen. Hexen galten als Menschen, die mit dem Teufel zusammenarbeiteten und anderen Schaden zufügten. Dieser Glaube war in vielen Teilen Europas verbreitet, aber im Gebiet des heutigen Deutschlands gab es besonders viele Hexenverfolgungen.
Die Vorstellung davon, wer eine Hexe war, entstand nicht aus echten Beweisen, sondern aus Angst, Glauben und Vorurteilen. Es gab keine klare oder sichere Methode, um eine Hexe zu erkennen. Trotzdem glaubten viele Menschen, dass man bestimmte Zeichen sehen könne.
Oft begann alles mit einem Unglück. Wenn eine Kuh starb, ein Kind krank wurde oder die Ernte schlecht war, suchte man einen Schuldigen. Häufig fiel der Verdacht auf Menschen, die anders waren oder am Rand der Gesellschaft lebten. Das konnten arme Menschen sein, Bettlerinnen, alte Frauen oder Personen, die Streit mit Nachbarn hatten. Auch wer als unfreundlich oder schwierig galt, konnte schnell verdächtigt werden.
Ein weiteres wichtiges Element waren Gerüchte. Wenn jemand sagte: „Diese Frau hat mich verflucht“, konnte das ausreichen, um eine Untersuchung zu starten. Gerüchte verbreiteten sich schnell, besonders in kleinen Dörfern. Angst und Misstrauen verstärkten sich gegenseitig. Manchmal beschuldigten Menschen andere auch aus Rache oder Neid.
Richter und Geistliche glaubten an bestimmte Zeichen von Hexerei. Man suchte zum Beispiel nach dem sogenannten Hexenmal. Das sollte eine Stelle auf der Haut sein, die angeblich vom Teufel stammte. Muttermale, Narben oder Warzen galten als verdächtig. Man stach mit Nadeln hinein. Wenn die Person keinen Schmerz zeigte oder nicht blutete, galt das als Beweis, dass sie eine Hexe ist, obwohl das medizinisch natürlich gar keinen Sinn hatte.
Auch das Verhalten spielte eine Rolle. Wer sich nicht richtig verteidigen konnte, sehr ängstlich war oder sich aus Nervosität widersprach, wurde schnell verdächtigt. Unter Folter gestanden viele Menschen, eine Hexe zu sein. Sie nannten dann oft weitere Namen, weil man ihnen versprach, die Schmerzen zu beenden. So entstanden lange Ketten von neuen Anschuldigungen.
Träume, Visionen oder Aussagen von Kindern wurden ebenfalls ernst genommen. Kinder sagten manchmal, sie hätten gesehen, wie jemand nachts flog oder sich in ein Tier verwandelte. Solche Aussagen galten damals als glaubwürdig. Heute wissen wir, dass Kinder leicht beeinflusst werden können und eine lebendige Fantasie haben.
Zusammengefasst kann man sagen: Man kam nicht durch Wissen oder Beweise darauf, wer eine Hexe war. Es waren Zufall, Angst, soziale Konflikte und falsche Vorstellungen. Fast jeder konnte beschuldigt werden, wenn die Umstände schlecht waren. Und so kam es dann zu den sogenannten Hexenprozessen.
Die meisten Hexenprozesse fanden zwischen etwa 1550 und 1650 statt. Historiker schätzen, dass in Europa rund 40.000 bis 60.000 Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden. Ein großer Teil davon lebte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, also in Gebieten des heutigen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Deutschland war damals kein einheitlicher Staat, sondern bestand aus vielen kleinen Fürstentümern, Städten und kirchlichen Gebieten. Jedes Gebiet hatte eigene Gesetze und Gerichte. Das machte Hexenprozesse leichter, weil es keine zentrale Kontrolle gab.
Die Angeklagten waren meistens Frauen. Etwa drei Viertel der Opfer waren weiblich. Oft waren es ältere Frauen, arme Frauen oder Frauen, die allein lebten. Aber auch Männer und sogar Kinder wurden beschuldigt. Die Vorwürfe reichten von Schadenzauber über das Vergiften von Brunnen bis hin zu Treffen mit dem Teufel. Viele Geständnisse kamen durch Folter zustande. Die Menschen sagten dann alles, was die Richter hören wollten, nur um die Schmerzen zu beenden.
Eine wichtige Rolle spielte das Buch „Der Hexenhammer“, auf Latein „Malleus Maleficarum“. Es erschien 1487 und wurde von zwei Dominikanermönchen geschrieben. Das Buch erklärte, wie man Hexen erkennt, verhört und bestraft. Es war kein Gesetz, hatte aber großen Einfluss auf Richter und Geistliche. Besonders betont wurde darin, dass Frauen angeblich leichter vom Teufel verführt werden. Diese Idee verstärkte die Verfolgung von Frauen.
Bekannte Orte der Hexenverfolgung in Deutschland sind zum Beispiel Bamberg und Würzburg. In Bamberg wurden zwischen 1626 und 1631 etwa 1.000 Menschen hingerichtet. Dort ließ der Fürstbischof sogar ein eigenes Gefängnis für angebliche Hexen bauen. Auch in Würzburg starben mehrere Hundert Menschen. Unter den Opfern waren angesehene Bürger, Geistliche und Kinder. Das zeigt, dass niemand wirklich sicher war, wenn die Verfolgung einmal begonnen hatte.
Mit der Zeit wuchs jedoch auch Kritik an den Hexenprozessen. Einige Gelehrte und Juristen zweifelten an den Beweisen und an der Anwendung von Folter. Einer der bekanntesten Kritiker war der Jesuit Friedrich Spee. Er hatte als Beichtvater mit Angeklagten zu tun und erkannte, wie ungerecht die Verfahren waren. 1631 veröffentlichte er ein Buch, in dem er die Hexenprozesse scharf kritisierte. Seine Argumente trugen dazu bei, dass die Verfolgungen langsam weniger wurden.
Im 18. Jahrhundert endeten die Hexenprozesse in Deutschland. Die letzte bekannte Hinrichtung wegen Hexerei fand 1775 in Kempten im Allgäu statt. Die Aufklärung spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Menschen begannen, mehr an Wissenschaft und Vernunft zu glauben. Gerichte verlangten bessere Beweise, und Folter wurde nach und nach verboten.
Heute erinnern Museen, Gedenktafeln und Ausstellungen an die Opfer der Hexenverfolgung. In vielen Städten wird über diese Geschichte offen gesprochen. Ich habe natürlich gleich nachgesehen, wie es in München ist. Auch hier gab es eine regelrechte Hexenjagd. Allein in München wurden an der Stelle des heutigen Busbahnhofs an der Hackerbrücke an die 200 Frauen und Mädchen bei lebendigem Leibe verbrannt. Alles im Namen Gottes.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg316kurz.pdf
von Annik Rubens | 14. Oktober 2025 | Persönlichkeiten, SG Podcast-Episode
Ich habe letztens ein altes Familienfoto gesehen. Es zeigt Verwandte von mir vor ungefähr hundert Jahren oder mehr. Zu sehen sind ein grimmig dreinschauender Vater und eine sehr müde aussehende Mutter und viele, viele Kinder. Damals war es üblich, dass Frauen viele Kinder bekamen. Schuld war daran nicht nur die fehlende Verhütung, sondern auch die Kindersterblichkeit. Die Menschen wussten, dass viele ihrer Kinder nicht alt werden würden. Nur wenige schafften es bis ins Erwachsenenalter. Ich habe mir die Statistiken angesehen: Um das Jahr 1870 starb eines von vier Neugeborenen in seinem ersten Lebensjahr, also 25 Prozent. 1938 waren es noch 6 von 100 Lebendgeborenen, also nur noch 6 Prozent. Heute sterben nur noch etwa drei von 1.000 Kindern, also 0,3 Prozent. Das ist eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte.
Und auch bei den Frauen gab es positive Nachrichten: Während früher sehr viele Frauen im sogenannten Kindbett starben, also bei der Geburt oder kurz danach, ist das heute nur noch sehr selten. Dafür gab es viele Gründe, und über einen Grund möchte ich Dir heute mehr erzählen. In dieser wahren Geschichte geht es um einen Mann namens Ignaz Semmelweis.
Ignaz Semmelweis war ein Arzt, der im 19. Jahrhundert lebte. Er wurde 1818 in Budapest geboren. Damals gehörte Ungarn noch zum Kaiserreich Österreich. Er studierte Medizin in Wien und entschied sich als Spezialfach für die Geburtshilfe, also für die Betreuung von Frauen, die ein Kind bekommen. Nach seinem Studium begann er in Wien im Allgemeinen Krankenhaus zu arbeiten. Das war eines der größten Krankenhäuser Europas, und viele junge Ärzte wurden dort ausgebildet.
Im Krankenhaus gab es zwei Geburtsstationen. In der einen Station arbeiteten Ärzte und Medizinstudenten, in der anderen Hebammen, die dort ausgebildet wurden. Die Frauen wollten alle lieber zu den Hebammen gehen, und das hatte einen wichtigen Grund: Auf der Station der Ärzte starben viele Frauen nach der Geburt – bei den Hebammen war diese Zahl viel geringer. Niemand wusste, warum das so war. Die Ärzte dachten, es liege vielleicht an der Luft oder an der Angst der Frauen. Damals gab es viele Theorien, aber keine Beweise.
Ignaz Semmelweis wurde neugierig. Er wollte den Grund dafür herausfinden. Eines Tages starb sein Freund. Er war Pathologe gewesen und starb kurz nach einer Verletzung, die er sich bei einer Obduktion zugezogen hatte. Eine Obduktion ist die Untersuchung eines toten Menschen um herauszufinden, woran er gestorben ist. Der Freund hatte sich bei einer Untersuchung an der Hand verletzt, und kurz danach bekam er dieselben Symptome wie die Frauen, die im Krankenhaus nach der Geburt starben. Da hatte Semmelweis eine Idee: Vielleicht hatten die Ärzte etwas von den Toten auf die gebärenden Frauen übertragen. Die Ärzte machten nämlich Obduktionen, also Leichenuntersuchungen, und gingen danach ohne sich die Hände zu desinfizieren zu den Geburten. Hygiene galt als Zeitverschwendung. Manche wuschen sich nichtmal die Hände mit Wasser und Seife. Niemand fand das damals merkwürdig, es war ganz normal. Über Bakterien und andere Krankheitserreger wusste man damals noch nichts.
Semmelweis wollte herausfinden, ob seine Theorie richtig war. Er sagte den Ärzten und Studenten, dass sie sich die Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk waschen mussten, bevor sie in die Geburtsstation gingen. Und plötzlich geschah etwas Erstaunliches: Die Zahl der toten Frauen sank sehr schnell. Innerhalb weniger Monate starben fast keine Frauen mehr am sogenannten Kindbettfieber. Das war ein riesiger Erfolg.
Hat man Semmelweis dafür gefeiert und belohnt? Nein. Im Gegenteil. Die Ärzte glaubten ihm nicht. Sie fühlten sich angegriffen. Denn die Theorie sagte ja im Grunde, dass sie selbst schuld waren am Tod vieler Frauen. Das wollte natürlich kein Arzt hören. Außerdem konnte Semmelweis nicht wirklich erklären, warum das Händewaschen half – Bakterien waren noch nicht entdeckt. Erst später, durch die Arbeiten von Louis Pasteur, verstand man, dass winzige Lebewesen Krankheiten verursachen können. Doch Semmelweis hatte das Problem schon vorher gelöst, einfach durch Beobachtung und ein Experiment.
Er versuchte, seine Ideen bekannt zu machen, schrieb Briefe und Artikel, später sogar ein Buch über seine Erfahrungen. Aber viele Leute lachten über ihn. Er wurde nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass er mit allem recht hatte, doch zu seiner Zeit war er ein Außenseiter.
Nach einigen Jahren verließ Semmelweis Wien und ging zurück nach Budapest. Dort arbeitete er weiter als Arzt und führte das Händewaschen auch in der Geburtsstation seiner Heimatstadt ein. Wieder sanken die Todesfälle deutlich. Trotzdem bekam er keine Anerkennung. Viele seiner Kollegen mieden ihn, und er wurde immer einsamer. Gegen Ende seines Lebens war er sehr verbittert und krank. 1865 wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er nur wenige Wochen später starb – vermutlich an einer Blutvergiftung, also genau an der Krankheit, die er so oft verhindern wollte.
Erst Jahre nach seinem Tod erkannte die Welt, wie wichtig seine Entdeckung war. Heute gilt Ignaz Semmelweis als einer der Väter der modernen Hygiene. Händewaschen und vor allem die Hände zu desinfizieren gehört heute zu den einfachsten und wichtigsten Regeln der Medizin. Was heute selbstverständlich ist, war zu den Zeiten von Ignaz Semmelweis undenkbar. Gut, dass wir Menschen manchmal klüger werden und dazulernen.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg308kurz.pdf
von Annik Rubens | 29. April 2025 | SG Podcast-Episode
Heute sprechen wir über ein ganz besonderes Luftfahrzeug: den Zeppelin Hindenburg. Vielleicht hast du schon einmal ein Foto von diesem riesigen Fluggerät gesehen. Oder du hast vom tragischen Unglück gehört, das mit der Hindenburg verbunden ist. In dieser Folge erzähle ich dir die Geschichte dieses berühmten Zeppelins – von seiner Entstehung bis zu seinem Ende.
Ein Zeppelin ist ein Luftschiff. Es fliegt durch die Luft, aber nicht wie ein Flugzeug. Ein Zeppelin ist leichter als Luft, weil er mit einem Gas gefüllt ist. Deshalb schwebt er. Der Name „Zeppelin“ kommt von Ferdinand von Zeppelin. Er war ein deutscher Graf und ein Pionier der Luftfahrt. Schon um das Jahr 1900 baute er die ersten Luftschiffe. Die Zeppeline waren vor allem am Anfang des 20. Jahrhunderts sehr wichtig. Damals gab es noch nicht viele Flugzeuge. Zeppeline konnten viele Menschen und auch Post über weite Strecken transportieren.
Die Hindenburg war der größte Zeppelin, der je gebaut wurde. Sie war 245 Meter lang – das ist fast so lang wie drei Fußballfelder. Gebaut wurde sie in Deutschland, in der Stadt Friedrichshafen am Bodensee. Ihr offizieller Name war LZ 129 Hindenburg, benannt nach dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der Bau war im Jahr 1936 fertig.
Die Hindenburg sollte ein Symbol für die moderne Technik in Deutschland sein. Sie konnte bis zu 72 Passagiere transportieren – das war für die damalige Zeit sehr viel. Der Zeppelin hatte sogar einen Speisesaal, eine Lounge mit einem Klavier und große Fenster, durch die man die Landschaft sehen konnte. Das war Luxus pur. Viele Menschen träumten davon, einmal mit der Hindenburg über den Atlantik zu fliegen.
Aber es gab ein Problem: Die Hindenburg war mit Wasserstoff gefüllt. Dieses Gas ist sehr leicht – das ist gut zum Fliegen – aber es ist auch sehr leicht entzündlich. Eigentlich wollte man Helium benutzen. Helium brennt nicht. Aber die USA hatten damals fast das ganze Helium der Welt und sie wollten es nicht nach Deutschland verkaufen. Deshalb musste man Wasserstoff nehmen. Schon damals wussten viele Experten, dass das gefährlich war.
Trotzdem flog die Hindenburg viele Male ohne Probleme. Sie machte im Jahr 1936 17 Fahrten über den Atlantik – von Deutschland in die USA und zurück. Die Passagiere waren begeistert. Eine Fahrt dauerte ungefähr drei Tage. Man konnte über das Meer fliegen, Musik hören, lesen, gut essen – es war eine sehr elegante Art zu reisen.
Doch dann kam der 6. Mai 1937. Die Hindenburg war gerade auf dem Weg nach Lakehurst in den USA, in der Nähe von New York. An Bord waren 97 Menschen. Als der Zeppelin landen wollte, geschah das Unglück: Plötzlich gab es ein Feuer. Innerhalb von nur 34 Sekunden brannte das ganze Luftschiff. Es war eine Katastrophe. 35 Menschen an Bord und ein Mensch am Boden starben. Die Bilder vom brennenden Zeppelin gingen um die ganze Welt.
Nach diesem Unglück war das Vertrauen in Zeppeline zerstört. Die Menschen hatten Angst, damit zu fliegen. Auch wenn viele Flüge zuvor sicher waren – der Brand der Hindenburg machte klar, wie gefährlich diese Technik sein konnte. Nach 1937 wurden keine großen Zeppeline mehr gebaut. Die Ära der Luftschiffe war vorbei. Flugzeuge waren schneller und wurden bald sicherer.
Heute gibt es wieder kleine Zeppeline. Man kann zum Beispiel Rundflüge über den Bodensee machen. Sie sind viel kleiner und sicherer als die Hindenburg. Und sie fliegen mit Helium, nicht mit Wasserstoff.
Übrigens: Wusstest du, dass es sogar eine Hundekabine in der Hindenburg gab? Es waren zwei Hunde an Bord – aber leider hat nur einer das Unglück überlebt. Auch das Klavier an Bord war besonders. Es war aus Aluminium und extra leicht gebaut, damit das Luftschiff nicht zu schwer wurde.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg296kurz.pdf
von Annik Rubens | 10. November 2021 | SG Podcast-Episode
Was für eine komische Vorstellung: Nach Afrika fahren und dort die deutsche Sprache zu hören. Die europäischen Kulturen haben sich gerne in der ganzen Welt ausgebreitet. So auch Deutschland. Über die deutschen Kolonien spricht aber heute kaum noch jemand. Ich erzähle Dir etwas darüber.
Was brauchte man, um eine Kolonie aufzubauen? Zunächst mal braucht man Schiffe, um überhaupt in die anderen Länder fahren zu können. Und natürlich politische Ziele, das eigene Land auszuweiten. Andere Länder wie England, Frankreich, Portugal und Spanien hatten beides und waren sehr erfolgreich mit ihren Kolonien. Deutschland nicht. Ein paar Versuche gab es, aber sie waren ohne Erfolg. Gut, eine einzige Kolonie schaffte es früh: 1683 wurde eine deutsche Festung in Ghana gebaut, um mit Gold und Sklaven zu handeln. Mehr passierte lange Zeit nicht. Gut, Deutschland war auch kein geeintes Land, sondern bestand aus vielen kleinen Einzelstaaten. Das war sicher ein Grund dafür. Erst 1871 wurde das Deutsche Reich gegründet – dazu gibt es mehr in der Slow German-Episode 172 zu Otto von Bismarck.
In der Verfassung des Deutschen Reiches gab es nun auch einen Artikel über „die Kolonisation“. Also war der politische Wille jetzt da. Schiffe hatte man mittlerweile auch. Reichskanzler Otto von Bismarck war aber nicht begeistert vom Gedanken der Kolonien. Die Kosten für so eine Kolonie würden oft den Nutzen übersteigen, sagte er. Und die deutsche Marine sei noch nicht weit genug entwickelt.
Statt ganze Länder zu kolonialisieren, baute Deutschland einzelne kleine Stützpunkte auf. 1868 wurde ein deutsches Marine-Krankenhaus in Japan gebaut, es gab Stützpunkte in China und Japan für die deutschen Schiffe und Marinesoldaten. Später dann auch in Afrika. Im Deutschen Reich fanden immer mehr Menschen den Gedanken von deutschen Kolonien reizvoll. Es wurden Vereine gegründet, viele Menschen wollten auswandern. Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 wanderten pro Jahr ungefähr 200.000 Menschen aus – viele von ihnen nach Amerika. Aber immerhin einige Zehntausend zogen auch in die neuen Kolonien in Afrika.
1884 gab es dann eine aus heutiger Sicht skurrile Konferenz in Berlin: Bei der „Kongo-Konferenz“ verhandelten die USA, Deutschland und das Osmanische Reich darum, welche Bereiche Afrikas sie unter sich aufteilen könnten. Viel war nicht übrig, weil andere Länder sie schon kolonialisiert hatten. Der Rest wurde dann also verteilt. Die afrikanische Bevölkerung wurde nicht nach ihrer Meinung gefragt. Und so reisten einige Kolonialherren nach Afrika und nahmen sich das Land – entweder sie kauften es für wenig Geld oder sie nahmen es sich mit Gewalt.
So lief es oft ab: Privatmenschen, das waren meistens Kaufleute, gingen ins Ausland. Dort bauten sie sich etwas auf und baten dann Deutschland um Schutz. Bismarck nannte die Kolonien daher auch lieber „Schutzgebiete“.
Deutsch-Südwestafrika war das heutige Namibia, Deutsch-Ostafrika war im heutigen Tansania, Burundi und Ruanda. Man schickte Polizisten und Beamte in die neuen Kolonien, baute Schulen, Kirchen und Kultureinrichtungen. Auch christliche Missionare waren unterwegs, um die Menschen in Afrika vom christlichen Glauben zu überzeugen.
Was gab es noch? In Afrika noch Togo und Kamerun. Im Pazifik Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa. Dort baute man Kaffee, Kakao und Kokosnüsse an. In den Kolonien gab es nunmal viele Dinge, die es in Deutschland nicht gab – für den Handel waren sie also sehr interessant. Einen Gewinn brachten die Kolonien aber dennoch nicht. Trotzdem war 1884 das deutsche Kolonialreich nach dem britischen und französischen flächenmäßig das Größte.
Ein geflügeltes Wort wurde der Ausspruch des späteren Kanzlers Bernhard von Bülow. Er forderte einen „Platz an der Sonne“. Es wurden nur noch kleine Bereiche in China erworben und ein paar kleine Inseln. Ich möchte hier auch nicht alle Gebiete aufzählen, denn darum geht es nicht. Wichtiger ist, was eigentlich der Gedanke hinter diesen Kolonien war. Man wollte zum einen einen Vorteil für Handelsbeziehungen. Das kann ich noch verstehen, wenn man es fair getan hätte. Zum anderen wurde aber kaum Rücksicht genommen auf die Menschen, die bereits in diesen Ländern lebten.
Und damit sind wir bei der dunklen Seite der deutschen Kolonialzeit. Die Deutschen kamen zum Beispiel nach Deutsch-Südwestafrika und machten sich dort breit. Sie nahmen sich mit Gewalt, was sie haben wollten. Die Einheimischen hatten immer weniger Platz für ihre Rinder. Oft wurden sie in die Armut getrieben. Auf Angriffe reagierten die Deutschen mit Gewalt: Sie verbrannten Dörfer, nahmen den Menschen Schutz vor wilden Tieren.
1904 kam es zu einem Konflikt zwischen Kriegern der Herero und deutschen Siedlern. Es folgte eine Schlacht, bei der die einheimischen Herero in die Wüste getrieben wurden. Sie verdursteten. Historiker sagen heute, dass das ein Völkermord war. Der deutsche Generalleutnant hatte sie nicht nur vertreiben wollen, sondern ihnen absichtlich den Zugang zu Wasserstellen versperrt. Geschätzt überlebte nur ein Viertel der Herero dieses Verbrechen. Einem anderen Volk, den Nama, ging es ähnlich. Insgesamt sollen 75.000 afrikanische Menschen umgebracht worden sein.
Die Deutschen lernten zwar aus diesen Kriegen und stellten ihre Politik um. Aber lang dauerte die Kolonialzeit dennoch nicht mehr. Denn auch in der europäischen Heimat war es mittlerweile nicht mehr friedlich: Der Erste Weltkrieg war ausgebrochen. Fast alle deutschen Kolonien fielen an die Alliierten, das besiegelte der Versailler Vertrag im Jahr 1920. Im Zweiten Weltkrieg dann plante Adolf Hitler eine Kolonialisierung Afrikas – zum Glück wurde dieser Alptraum nie wahr.
Und heute? In Namibia gibt es noch knapp 20.000 deutschsprachige Bewohner. Die namibische Armee arbeitet mit der Bundeswehr zusammen. Sonst ist der deutsche Einfluss im Rest der Welt nicht mehr groß.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg242kurz.pdf