Zunรคchst einmal mรถchte ich erklรคren, was eine Gewerkschaft ist. Eine Gewerkschaft ist eine Gruppe von Arbeitern, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben. Diese Gewerkschaft kรคmpft meistens fรผr eine bestimmte Branche. Ihre Ziele sind hรถhere Lรถhne, die Verkรผrzung der Arbeitszeit oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Denn stelle Dir diese Situation vor: Du bist ein kleiner Arbeitnehmer und Dein Chef verlangt von Dir plรถtzlich, fรผr die Hรคlfte zu arbeiten. Du kannst Dich natรผrlich wehren – aber Du hast nur eine kleine Stimme. Daher wird Dir in Verhandlungen nicht zugehรถrt. Wenn aber eine Gewerkschaft verhandelt, dann ist diese viel stรคrker als ein einzelner Arbeitnehmer. Daher schlieรen sich Menschen aus dem gleichen Berufszweig zusammen.
In Deutschland gibt es viele verschiedene Gewerkschaften. Man kann sie auch Interessensvertretung nennen, weil sie fรผr die Interessen der Arbeiter kรคmpfen. Es gibt acht besonders groรe Gewerkschaften. รber ihnen steht der DGB, der Deutsche Gewerkschaftsbund. Man nennt den DGB eine Dachorganisation. Und jetzt kommen die acht groรen Gewerkschaften: IG Metall, Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, IG Bergbau, Chemie, Energie, IG Bauen-Agrar-Umwelt, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststรคtten, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Gewerkschaft der Polizei. Du merkst schon, die meisten Berufe sind hier schon abgedeckt.
Die Gewerkschaften verhandeln oft mit den Arbeitgebern รผber so genannte Tarifvertrรคge. In solchen Vertrรคgen steht drin, dass fรผr die gesamte Branche einheitliche Lรถhne bezahlt werden. In die Verhandlungen darf sich der Staat nicht einmischen. Das geht nur die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer etwas an. Oft fรผhren die Verhandlungen zu einem Streik der Arbeitnehmer, wenn sie mit den angebotenen Bedingungen nicht einverstanden sind. Das kann ein Warnstreik sein, bei dem die Arbeitnehmer fรผr eine bestimmte Zeit die Arbeit niederlegen. Es kann aber auch lรคnger dauern. Gemerkt haben das viele, als zum Beispiel die Erzieher von Kindergรคrten gestreikt haben. Oder wenn mal wieder die Fluglotsen streiken und niemand in den Urlaub fliegen kann. So รคrgerlich das fรผr viele Menschen ist – es ist wichtig, dass die Angestellten sich durch einen Streik gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehren kรถnnen.
Frรผher waren die deutschen Gewerkschaften รผbrigens wichtiger als heute. Immer weniger Menschen organisieren sich heute in Gewerkschaften. In den DGB-Gewerkschaften sind es noch rund 6 Millionen Arbeitnehmer. Entstanden sind die nationalen Gewerkschaften in Deutschland in den Jahren 1848/1849. Die รคlteste noch existierende Gewerkschaft ist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivfรผhrer. Gewerkschaften sind aus den Arbeiterkรคmpfen der industriellen Revolution entstanden.
Weiรt Du, wie die Gewerkschaften sich finanzieren? Durch Mitgliedsbeitrรคge. Jedes Gewerkschaftsmitglied zahlt einen jรคhrlichen Mitgliedsbeitrag.
Kommen wir zum zweiten Thema dieser Episode: Dem Betriebsrat. Das ist nรคmlich auch eine gute Sache fรผr die Arbeitnehmer. Sobald ein Betrieb grรถรer ist als fรผnf stรคndige Mitarbeiter, darf er einen Betriebsrat wรคhlen. Dieser Betriebsrat ist dann sowas wie eine kleine Gewerkschaft fรผr den Betrieb. Der Betriebsrat verhandelt mit den Arbeitgebern und versucht, einen guten Weg fรผr die Arbeiter zu finden. Natรผrlich auch im Hinblick auf Tarifvertrรคge und Gewerkschaften. Der Betriebsrat wird fรผr vier Jahre gewรคhlt. Er bekommt dafรผr kein Geld. Der Chef darf den Betriebsrat nicht einfach kรผndigen – auch dafรผr gibt es Regelungen. Wenn ein Arbeiter gekรผndigt werden soll, muss der Betriebsrat davon erfahren. Er kann dieser Kรผndigung dann in wichtigen Fรคllen sogar widersprechen.
Betriebsrat und Gewerkschaft sollen den Arbeitnehmer stรคrken. Sie sollen fรผr ihn kรคmpfen und ihn unterstรผtzen. Durch diese Einrichtungen soll sozusagen ein Gleichgewicht hergestellt werden zwischen den Angestellten und ihren Chefs. Zumindest soll es beide Seiten nรคher zusammenbringen. Gewerkschaften und Betriebsrat sind aber grundsรคtzlich selbstรคndig und voneinander unabhรคngig. Im besten Fall helfen sie einander.
Ich habe in dieser Folge zwei Begriffe immer wieder durcheinandergeschmissen. Der Einfachheit halber. Und zwar die Wรถrter Arbeiter und Angestellte. Es gibt aber einen Unterschied. Ein Arbeiter verrichtet meistens kรถrperliche Arbeit. Handwerker gehรถren zu den Arbeitern. Angestellte sind dagegen meistens die Bรผromenschen, also Kaufmรคnner, Sekretรคrinnen und รคhnliches. Wรคhrend ein Arbeitgeber die Firma ist, fรผr die ich arbeite, bin ich der Arbeitnehmer. Er gibt mir die Arbeit, ich nehme sie. Das kannst Du Dir sicher gut merken.
Hier wird der Begriff Gewerkschaft in einem Video erklรคrt:
Ich habe letztens eine Zahl gelesen, die mich รผberrascht hat. In Deutschland leben weniger als 100.000 Juden. Ich dachte, die Zahl wรคre viel hรถher. Es macht mich traurig, das zu lesen. Zum Vergleich: Es leben รผber vier Millionen Muslime in Deutschland.
Welche berรผhmten deutsch-jรผdischen Menschen fallen mir ein? Albert Einstein, Heinrich Heine, Karl Marx? Aus der neueren Zeit denke ich an Michel Friedman, den man oft in Talkshows sieht, wenn es um das Thema geht. Er war Politiker und Moderator, er schreibt Bรผcher und ist Jurist.
In dieser Folge mรถchte ich รผber die Geschichte der Juden in Deutschland sprechen. Es ist nicht leicht, alles so kurz zusammenzufassen. Aber es ist wichtig, das Thema nicht zu ignorieren.
Juden leben schon sehr lange in Deutschland. Es gibt Beweise, dass es sie in Kรถln schon im Jahr 321 gab. Damals war die Stadt noch von den Rรถmern besiedelt. Im 10. und 11. Jahrhundert stieg die Zahl der jรผdischen Bรผrger auf 20.000 an. Jรผdische Kaufleute kamen an den Rhein. 1012 wurde die erste Synagoge in Kรถln gebaut, es wurden jรผdische Schulen und Friedhรถfe gegrรผndet. Da die Christen damals keine Zinsen verlangen durften, weil es so in der Bibel stand, รผbernahmen die Juden das Kreditgeschรคft. Beide Religionen lebten damals friedlich zusammen beziehungsweise nebeneinander.
Das blieb leider nicht so. Die Kreuzzรผge begannen 1096. Menschen zogen in Europa los, um Palรคstina zu erobern. Auslรถser war die Predigt des damaligen Papstes. Bereits auf ihrem Weg wurden Juden ermordet, so auch in der Region um Kรถln. Sie wurden als Gottesmรถrder beschimpft. Einige Jahre spรคter wurde beschlossen, dass sie keine Waffen tragen durften. Nochmal hundert Jahre spรคter wurden alle Juden zu unfreien Knechten des Kaisers. Sie mussten sich kennzeichnen. Im 14. Jahrhundert wurden Tausende von ihnen umgebracht.
1348 war die Zeit der Pest. Viele Menschen starben an der Seuche. Wie sich die Krankheit รผbertrug verstanden sie nicht. Also wurden die Juden verantwortlich gemacht. Ihnen wurde vorgeworfen, Brunnen vergiftet zu haben. Viele von ihnen wurden verfolgt und getรถtet.
Es ging immer so weiter: Christliche Prediger wetterten gegen Juden. Auch die Schriften von Martin Luther waren antisemitisch. Die Bevรถlkerung handelte danach und verfolgte sie. Sie wurden vertrieben, auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder auf andere Art getรถtet. Bis 1520 waren sie aus den groรen Stรคdten verschwunden. Ghettos entstanden. Wer konnte, der floh nach Bรถhmen, Polen und Osteuropa.
Um das Jahr 1600 lebten bis zu 10.000 Juden in Deutschland. Auch wieder in den Stรคdten. Das Verhรคltnis zu den Christen entspannte sich etwas. Nach dem Dreiรigjรคhrigen Krieg und der Aufklรคrung ging es ihnen besser in Deutschland. Weil sie an ihren Namen aber sofort erkannt wurden, gaben sich im 18. Jahrhundert viele von ihnen neue Familiennamen.
Napoleon brachte ihnen erst die Emanzipation, spรคter wieder Einschrรคnkungen. So war es auch spรคter, mal bekamen sie neue Rechte, dann wurden sie ihnen wieder genommen. 1847 wurde ein einheitliches Judengesetz geschaffen. Juden durften danach manche Staatsรคmter รผbernehmen und in manchen Fรคchern als Professoren unterrichten. Juden waren Staatsbรผrger. Sie begannen, ihre Religion zu reformieren, es gab zum Beispiel erste Predigten auf Deutsch.
Die Reichsverfassung 1871 machte alle deutschen Juden zu gleichberechtigten Bรผrgern. Der Antisemitismus der Menschen blieb jedoch erhalten. Die jรผdischen Gemeinden blรผhten auf, vielen Juden ging es finanziell sehr gut. Sie waren erfolgreich. Das brachte Neid und Hass. Es grรผndeten sich erste politische Parteien gegen die Juden. Antisemitismus wurde gesellschaftsfรคhig.
1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler und die systematische Judenverfolgung begann. Ziel war die Vertreibung und Vernichtung der deutschen Juden. 1938 wurden in der Reichspogromnacht Synagogen und jรผdische Geschรคfte zerstรถrt. Juden wurden in Vernichtungslagern systematisch umgebracht. Eine halbe Million von ihnen lebte 1933 im Deutschen Reich. Das waren 0,77 Prozent der Bevรถlkerung. Dennoch fรผhlten sich die Deutschen von dieser Minderheit bedroht. Juden aus รผber 20 europรคischen Lรคndern wurden deportiert und getรถtet. Schรคtzungen zufolge wurden 6 Millionen jรผdische Menschen im Holocaust ermordet.
Wer Glรผck hatte, konnte fliehen. Die meisten Juden leben heute in den USA, dort sind es fast 7 Millionen. Etwas weniger in Israel. In Deutschland verbleiben wie gesagt rund 100.000. Das sind 0,1 Prozent der Bevรถlkerung. Antisemitismus gibt es heute immer noch in Deutschland. Erst kรผrzlich wurde ein Anschlag auf eine Synagoge in Halle verรผbt.
Hier noch ein interessantes Video darรผber, wie junge Juden in Deutschland leben:
Das ist eine Uni. Uni ist die Kurzform fรผr Universitรคt. Ich studiere hier. Ich bin Studentin. Neudeutsch sagt man dazu auch Studierende. Ich bin eine Studierende.
Wieso sagt man das so?
Damit man am Wort selber nicht mehr das Geschlecht erkennt. Frรผher war es der Student und die Studentin. Heute sind beide einfach die Studierenden.
Ah. Und was bedeutet Studieren?
Studieren bedeutet, dass ich hier etwas lerne. Es ist wie eine Schule. Aber nicht fรผr Kinder, sondern fรผr Erwachsene. Ich habe mir einen Studiengang ausgesucht. Also ein Fach, das mich besonders interessiert. In diesem Fach lerne ich jetzt viel. Das kann Jura sein, Englisch, Mathematik oder auch Sport und Musik.
Und warum lernst Du das?
Fรผr meinen spรคteren Beruf! Wenn ich zum Beispiel Lehrerin werden mรถchte oder Rechtsanwรคltin, dann muss ich vorher studieren. Ich lerne dann alles, was ich fรผr diesen Beruf brauche. Am Ende mache ich eine Prรผfung. Dann darf ich in diesem Beruf erst arbeiten. Ich kann auch selber an der Uni arbeiten und Dozentin werden oder Professorin.
Darf jeder Mensch in Deutschland studieren?
Nein, leider nicht. Erst geht jeder Mensch in Deutschland neun Jahre lang in die Schule. Mindestens. Die hรถchste Schule ist das Gymnasium, die dauert sogar 13 Jahre lang. Und danach gibt es eine Prรผfung, das Abitur. Das Abitur nennt man auch Hochschulreife. Erst wenn ich dieses Abitur habe, darf ich an der Uni studieren.
Das ist ganz schรถn kompliziert. Studierst Du jeden Tag?
Nein, ich habe manchmal auch Semesterferien. Jedes Jahr hat zwei Semester. Ein Wintersemester und ein Sommersemester. In dieser Zeit finden Vorlesungen statt. Und Seminare, das sind dann Arbeitsgruppen mit weniger Studierenden. Manche Seminare sind Pflicht, ebenso manche Vorlesungen. Ich muss Scheine machen. Das bedeutet, dass ich eine bestimmte Anzahl an Vorlesungen und Seminaren besuchen muss, um Scheine zu bekommen. Nur wenn ich diese Scheine habe, darf ich das Studium spรคter abschlieรen. Zwischen den Semestern habe ich Semesterferien.
Was machst Du dann?
In den Ferien arbeite ich meistens. Denn ich muss Geld verdienen, um mir meine Studentenbude leisten zu kรถnnen.
Bude?
So nennt man die kleine Wohnung, in der ein Student lebt. Oder oft ist es ein Zimmer in einem Studentenheim.
Ich habe Hunger.
Kein Problem, dann lass uns in die Mensa gehen.
Mensa?
Ja, die Mensa ist der Ort, wo die Studierenden essen gehen kรถnnen. Es ist sehr billig. Es kostet also nicht viel Geld. Dafรผr schmeckt es auch meistens nicht so toll.
Dann habe ich doch keinen Hunger. Was machst Du jetzt?
Ich gehe in die Bibliothek. Dort kann ich mir Bรผcher ausleihen oder in den Bรผchern lesen, die dort vorhanden sind. Im Lesesaal hab ich meine Ruhe. Auch vor Auรerirdischen.
Robert Koch wird 1843 geboren. Er hat zwรถlf Geschwister. Er mรถchte Entdecker werden. Sein groรes Vorbild ist Alexander von Humboldt. Also studiert Robert Koch Naturwissenschaften. Doch dann wechselt er zur Medizin. Er arbeitet als Arzt. Eine Krankheit begegnet ihm besonders hรคufig: Der Milzbrand. Es ist eine Seuche. Viele Bauern und ihre Tiere sind krank. Niemand weiร, wie sich die Krankheit รผbertrรคgt.
Im Blut der Tiere entdeckt man winzige stรคbchenfรถrmige Kรถrper. Robert Koch schafft es zu beweisen, dass diese Stรคbchen Lebewesen sind – und dass sie die Krankheit auslรถsen. Robert Koch hat es geschafft, die kleinen Lebewesen auรerhalb eines Kรถrpers zu kultivieren. Er legt eine sogenannte Bakterienkultur an. Dann beobachtet er die Bakterien und hรคlt fest, wie sie leben und sich vermehren. Er infiziert gesunde Tiere mit den Bakterien und kann so zeigen, wie sie krank werden. Der franzรถsische Wissenschaftler Louis Pasteur entwickelt daraufhin einen Impfstoff gegen die Krankheit. Und Robert Koch darf in Berlin an Bakterien forschen. Er wird Professor. Allerdings mรถchte er nicht gerne unterrichten, er mรถchte lieber forschen.
1882 entdeckt er wieder einen Erreger, diesmal den von Tuberkulose. Er warnt davor, dass die Tuberkulose รผber die Atemluft รผbertragen wird. Die Tuberkulose ist damals eine gefรคhrliche Krankheit in Deutschland: jeder siebte Deutsche stirbt an ihr.
1890 denkt Koch, einen Impfstoff gegen Tuberkulose entwickelt zu haben – er nennt ihn Tuberkulin. Er testet das Mittel an Meerschweinchen und an seiner Geliebten. Das Mittel hilft aber nicht. Viele Patienten sterben. Fรผr Robert Koch ist das ein Skandal. Er lรคsst sich beurlauben und reist nach รgypten.
Spรคter reist er nach Sรผdafrika, Indien, auf Java und Neuguinea. Er erforscht die Schlafkrankheit, Pest, Rinderkrankheit und Malaria und geht auf eine groรe Weltreise. Er forscht auch am Erreger der Cholera und findet heraus, dass diese Krankheit รผber verseuchtes Wasser รผbertragen wird.
Koch erhรคlt 1905 den Nobelpreis fรผr Medizin. Der Preis ist allerdings noch nicht so wertvoll wie heute, er existiert erst seit vier Jahren.
Leider hat seine Forschung einen Nachteil: Durch den stรคndigen Kontakt mit Bakterien infiziert er sich selbst immer wieder mit Tropenkrankheiten. Auch Malaria bekommt er. Er stirbt 1910. Noch heute ist sein Name in Deutschland sehr bekannt. Unter anderem durch das nach ihm benannte Robert-Koch-Institut. Das ist eine Behรถrde in Deutschland, die sich um Infektionskrankheiten kรผmmert. Diese Behรถrde ist die zentrale Forschungseinrichtung Deutschlands und empfiehlt beispielsweise, welche Impfungen es geben sollte. Ihr Hauptanliegen ist die Gesundheit der Menschen in Deutschland.
In Deutschland gibt es eine Schulpflicht. Jedes Kind muss also eine Schule besuchen. Das so genannte Homeschooling, also den Unterricht zu Hause, gibt es nicht. Alle Jungen und Mรคdchen gehen in die Schule. Mit sechs Jahren kommt ein Kind hier in die Schule. Das nennt man Einschulung. Manche Kinder kommen auch schon mit fรผnf Jahren in die Schule – oder erst mit sieben Jahren. Darรผber entscheidet entweder das Gesetz, oder die Eltern gemeinsam mit den Lehrern. Im Schuljahr 2016/2017 wurden 721.000 Kinder in Deutschland eingeschult. Insgesamt gingen in diesem Jahr 8,4 Millionen Kinder in die Schule. 9 Prozent der Kinder gehen in eine private Schule, der Rest in staatliche Schulen. Diese staatlichen Schulen kosten nichts. Sie werden durch Steuern finanziert. Mindestens neun Jahre lang mรผssen alle Kinder in Deutschland in die Schule gehen. Wenn ein Kind nicht in der Schule erscheint, kann es passieren, dass die Polizei zu Hause auftaucht und das Kind abholt. Die Schule ist nicht in jedem Bundesland gleich. Jedes Bundesland darf selber entscheiden, wie es die Kinder unterrichtet. Hier in Bayern zum Beispiel gibt es viel Religionsunterricht in der Grundschule. In der dritten und vierten Klasse sind es drei Stunden pro Woche. Die Lehrplรคne sind unterschiedlich. Ein Lehrplan ist ein aufgeschriebenes Dokument, an das sich alle Lehrer halten mรผssen. Hier steht geschrieben, was die Kinder in den verschiedenen Schuljahren lernen mรผssen. Schwierig ist es also fรผr Kinder, deren Eltern umziehen. Denn รผberall ist die Schule anders.
Und so funktioniert das Schulsystem: Die Kinder gehen zunรคchst in die Grundschule. Das Schuljahr beginnt nach den groรen Ferien im Sommer, also je nach Bundesland im Juli bis September. In den meisten Bundeslรคndern dauert die Grundschule vier Jahre lang – in manchen auch sechs Jahre lang.
Danach mรผssen die Eltern entscheiden, wie es fรผr das Kind weitergeht. Sind die Noten sehr gut? Oder eher nicht? Die Noten werden in Deutschland von 1 bis 6 vergeben. Eine eins ist die beste Note, eine sechs die schlechteste. In der vierten Klasse der Grundschule geht es also um den so genannten รbertritt in eine weiterfรผhrende Schule. Es gibt die Hauptschule, Realschule, das Gymnasium und die Gesamtschulen.
Aber das ist nicht alles, denn auch die Art der Schulen ist wieder in jedem Bundesland anders. In Bayern gibt es zum Beispiel die Mittelschule, in Bremen die Oberschule, in Thรผringen die Regelschule. Kompliziert, oder?
Merkt Euch folgendes: Nach der Grundschule entscheiden die Noten des Kindes, wie es weitergeht. Es kann dann entweder einen Weg wรคhlen, der in Richtung eines handwerklichen Berufes fรผhrt, oder in Richtung eines akademischen Berufes.
Der schnellste Abschluss ist nach neun Jahren mรถglich. Danach kann der Teenager eine Berufsausbildung anfangen. Die hรถchste Form der weiterfรผhrenden Schulen ist das Gymnasium, das bis zur 12. oder 13. Klasse dauert und die Schรผler und Schรผlerinnen auf ein Studium an der Universitรคt vorbereiten soll. 44 Prozent der Kinder wollen auf das Gymnasium.
Im Gymnasium lernen die Kinder Fremdsprachen, Chemie, Physik und รคhnlich komplizierte Fรคcher. Der Schรผler oder die Schรผlerin spezialisiert sich immer mehr auf die eigenen Interessen. Die letzten zwei Jahre auf dem Gymnasium bezeichnet man als Kollegstufe. Hier hat man so genannte Leistungskurse und Grundkurse. Ich hatte zum Beispiel als Leistungskurse Deutsch und Englisch, jeweils 6 Stunden pro Woche. Fรคcher, die man รผberhaupt nicht mag, kann man abwรคhlen. Das heiรt, man muss sie nicht mehr machen. Das geht aber natรผrlich nur begrenzt. Ich hatte Glรผck und konnte Chemie abwรคhlen.
Wer das Gymnasium mit dem so genannten Abitur abschlieรt, darf an einer Universitรคt studieren. Das Abitur machen die deutschen Jugendlichen mit 18 oder 19 Jahren. Danach kรถnnen sie studieren. Das Abitur ist รผbrigens auch in jedem Bundesland unterschiedlich. รber das Schulsystem wird in Deutschland viel diskutiert. Kritisiert wird oft, dass die Kinder schon im Alter von zehn Jahren gezwungen werden, sich fรผr einen Schulweg zu entscheiden. Das sei viel zu frรผh, sagen Experten. Kritisiert wurde auch oft, dass das Gymnasium bis zur 13. Klasse dauert. Im Vergleich mit anderen europรคischen Lรคndern ist das zu lang. Daher wurde die Zeit um ein Jahr verkรผrzt – aber auch das brachte keinen Erfolg. Also wurde sie wieder verlรคngert. Es ist ein stรคndiges hin und her.
Die Kinder gehen รผbrigens in Deutschland meist nur am Vormittag in die Schule. Sie beginnt gegen acht Uhr morgens und endet um eins. Im Gymnasium kommt manchmal Nachmittagsunterricht dazu, also zwei Stunden Sport oder im hรถchsten Fall vier Stunden Unterricht. Selten gibt es in Deutschland Ganztagsschulen wie in anderen Lรคndern – aber das wird immer hรคufiger von den berufstรคtigen Eltern gefordert. Es gibt nach der Schule verschiedene Mรถglichkeiten der Betreuung. Zum Beispiel eine Mittagsbetreuung, einen Hort oder ein Tagesheim. Dort bekommen die Kinder Essen und sie kรถnnen ihre Hausaufgaben machen.
Die Sommerferien dauern sechs Wochen lang. Dazu gibt es je nach Bundesland noch weitere Ferien. Hier in Bayern zum Beispiel eine Woche Herbstferien, zwei Wochen Weihnachtsferien, zwei Wochen Osterferien und zwei Wochen Pfingstferien. Ganz schรถn viel, oder?
Heute erzรคhle ich Dir etwas รผber Gastarbeiter. Das sind die Menschen gewesen, die ab 1955 freiwillig aus anderen Lรคndern nach Deutschland kamen, um hier zu arbeiten. Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. In Deutschland herrschte ein Arbeitskrรคftemangel. Viele Mรคnner waren im Krieg gefallen oder verwundet nach Hause zurรผckgekehrt. Dazu kam die Zeit des Wirtschaftswunders, der jungen Bundesrepublik ging es immer besser, es wurde viel produziert.
Vor allem in der Industrie wurden Gastarbeiter gebraucht. Also hatte die deutsche Politik mit Italien ein Abkommen unterzeichnet. Sie einigten sich darauf, dass Italiener nach Deutschland kommen sollten, um hier zu arbeiten. Solche so genannten Anwerbeabkommen schloss Deutschland noch mit anderen Lรคndern ab. 1960 mit Spanien und Griechenland, 1961 mit der Tรผrkei, 1963 mit Marokko und Sรผdkorea, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und 1968 mit dem damaligen Jugoslawien. Vor allem nach dem Bau der Mauer, als aus dem Osten des Landes keine Arbeitskrรคfte mehr kamen, waren Gastarbeiter wichtig fรผr Deutschland.
Die Gastarbeiter hatten zu Beginn der 60er-Jahre ein schweres Leben. Sie waren meist ungelernte Arbeiter. Sie mussten schwere und schmutzige Arbeit in der Industrie machen. Oft arbeiteten sie fรผr wenig Geld im Schichtsystem, also zu verschiedenen Tageszeiten. Sie standen zum Beispiel am Flieรband in einer Fabrik. Dafรผr bekamen sie weniger Geld als deutsche Arbeiter – fรผr die Unternehmen war es also ein Gewinn, auslรคndische Arbeiter anzustellen. Untergebracht waren die Gastarbeiter oft in einfachen Holzbaracken.
1964 kam der millionste Gastarbeiter nach Deutschland. Als Geschenk bekam er damals ein Moped. Sein Name war Armando Rodrigues de Sรก aus Portugal. Er wurde feierlich vom Bundesinnenminister begrรผรt.
Wie der Begriff Gastarbeiter schon sagt, wollten die Menschen aus den Nachbarlรคndern damals eigentlich nur fรผr ein paar Jahre in Deutschland bleiben. Sie wollten hier arbeiten, gutes Geld verdienen und dann wieder nach Hause zurรผckkehren. Viele von ihnen hatten Heimweh. Sie hatten Sprachprobleme, fรผhlten sich fremd und waren oft fern von ihren Familien. Einen groรen Teil ihres Einkommens schickten sie nach Hause oder sie sparten.
1973 gab es eine Wirtschaftskrise in Deutschland und daraus folgte ein Anwerbestopp. 14 Millionen Gastarbeiter kamen zwischen 1955 und 1974 nach Deutschland. Elf Millionen gingen wieder zurรผck in ihre Heimatlรคnder.
Viele der Gastarbeiter in Deutschland entschlossen sich zu bleiben. Ihre Arbeitskraft wurde gebraucht, sie holten ihre Familien ins Land. Die ersten Kinder der Gastarbeiter wurden in Deutschland geboren, eine neue Generation wuchs heran. Diese Kinder hatten keine Sprachprobleme, sie fรผhlten sich hier schnell zu Hause. Und fรผr die Eltern war das ein weiterer Grund zu bleiben. Viele wurden deutsche Staatsbรผrger.
Noch heute ist deutlich zu merken, woher die meisten Gastarbeiter kamen. Die grรถรte Gruppe unter den Auslรคndern in Deutschland machen die Tรผrken aus. 1,6 Millionen Tรผrken leben heute in Deutschland. Manche von ihnen schon in der dritten Generation. Viele sind gut integriert, aber nicht alle. Jeder fรผnfte Tรผrke spricht die deutsche Sprache nur mangelhaft, was dann wieder Probleme mit sich bringt wenn es um Schule oder Beruf geht.
Hier im Video siehst Du Mustafa Akci, einen Gastarbeiter, der aus der Tรผrkei nach Deutschland kam und blieb:
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