SG #041: Weihnachten

SG #041: Weihnachten

Ich kann es selber kaum glauben – aber ich habe Euch noch gar nichts von Weihnachten erzählt! Also hole ich das heute nach. In Deutschland ist Weihnachten das wahrscheinlich wichtigste Fest des Jahres. Ich weiß, Ostern ist für die Christen noch viel wichtiger, aber Weihnachten ist auch für weniger religiöse Menschen wie mich ein großes Datum.

Ich habe Euch ja schon erzählt, dass es in Deutschland den Advent gibt. Die vier Sonntage vor Weihnachten wird also jeweils eine Kerze angezündet auf einem Adventskranz. Und man hat einen Adventskalender, hinter dessen Türchen jeden Tag Schokolade oder etwas anderes zu finden ist. Ist diese Wartezeit endlich vorbei, dann ist Weihnachten. Wir feiern schon am 24. Dezember. In meiner Familie beginnt der Tag nach einem schönen Frühstück und Mittagessen damit, dass wir den Tannenbaum von draußen hereinholen, ihn in der Wohnung aufstellen und gemeinsam schmücken. Das macht aber jede Familie anders. Dann ziehen wir uns festlich an, versammeln uns wenn es dunkel ist um den schönen Baum, hören Weihnachtsmusik und zünden die Kerzen an. Und dann ist die Bescherung. Wir überreichen einander die Geschenke und packen sie aus. Danach gibt es ein festliches Essen. In vielen Familien gibt es am Heiligabend selber nichts Besonderes zu essen, sondern erst am ersten Weihnachts-Feiertag, also am 25. Dezember. Bei uns aber gibt es schon am 24. abends ein leckeres Fondue.

Ich habe Euch ja schon erzählt, dass ich nicht religiös bin. Für mich ist Weihnachten ein Familienfest, ein Ritual, auf das ich mich freue. Aber natürlich respektiere ich es, wenn die Christen in meiner Umgebung an diesem Tag die Geburt von Jesus feiern möchten. Viele von ihnen gehen am 24. Dezember in die Kirche. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu tun. Man kann schon am Nachmittag in die Kirche gehen – dann gibt es meist eine Kindermette mit Krippenspiel, oder man geht spät abends, gegen Mitternacht. Dann ist die Kirche festlich erleuchtet, am Altar steht ein geschmückter Baum mit Kerzen und man sieht eine geschnitzte Krippe mit den Figuren von Maria und Josef und dem Neugeborenen. Bei dieser Christmette, wie der Gottesdienst genannt wird, sind die Kirchen in Deutschland voll. Auch viele der Menschen, die sonst nie in die Kirche gehen, möchten sich diesen besonderen Abend nicht entgehen lassen.

Am 25. und 26. Dezember ist in Deutschland gesetzlicher Feiertag, die meisten Menschen müssen also nicht arbeiten. Diese Zeit wird oft genutzt, um die Familie zu besuchen und mit ihnen noch einmal zu feiern. Ich wünsche Euch jetzt auch: Frohe Weihnachten! Und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Text der Episode als PDF: http://www.slowgerman.com/folgen/sg41kurz.pdf

SG #019: Sternsinger

Ich möchte Euch heute etwas über die Sternsinger erzählen. Das ganze ist eine sehr alte Tradition. Am 6. Januar finden viele verschiedene Dinge statt. Die orthodoxen Christen feiern an diesem Tag Weihnachten beziehungsweise Christi Geburt. Es ist aber auch das Dreikönigsfest. In Süddeutschland, Österreich und Sachsen-Anhalt ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag, wir müssen also nicht arbeiten. Es ist aber auch ein besonderes Fest: An diesem Tag gehen Kinder von Haus zu Haus und singen. Dafür bekommen sie dann Geld, und dieses Geld wird gesammelt und für Hilfsprojekte gespendet.

Die Kinder sind verkleidet als die heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Mit geweihter Kreide zeichnen sie dann an die Türe oder über die Türe die Botschaft „20* C+M+B 08“. Das steht angeblich nicht für die Anfangsbuchstaben der drei Könige, sondern für den lateinischen Spruch „Christus mansionem benedicat“, also „Christus segne dieses Haus“. Das Haus soll also geschützt sein vor Unglück – ebenso natürlich die Bewohner.

In Deutschland sind die Sternsinger die weltweit größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Dieses Jahr haben eine halbe Million Kinder mitgemacht. Im vergangenen Jahr wurden bei der Aktion 38,8 Millionen Euro gesammelt. Die Hälfte des Geldes wird für die Bildung ausgegeben, ein Fünftel ungefähr für die Rehabilitation von Kindern, und acht  Prozent immerhin an die Evangelisierung von Kindern in der ganzen Welt. Denn ich darf natürlich nicht vergessen zu sagen, dass die Sternsinger im Namen der katholischen Kirche unterwegs sind. Sie wurden sogar von Papst Benedikt gesegnet. Sogar ans Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler, wurden die Kreidezeichnungen angebracht.

Dieses Jahr ist das Motto der Sternsinger „Sternsinger für die Eine Welt“.

Text der Episode als PDF: http://www.slowgerman.com/folgen/sg19kurz.pdf

SG #015: Allerheiligen

Der erste Schnee ist hier in München schon letzte Woche gefallen. Immer wenn es langsam kalt wird und der Winter beginnt, freue ich mich. Denn das bedeutet, dass Allerheiligen bevorsteht. Ich gebe zu, nicht viele Menschen hier in Deutschland freuen sich auf diesen Tag. Es ist ein katholischer Feiertag, der immer am 1. November begangen wird. Und eigentlich steckt dahinter ein sehr trauriger Anlass: Man denkt an die Toten.

Ich möchte Euch nun aber mal erzählen, wie das in meiner Familie aussieht. Vor über 25 Jahren ist mein Opa gestorben. Ich war damals ein kleines Kind. Wie es der Brauch und die Tradition will, sind meine Eltern und ich damals am 1. November an das Grab meines Opas gefahren. Und so machen wir es seitdem jedes Jahr.

Der Tag beginnt bei uns damit, dass wir uns im Elternhaus meiner Mutter treffen. Dort kommt die ganze Familie zusammen, drei Generationen, aus ganz Deutschland. Wir gehen zusammen Mittag essen, und danach ziehen wir uns besonders warm an. Wir spazieren hinüber zum alten Friedhof und besuchen erst einmal andere Gräber. Die Gräber von Verwandten oder Freunden. Dort stehen jeweils deren Familien, und man spricht kurz miteinander. Dann stellt man sich an das eigene Familiengrab. In katholischen bayerischen Gemeinden wie der, in die ich immer fahre, steht beinahe an jedem Grab jemand. Dann beginnt ein Gottesdienst. Ein Pfarrer spricht und betet, eine Blaskapelle spielt traurige Lieder. Dann werden die Gräber gesegnet, der Pfarrer geht mit Weihwasser über den Friedhof.

Nach einer Stunde ist man durchgefroren. Man geht nach Hause und wir sitzen dann noch bis spät abends beisammen. Wir trinken Kaffee, essen Kuchen und essen später zu Abend. Es ist für mich ein wunderschöner Tag, denn zum einen finde ich es wichtig, an die Toten zu denken, zum anderen ist es der einzige Tag im Jahr, an dem die ganze Familie zusammen ist.

In Bayern hat man an diesem Tag übrigens frei. Man muss nicht arbeiten. Wir haben viele religiöse Feiertage hier.

Text der Episode als PDF: http://www.slowgerman.com/folgen/sg15kurz.pdf

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